Einblicke soll die Biografie „Wir sind Thomas Hochkofler“ geben, die pünktlich zum 50. Geburtstag des Schauspielers am 1. Mai auf den Markt kommt. Aber wirklich nur ein paar.<BR /><BR /><b>Herr Hochkofler, Ihr 50. Geburtstag steht an. Wie geht's der Gefühlswelt?</b><BR />Thomas Hochkofler: Ich bin ein Meister im Verdrängen der Tatsachen! Ich habe noch gar nicht realisiert, dass die Hälfte des Lebens quasi vorbei ist.<BR /><BR /><b>Wie würden Sie die vergangenen 50 Jahre beschreiben?</b><BR />Hochkofler: Durchwegs aufregend, würde ich sagen. Immer gespickt mit vielen unvorhergesehenen Begebenheiten. Ich hatte das riesige Glück, viele Dinge, die ich mir vorgenommen hatte, umsetzen zu können. Und dass ich mich nun schon seit 30 Jahren auf jenem Parkett halten kann, das ich damals eigentlich eher probeweise betreten habe, macht mich sehr dankbar.<BR /><BR /><b>Wie fing das denn an mit der Schauspielerei?</b><BR />Hochkofler: Normalerweise würde ich sagen: „Mit 16 bei der Volksbühne in Bozen“. Aber eigentlich ist es schon viel früher gestartet. In der ersten Klasse der Volksschule durften wir mit Kasperlepuppen spielen. Da wurde mir schnell klar: „Maringgele“, ich kriege den einen oder anderen Lacher mehr als andere. Ich habe das also schon sehr lange im Blut.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023237_image" /></div> <BR /><b>220 Stücke, zahllose Sketche und einen Film später erscheint jetzt die Biografie…</b><BR />Hochkofler: Ich muss zugeben: Anfangs habe ich mich sehr dagegen gewehrt. Ich finde verfrühte Biografien sinnlos und dachte mir: Wen interessiert das denn? Aber dann erzählten mir viele aus meinem Umfeld, dass sie immer wieder gefragt würden: „Wie ist der denn eigentlich, so als Mensch?“ Und da dachte ich mir: In Gotts Namen, dann wird's wohl doch jemanden interessieren. Und mit Alexander Zingerle haben wir einen Autor gefunden, der genau verstand, was ich wollte, und es geschafft hat, das Ganze mit viel Witz zu schreiben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023252_image" /></div> <b><BR />Wo beginnt man, das eigene Leben hervorzukramen? Wie bereitet man sich darauf vor?</b><BR />Hochkofler: Vorbereitet habe ich mich eigentlich gar nicht. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, welche Geschichten und Erlebnisse interessant sein könnten. Und dann habe ich einfach frei Schnauze drauf loserzählt, nicht mal chronologisch, sondern einfach so, wie es mir eingefallen ist. Beim Erzählen ist mir dann aufgefallen, dass ich mir sehr viel wieder in Erinnerung rufen musste, dass ich viele Details fast schon vergessen hätte. Da dachte ich mir: Eigentlich doch ganz praktisch, das alles mal aufzuschreiben. Dann weiß ich es im hohen Alter auch noch.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64523968_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Viele glauben, den „echten“ Thomas Hochkofler zu kennen, dabei kennt man natürlich nur die Rollen. Wie war es, die Privatperson in den Mittelpunkt zu stellen?</b><BR />Hochkofler: Das war tatsächlich ein Prozess. Anfangs wollte ich gar nichts Privates nach außen tragen – und viel ist es auch nicht, ich habe bei Weitem nicht alles erzählt. Da müsste ich auswandern (lacht). Aber natürlich muss etwas drinstehen, das man nicht auf der Bühne sieht und das in keinem Interview steht. Also habe ich mich durchgerungen, auch, weil ich mir dachte: Was soll denn schon passieren. Ein paar Jugendsünden… die kann man schon erzählen.<BR /><BR /><i><b>Das ganze Interview zum Nachhören gibt es online im STOL-Podcast „Menschen und Geschichten“.</b></i><BR /><BR /> <div class="embed-box"><iframe style="width:100%;min-width:275px;min-height:310px;max-width:475px;max-height:800px;border:0;overflow:hidden" src=" https://www.podcaster.de/simpleplayer/?id=show~tjexf6~stol-podcast~pod-37db935d3b5f4d31e6fcf3f9c4&v=1713521435"></iframe></div> <BR /><BR /><b>Was steht denn nun drin, in diesem Buch?</b><BR />Hochkofler: Hm… (lacht). Zum Beispiel ein paar Episoden aus meiner Zeit in Mailand, als ich bei der Oper für eine Sprechrolle engagiert war. Die Herbergssuche war eine ziemlich abenteuerliche Geschichte, wer mir da alles Nachtlager anbieten wollte – und zu welchen Bedingungen. Eben Anekdoten, die man noch nicht kennt. Oder mein erstes Treffen mit Lukas Lobis. Diese Geschichte haben wir allerdings schon öfters erzählt – in unterschiedlichen Varianten, denn Lukas hat das damals ganz anders wahrgenommen als ich (lacht). Es war nicht so, dass wir uns NICHT mochten, aber wir waren auch nicht gleich auf einer Wellenlänge. Das kam erst später.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023240_image" /></div> <BR /><b>Und wie ist er jetzt so als Mensch, der Thomas Hochkofler?</b><BR />Hochkofler: Ich bin ein ganz normaler Typ und bestimmt kein „Joe von Afing“ – so verlockend das klingen mag (lacht). Das bestätigt auch meine Freundin. Ich glaube, niemand möchte mit einem „Joe“ morgens aufstehen, zu Mittag essen und abends ins Bett gehen. <BR /><BR /><b>Erwarten sich viele genau das?</b><BR />Hochkofler: Ja, viele meinen wirklich, ich bin auch privat ein „Joe“, ein „Motschuner Peppn“ oder ein „Herr von Wegen“. Und sie denken, wenn man mit mir zusammensitzt, kommt ein blöder Spruch nach dem anderen. Sicher, der eine oder andere kommt auch. Aber ich bin auch ganz normal. So, wie der Metzger nicht zu Hause noch „an Fock ausleasn“ muss, muss ich nicht immer im Bühnenmodus sein. Das ist für mich Entspannung, diese Trennung von Bühnenmensch und privatem Mensch.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64524461_quote" /><BR /><BR /><b>Und trotzdem entspringen diese Figuren Ihrer Fantasie. Wer ähnelt Ihnen denn am meisten?</b><BR />Hochkofler: Je nach Tagesverfassung und Situation sind mir die Figuren vielleicht näher, als ich oft wahrhaben möchte. Ich glaube, 20 Prozent von mir sind ein „Joe“, 20 Prozent ein „Hausmeister“ und 20 Prozent ein „Motschuner Peppn“. Oft merke ich, dass ich mich auch aus Trotz so verhalte. Eine Figur ist ein guter Schutz, man kann sich gut dahinter verstecken. Die Privatperson Tom ist nicht so selbstsicher, wie sie nach außen wirkt. Ich bin ein großer Zweifler, ein großer Grübler. Ich kann Tage und Wochen nachdenken, wie ich etwas besser machen kann.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023243_image" /></div> <BR /><b>Haben Sie sich auch darüber Gedanken gemacht, wie das Buch ankommen wird?</b><BR />Hochkofler: Nein, eigentlich nicht. Wenn ich mich entschlossen habe, etwas zu machen, lasse ich das mal auf die Menschheit los, und dann sehe ich ja, was zurückkommt. Allen macht man es nie recht, mit keinem Theaterstück, keinem Kabarett, keinem Film. Vermutlich bin ich auch deshalb sehr unverkrampft. Ich freue ich mich über positive Reaktionen, und die schlechten verdränge ich einfach wieder (lacht). Wenn 10 Bücher verkauft werden, gut. Wenn Tausende verkauft werden, auch gut. Und sonst wird wohl das eine oder andere Exemplar unterm Tisch zum Begradigen landen und so einen guten Dienst machen.<BR /><BR /><b>Hat der engere Kreis das Buch schon gelesen?</b><BR />Hochkofler: Nein. Ich selbst habe es gelesen, um sicher zu gehen, dass es mir entspricht und ich dahinterstehen kann. Und einige haben das eine oder andere Kapitel gelesen. Aber so im Ganzen noch niemand – außer Sigrid Runggaldier vom Athesia Tappeiner Verlag, und sie fand es toll – aber das Buch war ja auch ihre Idee, sie muss es toll finden (lacht).<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023246_image" /></div> <BR /><b>Könnte es beim Lesen für einige Menschen eine Überraschung geben?</b><BR />Hochkofler: Das glaube ich nicht – außer sie haben selbst vergessen, was sie getan haben (lacht). Also: „Derlogen hon i nicht.“ <BR /><BR /><b>Warum der Titel: „Wir sind Thomas Hochkofler“?</b><BR />Hochkofler: Naja, der „Joe von Afing“ ist Thomas Hochkofler, der „Motschuner Peppn“ ist Thomas Hochkofler, der „Christoph Lackner“, der „Hausmeister“ – sie alle sind Thomas Hochkofler. Und ich bin sie. Das klingt jetzt kompliziert, ist aber wirklich so. Viele sprechen mich auf der Straße als „Joe“ an, vor allem die jüngeren Semester. Die Älteren hingegen als „Hausmeister“. Es ist ein bisschen wie eine gespaltene Persönlichkeit, von denen ich mehrere im Schlepptau habe – und das seit Jahren.<BR /><BR /><b>Wie lange begleiten Sie diese Figuren schon?</b><BR />Hochkofler: Schon sehr lange. Der älteste ist der „Hausmeister“, den gibt es sicher schon seit 25 Jahren. Ungefähr gleich lange gibt es den „Motschuner Peppn“. Der „Joe von Afing“ tauchte das erste Mal in einer Radio-Comedy auf – und erhielt gleich Protest-Emails, den mochten sie am Anfang nicht so gern. Aber wie man sieht, man muss nur hartnäckig bleiben. Etwas jünger, circa 15 Jahre alt, sind der eingebildete Bozner „Herr von Wegen“ und der Innsbrucker „Christoph Lackner“.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023249_image" /></div> <BR /><b>Altern sie denn auch mit?</b><BR />Hochkofler: Eine spannende Frage! Kann ein „Joe von Afing“ altern? Und wenn ja – wie? Aber ja, sie müssen wohl mit mir mit-altern, da wird ihnen nichts anderes übrig bleiben (lacht). Allerdings habe ich immer gesagt: Jenseits der 50 ist Schluss mit dem „Joe“. Vielleicht ist die Zeit gekommen, von den Comedy-Figuren Abschied zu nehmen – vielleicht revidiere ich das auch wieder.<BR /><BR /><b>Sie spielen oft auch ernste Rollen. Eine willkommene Abwechslung?</b><BR />Hochkofler: Definitiv. Viele meinen, lustige Rollen sind einfach, aber man muss sich dahinterklemmen, dass ein unterhaltsamer Abend entsteht. Mir machen die ernsten Figuren genauso viel Spaß, auch das Regie führen. Ich bin ein bockiger Mensch: Wenn mir jemand sagt, wie ich etwas zu machen habe, tue ich sicher das Gegenteil. Und: Ich mache es mir und anderen oft nicht leicht – auch das steht im Buch. Ich versuche, mich selbst zu überraschen, damit mir nicht langweilig wird.<BR /><BR /><embed id="dtext86-64524465_quote" /><BR /><BR /><b>Deshalb auch die gelegentlichen Abstecher in die Regie?</b><BR />Hochkofler: Wie schon zum Schauspielern kam ich auch zur Regie wie die Jungfrau zum Kinde, ich hab's einfach mal probiert. Aber es macht mir großen Spaß. Etwas von Anfang an zu gestalten, das Bühnenbild zu bestimmen, die Schauspieler auszusuchen, die Kostüme… diese kleine Welt zu erschaffen, den Minikosmos, in den man Menschen für 2 Stunden entführt. Schon als Schauspieler konnte ich nur schwer die Klappe halten. Ich habe schon immer ein bisschen Regie geführt, vermutlich auch mehr, als manchem Regisseur lieb war (lacht).<BR /><BR /><b>Wie geht es jetzt weiter: Bleiben Sie auch in Zukunft hinter der Bühne?</b><BR />Hochkofler: Das kommt auf die Anfragen an – und meine Laune. Momentan macht mir die Regie mehr Spaß – allerdings proben wir eine Komödie, die demnächst startet, und da merke ich, dass mir auch das Spielen viel Spaß macht. Wenn ich 3 Regiearbeiten gemacht habe, will ich „nur noch spielen“. Dann spiele ich ein paar Aufführungen und denke mir, nein, ich mag nicht mehr, ich will nur noch Kabarett machen. Dann mache ich 2, 3 Touren und denke mir, ach, ich habe genug davon, und mache wieder was anderes. Und so geht das seit 10 Jahren (lacht). Ich bin sehr dankbar, dass ich in allen 3 Sparten „herumfuchsen“ kann – und dass es immer noch funktioniert.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1023255_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><BR /><BR />