Samstag, 23. September 2017

Wenn sich die Welt auf der Wiesn trifft

In München herrscht seit einer Woche wieder Ausnahmezustand – Wiesn ist. Auch in diesem Jahr lockt das Oktoberfest Millionen Menschen in die bayerische Landeshauptstadt – ganz nach dem Motto: die Welt zu Gast bei Freunden. Es wird geschunkelt, getrunken und gefeiert. Manche Wiesn-Besucher trifft man immer wieder. Eine Typologie mit Augenzwinkern.

Ein Prosit der Gemütlichkeit.
Ein Prosit der Gemütlichkeit. - Foto: © LaPresse

Der Münchner: Mehr als die Hälfte der Wiesn-Besucher sind Münchner. Kein Wunder also, dass das größte Volksfest der Welt für diesen Typus vor allem eines ist: Routine. Unaufgeregt ist auch ihr Wiesn-Outfit. Der Münchner kommt eher mal in Jeans als in Lederhose, hin und wieder gepaart mit typischer Trachtenjacke – einem sogenannten Janker. Die Münchnerinnen lassen sich manchmal auch zu einem Dirndl hinreißen – aber dann bitte nicht die günstige Variante vom Discounter. Ein bisschen teurer darf es schon sein – es kommt ja schließlich immer wieder zum Einsatz.

Der Wiesn-Kenner: Nicht unbedingt Münchner, aber meistens aus Bayern: Für den Stammgast ist das Oktoberfest der wichtigste Termin des Jahres (ja, auch wichtiger als Weihnachten). Was ihn zum echten Wiesn-Kenner macht? Dank seiner jahrelangen Erfahrung weiß er, wann es in welchem Zelt die besten Chancen auf einen Sitzplatz gibt. Unbezahlbar. Doch mit seinem Know-how gibt er auch gerne an. Was ihn zu einem nervigen Gesellen machen kann.

Der Italiener: Man erkennt ihn von weitem an schwarzer Sonnenbrille und Italia-Shirt. Neuerdings kommt er aber auch zunehmend in Tracht – und fügt sich so in die Masse ein. Meist ist er im Rudel unterwegs, auf der Suche nach Spaß und Bier. Feiern und Flirten kann der Italiener, was das Zeug hält. Dafür hat er schließlich den weiten Weg über den Brenner auf sich genommen. Für seine Lautstärke ist er auf der ganzen Theresienwiese bekannt. Und weil der Italiener nach jahrelanger Wiesn-Erfahrung aus seinen Fehlern lernt, hat er sich ein Armband mit Hotel-Adresse zugelegt – damit er auch nach einem sehr feucht-fröhlichen Abend ins Bett findet.

Der Fashion-Freak: Meist eine Frau. Für sie ist das Oktoberfest der größte Freiluftlaufsteg der Welt. Sie fällt mit besonders extravaganten Outfits auf. Fesche Tücher um den Hals, ein Petticoat unter dem Dirndl, Highheels an den Füßen und natürlich darf die teure Designerhandtasche auf dem größten Volksfest der Welt nicht fehlen. Das Motto: Mehr ist mehr. Das gilt auch für die Kopfbedeckung. Da rankt sich gefühlt eine Tonne Blumen um das geflochtene Haar.

Der Verweigerer: Zu laut, zu voll, zu bayerisch: Das Oktoberfest ist für den Verweigerer der reine Horror. Und trotzdem zieht es ihn jedes Jahr wieder nach München. Gegen den Gruppenzwang ist er einfach nicht resistent genug.

dpa 

stol