<b>von Martina Hofer</b><BR /><BR />„Gas, Gas, Gitschn – no ein letztes Mal“, feuert Petra Unterfrauner ihre Kundinnen an. Es sind Frauen zwischen 15 und 75 Jahren. Die eine liegt auf der Matte hinterm Küchenblock, die andere im Wohnzimmer, während ihr Baby daneben brabbelt. Sie kennen sich nicht und trotzdem verbindet diese Damen etwas: das Fitnesstraining „Push by Petra“. 800 Frauen im ganzen Land trainieren momentan großteils online mit der Fitnesstrainerin und „Zett“-Miss-Südtirol 1996. Und das, obwohl Unterfrauner dies „überhaupt nie wollte“, wie sie sagt. <BR /><BR />Fitness ist zwar ihr Leben, nicht aber die digitale Welt. Den sozialen Medien zog sie viele Jahre ihre soziale Arbeit als Krankenpflegerin vor – anfangs im Sterzinger Spital, zuletzt im Polyambulatorium in Brixen. Ein Beruf, der sie unheimlich erfüllt hat, sagt Unterfrauner. „Ein bisschen vermisse ich die Arbeit schon immer noch, vor allem das Team“, gibt sie zu. Denn im November 2023 hat die 50-Jährige dort ein letzes Mal „ausgestempelt“ und sich mit fast 50 Jahren und alleinerziehend mit zwei Kindern (24 und neun Jahre) in die Selbstständigkeit gewagt.<h3> Vom sicheren Job in die Selbstständigkeit</h3>Die Trainerausbildung dafür hatte Unterfrauner bereits in der Tasche, gab in Vergangenheit auch vereinzelt Kurse. „Als dies durch die Pandemie aber unmöglich wurde, bot ich dank der technischen Unterstützung meines Ex-Partners kostenlose Onlinefitness-Einheiten an.“ Irgendwann hatte man das Virus zwar im Griff, doch das Fitnessfieber grassierte weiter – und so entschied die Eisacktalerin, als selbstständige Fitnesstrainerin zu arbeiten. Zurück in den sicheren Pflegeberuf, glaubt sie, könne sie immer noch. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102596_image" /></div> <BR /><BR />Aktuell aber denkt Petra Unterfrauner nicht daran. „Ich habe viel mehr Freizeit, Familienleben und fühle mich fit wie noch nie“, gesteht die 50-Jährige, vom Typ „beste Freundin“. Ihre liebenswürdige, offene Art kommt an. So gut, dass sich „meine Frauen“, wie sie ihre Kundinnen liebevoll nennt, aus ganz Südtirol zuschalten. Frauen, die aufgrund von Verpflichtungen nicht aus dem Haus kommen, die sich nie in einen richtigen Kurs trauen würden oder einfach zu abgelegen wohnen – und dank der Online-Workouts nun trotzdem etwas für sich tun. Die Feedbacks der Teilnehmerinnen rühren Unterfrauner oft zu Tränen. Denn ihr Job bewirkt nicht selten mehr als nur Fettverlust und Muskelaufbau. Die Bewegung bzw. die Ernährungstipps führen fast immer auch zu mehr Lebensqualität und damit einhergehend zu mehr Selbstbewusstsein und Selbstliebe. „Dies kann unglaublich viel Positives im Leben bewirken“, weiß Unterfrauner.<h3> Mit Ausfallschritten raus aus der Gewaltspirale</h3>Sie war darum auch nicht erstaunt, als sie vor einigen Wochen die Einladung bekam, bei der Veranstaltungsreihe „Wipptal bekennt Farbe – Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ auf der Bühne zu stehen.<BR /><BR />„Um aus solch schlimmen Situationen auszubrechen, braucht es oft einen ersten Schritt. Meine Trainings können sicherlich eine Hilfe sein, um die nötige Selbstsicherheit für mehr Eigenständigkeit und Unabhängigkeit zu bekommen, was sehr wichtig ist für uns Frauen“, ist die Fitnesstrainerin überzeugt – und bekommt dies von ihren Teilnehmerinnen auch immer wieder bestätigt. Es sind Frauen aus völlig verschieden Realitäten, manchmal mit großen inneren Schweinehunden und kleinem Ego. „Doch ich kenne Körper und Psyche einer Frau mittlerweile sehr gut – auch durch mich selbst – und weiß nach 25 Jahren Trainingserfahrung, wo ansetzen“, liefert Unterfrauner auch den Grund, warum sie nur Frauen trainiert. Ein Wellnessprogramm sei „Push by Petra“ trotzdem nicht. Von nichts komme nichts, lautet ihr Moto, und jede sei für sich selbst verantwortlich.<BR /><BR />„Ausreden, wie: ‚Ich kann wegen der Kinder nicht‘, will ich nicht hören“, sagt die Eisacktalerin, schließlich könne ihr Workout ähnlich der Tagesschau auch zu einem späteren Zeitraum gestreamt wer<?TrVer> den. „Und Faulheit unterstütze ich nicht“, muss sie la<?TrVer> chen. <BR /><BR /><h3> Eine entbehrungsreiche und prägende Kindheit</h3>Da hat wohl ihre Kindheit sie geprägt. Denn die 50-Jährige ist mit vier Geschwistern in einfachen Verhältnissen groß geworden. Ihr Vater starb früh, ihre Mutter machte viel mit, arbeitete hart und erzog die Kinder rasch zur Selbstständigkeit. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1102599_image" /></div> <BR /><BR />„Mama ist für mich heute noch die stärkste Frau, die ich kenne. Leider lebt sie mit Demenz im Altersheim und hatte wenig vom Leben“, bedauert ihre Tochter und schwor sich, nicht denselben Fehler zu begehen und immer nur auf andere zu schauen. <BR /><BR />„Auch ich war früher sehr schüchtern, wollte es allen recht machen. Nicht zuletzt durch den Sport und meine Arbeit aber bin ich richtig selbstbewusst geworden, spüre die Verantwortung, aber auch die Lebenslust.“ Auf die Frage, ob sie eine starke Frau sei, muss Petra nachdenken. „Ich fühle mich schon stark, bin selbstständig in jeder Hinsicht und schaffe den Alltag mit zwei Kindern ohne Hil<?TrVer> fe. Trotzdem glaube ich, dass mich Menschen von außen stärker sehen, als ich bin. Die schwachen Momente habe ich allein“, ist Unterfrauner ehrlich – und ihre Offenheit beweist: Eine starke Frau ist nicht eine, die nie fällt, sondern eine, die immer wieder aufsteht. Chapeau!