<b>„Overtourism“, also Übertourismus, ist in Südtirol längst schon kein Fremdwort mehr. Gibt es denn überhaupt noch Wanderziele, bei denen man kaum Menschen antrifft?</b><BR />Maurizio Marchel: Ja, aber das sind Ziele, die schwieriger zu erreichen sind. Je mehr Höhenmeter man zurücklegt und je mehr Schutzhütten man hinter sich lässt, desto weniger Menschen begegnet man. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70045866_quote" /><BR /><BR /><b>Trifft das auch auf die Dolomiten zu, der Tourismus-Hotspot schlechthin im Land?</b><BR />Marchel: Die Situation in den Dolomiten wird immer schlimmer. Es wurde viel Werbung gemacht, und Orte wie der Pragser Wildsee oder der Sorapissee bei Cortina d'Ampezzo ziehen immer mehr Menschen an. Aber auch in den Dolomiten gilt dasselbe. Ab 1700 Höhenmetern begegnet man weniger Menschen. <BR /><BR /><b>In Ihrem neuen Buch beschreiben Sie 80 Touren zu einsamen Gipfeln. Wie haben Sie diese gefunden?</b><BR />Marchel: Zumeist über Karten. Die Berge sind meine Leidenschaft. Ich wohne in der Valsugana im Trentino. Schon als Kind bin ich mit meinem Vater in Südtirol gewandert, es ist wunderschön. Viele Wochenenden habe ich hier verbracht, um die Gegend zu erkunden. Ich habe stets versucht, neue Gipfel zu besteigen, neue Ziele zu finden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-70046330_quote" /><BR /><BR /><b> Was ist das Schöne daran, wenn man auf einsamen Wegen unterwegs ist?</b><BR />Marchel: Man kann die Landschaft so genießen, wie Gott sie erschaffen hat. Es gibt keinen Lärm, nur den Wind. Der Alltag ist stressig. In den Bergen fühle ich mich lebendig und frei. <BR /><BR /><b>Um diese Einsamkeit zu finden, muss man dafür viel Abgeschiedenheit und fehlende Wege in Kauf nehmen?</b><BR />Marchel: Nein, nicht immer. In meinem Führer werden auch Touren beschrieben, die an Schutzhütten vorbeiführen oder Touren, die man in zwei Tagen machen kann, wenn der Höhenunterschied zu groß ist.<BR /><BR /><embed id="dtext86-70046334_quote" /><BR /><BR /><b>Was würden Sie Menschen empfehlen, die ruhige Ziele suchen?</b><BR />Marchel: Neben den viel besuchten Zielen gibt es in einem Gebiet auch immer Plätze, die nicht so überlaufen sind. Im Vinschgau sind das z. B. das Matschertal oder das Rojental. Das trifft auch auf die Dolomiten zu, in der Nebensaison, wie im Herbst. Wenn man auf 3.000 Metern Höhe unterwegs ist, trifft man auch viel weniger Menschen.<BR /><BR /><b>Aber nicht alle Menschen haben eine solche Kondition, und schaffen 1.500 Höhenmeter oder mehr...</b><BR />Marchel: Wer häufig in den Bergen unterwegs ist, für den sind 1.500 Höhenmeter kein Problem. Aber natürlich wird auch so bereits eine Auswahl getroffen. <BR /><BR /><b>Was ist wichtig, für eine gelungene Bergtour?</b><BR />Marchel: Die Tour sollte gut geplant werden. Man sollte genau studieren, wie die Route verläuft, und wie das Wetter wird. Es kann natürlich immer Unvorhergesehenes passieren, etwa, dass das Gelände vermurt ist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1170912_image" /></div>