Einsamkeit im Alter ist längst keine Randerscheinung mehr. Darauf machte gestern auch eine Tagung in Bozen aufmerksam, die vom Freiwilligenverein ANTEAS-AGAS ODV und der Rentnergewerkschaft FNP SGB/CISL anlässlich des heutigen Welttages der psychischen Gesundheit organisiert wurde. „Deshalb ist es wichtig, Hilfe zu suchen“, appellierte der Psychologe Michele Piccolin. <BR /><BR />Angst, Melancholie, Lebensmüdigkeit: All diese negativen Gedanken haben im Jahr 2023 bei älteren Menschen in Südtirol im Vergleich zu 2013 zugenommen. Das erklärte Stefano Lombardo vom Landesinstitut für Statistik (ASTAT) zu Beginn der Veranstaltung. „Das betrifft besonders auch die Angst, keine Freunde zu haben“, so Lombardo. Einsamkeit sei besonders unter all jenen verbreitet, die keinen Partner haben.<h3> Es gibt neue Therapieansätze</h3> „Es ist aber ein Unterschied, ob die Einsamkeit selbst gewählt wurde oder nicht“, stellte der Psychologe Michele Piccolin klar. Man fühlt sich allein, nicht mehr mit der Welt herum verbunden, so als hätte man keinen Platz mehr in der Gesellschaft. „Das kann gravierende körperliche und psychische Folgen haben“, erklärte Piccolin. <BR /><BR />Umso wichtiger sei es, sich Unterstützung bei einem Experten, wie einem Psychologen, zu holen. Zudem gibt es neue Therapieansätze, wie tiergestützte Maßnahmen. „Es gibt Studien, die belegen, dass eine stabile Beziehung zu einem Tier bei Menschen über 65 Jahren den Medikamentenkonsum reduzieren kann.“ Hierzulande gibt es auch Projekte, die verschiedene Altersgruppen miteinander in Kontakt bringen, z. B. Vereine. <h3> Mehr ältere Menschen in Vereinen aktiv</h3>Dass solche Angebote genutzt werden, verdeutlichen auch die Zahlen. Wie Stefano Lombardo vom ASTAT zu berichten wusste, waren im Jahr 2023 im Vergleich zu 2013 mehr ältere Menschen in Vereinen, Verbänden oder der Politik aktiv. <BR /><BR />„Das Bewusstsein für Einsamkeit im Alter ist da. Aber wir können uns noch verbessern“, sagte Piccolin. Dazu gehöre, dass man den Wiederaufbau eines sozialen Netzes fördere, das älteren Menschen ein Gefühl von Zugehörigkeit vermittelt. Früher lebte der Älteste in der Familie mit seinem Urenkel zusammen, hatte somit eine Rolle und eine Bedeutung. <BR /><BR />Darauf wies auch der Präsident des Freiwilligenvereins ANTEAS-AGAS ODV, Walter Venturelli, hin. „Manchmal wird der ältere Mensch in eine Ecke abgeschoben, auch von der Familie“, berichtete er. „Wenn man sich einsam fühlt und ein Gefühl der Leere verspürt, soll man versuchen, wenn es einem gelingt, sich selbst aufzurichten. Man muss daran glauben, dass Einsamkeit überwunden werden kann.“