Die Ambrotypie ist ein uraltes und ganz besonderes fotografisches Verfahren, das reichlich Handarbeit erfordert. Glas, Silber und Licht verbinden sich in einem chemischen - ja fast schon magischen - Prozess zu eindrucksvollen Bildern auf schwarzen Platten. Solche ausdrucksstarke Schwarzweiß-Bilder der Bleichen Berge will Kurt Moser dank der Ambrotypie einfangen. - Foto: Kurt MoserSeit über einem Jahr ist Kurt Moser nun mit seiner 2 Meter großen Balgenkamera aus dem Jahr 1907 unterwegs, um vom harten Bergleben gezeichnete Bauerngesichter zu portraitieren und einzigartige Dolomiten-Gipfel fotografisch festzuhalten.VIDEO: Brachiale Motorgewalt, bleiche Berge, einzigartige Fotografien Kurt Moser im ZDF "Heute Journal"Am Montag Abend wurden Kurt Moser und sein besonderes Hobby auch vom ZDF "Heute Journal" portraitiert. Zu Wort kam dabei auch Barbara Holzknecht, die ebenfalls der Faszination dieser außergewöhnlichen Bilder verfallen ist und Moser als Projektleiterin zur Seite steht.Die uralte, große Holzkamera hatte vor 3 Jahren in einem etwas heruntergekommenen Mailänder Fotostudio die Aufmerksamkeit von Moser geweckt, wo sie unter einer Abdeckung hervorblitzte. Der Besitzer selbst fand dafür keine Verwendung, sein Großvater hatte sie letzthin benutzt. Und so wechselte die Riesenkamera den Besitzer - und Moser verfiel der Ambrotypie.Besondere Details dank Silber und GlasBei der 1850 erfundenen Ambrotypie-Fototechnik werden schwarze Cathedral-Glasplatten mit einer eigenhändig gemischten Kollodium-Emulsion beschichtet, in einem Silberbad sensibilisiert und in einer großformatigen Balgenkamera im Stile einer Ziehharmonika belichtet. Die Aufnahmen müssen innerhalb von wenigen Minuten in einem Dunkelraum entwickelt und mit Lavendelöl und Sandarakharz versiegelt werden. Dieses Verfahren wird weltweit von lediglich einer Handvoll professioneller Fotografen praktiziert.Die Reaktion der chemischen Bestandteile ist nicht vorhersehbar, daher sind die Fotos auf den Glasplatten einzigartig wie Fingerabdrücke. Das Wechselspiel von Unschärfe und Tiefenschärfe wertet Moser wie ein Echtheits-Zertifikat. VIDEO: Kurt Mosers Vision Für den Künstler Kurt Moser ist diese Fotografie-Methode die einzige, die der majestätischen Schönheit der Dolomiten gerecht werden kann. Und so entstand die Idee eines der wohl großartigsten Foto-Projekte des Landes: Der „Lightcatcher“ ("Lichtfänger") Kurt Moser plant, einen russischen Militär-Lkw namens Ural in eine fahrbare Riesen-Ambrotypie-Kamera mit integrierter Dunkelkammer umzubauen und damit in die entlegensten Orte der Dolomiten aufzubrechen, um ihre bleichen Gipfel abzulichten.Ein spektakuläres Vorhaben - eine Herausforderung Nach über zwei Jahren der Vorbereitung, Planung und Tüftelei ist nun endlich klar, wie das kolossale Fahrzeug in ein Künstlerwerkzeug umgebaut werden kann. „Denn nur mit so einem Fahrzeug“, so Kurt Moser, „sei es möglich, riesige Ambrotypien der schönsten Berggipfel der Dolomiten zu erstellen.“Laut Moser werden „charakterstarke Bilder entstehen. So ausdrucksvoll und majestätisch, wie die Dolomiten selbst. Und: sie werden einzigartig sein - denn Bilder, die nicht wiederholbar oder reproduzierbar sind, haben in unserer schnellen Welt mehr Wert denn je.“ Der Umbau des Ural wurde in einer Computer-Animation simuliert. - Foto: Kurt Moser Ab Januar 2017 soll es soweit sein. Dann soll mit dem Umbau des Urals begonnen werden, so dass der Foto-Künstler sich alsbald mit seinem neuen Gefährt, der enormen Retro-Kamera, in die Berge begeben kann.Jahrzehntelang als Kameramann unterwegsDer 50-jährige Kalterer war 30 Jahre lang Kameramann für namhafte Sender wie BBC, CNN oder Arte. Für eine ZDF-Doku in Afghanistan wurde er für den Grimme-Preis nominiert. Seit 3 Jahren widmet er sich der Ambrotypie-Fotografie und zählt zu einem der wenigen Experten auf diesem Gebiet.VIDEO: Der Umbau des Oldtimer-Lkw Lkw wird in Neumarkt umgebaut: Kosten 150.000 €Der ausgemusterte russische Militär-Lkw der Marke Ural, den Kurt Moser gekauft hat, will er von der Neumarkter Werkstätte Pichler Fahrzeugbau in eine gigantische Kamera umbauen lassen. Das mächtige Gefährt mit 6-Rad-Antrieb wird dabei auch mit einem sparsameren und zeitgemäßen Dieselmotor ausgestattet, den die russische Herstellerfirma zur Verfügung stellt.Die für die Riesenkamera nötige 1780-Millimeter-Optik hat er bei einem indischen Antiquitätenhändler in London aufgespürt. Von dieser Optik gibt es weltweit bloß 5 oder 6 Exemplare, sie wurde in Kriegszeiten benutzt, um detaillierte Landkarten metergroß an die Wand projizieren zu können.Die Umbaukosten werden über 150.000 Euro betragen. Zusammen mit Barbara Holzknecht ist Kurt Moser gerade dabei, die Finanzierung für den Umbau zusammenzutragen. Die Beiden haben dabei sogar eine Crowdfunding-Kampagne lanciert (https://www.kickstarter.com/projects/1376821505/invisible-light-the-dolomites-in-ultra-large-forma). Kurt Moser (links) und Barbara Holzknecht (rechts) mit der "Baby", wie sie die die über 100 Jahre alte Holzkamera nennen, mit der sie in Südtirols Bergen unterwegs sind. - Foto: Roland SeppiFrühsommer 2017 wird angepeiltWenn alles glattgeht, werden Moser und Holzknecht voraussichtlich im Frühsommer des nächsten Jahres auch mit der Lkw-Kamera in die Berge ziehen können und nicht wie bisher „nur mit unserer Baby“, wie sie die zwei Meter große Holzkamera liebevoll nennen.stol/ds