<b>Von Martina Hofer</b><BR /><BR />Es ist ein bisschen, als betrete man die „Hall of Fame“ Gufidauns. Dutzende Fotos, Schallplatten und Auszeichnungen schmücken die Wände des Studios von Sepp Messner Windschnur im Parterre seines Hauses am Dorfrand. Songs wie „Susi und Mitzi“ oder der „Beppo del Trentin“ wurden hier aus der Taufe gehoben. Kürzlich bekamen Windschnurs Liedprotagonisten aber neue Nachbarn. Nur eine Tür und etliche Gitarren weiter sind nämlich „Maximilian Leander von Grafenstein“ oder der „Kufsteiner Klausi“ eingezogen – Figuren, die der Kabarett-Kunst seines Sohnes Jakob Messner entstammen.<BR /><BR />Lampen, Mikros, Mischpult, eine grüne Wand und ein Kleiderständer mit passenden Outfits findet man im geräumigen Aufnahmestudio. „Aufräumen hättest schon können“, stichelt Vater Sepp, als Jakob beim Besuch von s+ hastig Taschentücher einsammelt und lüftet. Der Humor scheint bei den beiden ähnlich gebürstet wie ihr Haar: Mehr eigenwillig denn brav. „Mein Friseur sagt immer, ich darf ja nie seinen Namen nennen, sonst schämt er sich“, muss Jakob lachen, wenn er über seine Online-Auftritte spricht, die ihn seit Kurzem landesweite Bekanntheit gebracht haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1022724_image" /></div> <BR /><BR />Der jüngere der zwei Söhne des bekannten Bänkelsängers und Liedermachers Sepp Messner versucht sich nämlich seit einigen Monaten erfolgreich als Kabarettist. „windschnur_gufidaun“ heißt der Account, auf dem er u.a. als Bozner den Schnösel raushängen lässt und gern eine „chiacchierata“ macht. <BR /><BR />„Ich sehe, dass Jakob Spaß daran hat, was er aber ins Netz stellt, weiß ich selbst nicht so genau“, sagt Vater Sepp darauf angesprochen. Und Jakob? Der kann seinen Kanal ebenfalls nur schwer einordnen. Denn geplant war eigentlich eine ganz andere Art der Unterhaltung.<h3> Der Weg aus dem Schatten seines Vaters</h3>Dass er einmal in die musikalisch-humoristischen Fußstapfen seines Vaters treten möchte, war für den jungen Gufidauner eigentlich schon immer klar. Bereits mit sechs Jahren begleitete er Sepps Band als Schlagzeuger und CD-Verkäufer. „Er war ein Charmeur, da konnte niemand nein sagen“, erinnert sich sein Vater gern zurück. Vom Singen aber wollte der Spross schon im Kindergarten bei „Ringel Ringel Reihe“ nichts wissen. Lieber gab er in der Musikkapelle Gufidaun als Schlagzeuger den Takt an oder sorgte im Fußball für Torjubel. <BR /><BR />Erst als seine Eltern Zita und Sepp in den vergangenen Jahren kurz hintereinander schwer erkrankten, wurde dem 27-Jährigen klar: Man sollte nicht warten im Leben, sondern tun, was man gerne macht. Jakob nahm daraufhin Vaters Lied „S' Motorradl“ neu auf und produzierte ein Video dazu. Doch es fühlte sich irgendwie nicht richtig an. „Es war wie eine Kopie, irgendetwas, das es schon gegeben hat“, erinnert sich der junge Eisacktaler zurück an die drei Sommermonate im Tonstudio, während seine Kumpels das Schwimmbad besuchten. <BR /><BR />Er wollte seine Kreativität anders ausdrücken – einen Film mit „Trash-Content“ produzieren, so richtig „loppete“ Videos, wie er sagt. Und das machte er dann auch. Um die Plattform – also seinen Instagram-Kanal – dafür zu bewerben, parodierte der ehemalige Wirtschaftsstudent einen gut betuchten Bozner: „Maximilian Leander von Grafenstein“. „Pfüt Euch Gott!“, würde der wohl erstaunt sagen. Denn das Video wurde zu Jakobs Verwunderung 125.000 Mal aufgerufen – weit öfter als jegliches andere Video im Kanal. „Den Leuten gefiel das Falsche, aber man kann es nicht steuern“, sagt er heute und lebt seitdem sein Talent für Parodie und Imitation in vollen Zügen aus. <h3> Jakobs Bühne ist das Netz</h3>Keine vier Stunden braucht der Webdesigner und Programmierer einer Klausner Werbeagentur, um in seinem eigenen Studio ein komplettes Video mit Schnitt und Ton rauszuhauen. <BR /><BR />„Ich komme aus einer Generation, in der alles schnell geht. Instagram ist dafür sehr dankbar, denn man holt mit wenig Aufwand viele Leute ab.“ Anders als sein Vater aber bekommt er nicht Feedback in Form von Applaus, sondern mittels Likes und Kommentaren. Und diese lassen den Unterhalter manchmal verzweifeln.<BR /><BR />„Oft bin ich stolz auf eine bärige Pointe, finde sie saulustig – aber dann verstehen sie viele in meiner Community nicht! Flache Gags hingegen gehen durch die Decke.“ Das sei zum Haareraufen. Diese Erfahrung hat auch Vater Sepp schon gemacht. Bei Weitem nicht jedes seiner oft tiefgründigen Lieder lief immer wie am „Windschnürchen“. „Ich habe neue Lieder immer im Herbst beim Törggele-Publikum getestet. Wie schwer enttäuscht war ich manchmal, dass die ‚loppeten‘ meist am besten ankamen.“<BR /><BR />Jakob will sich damit aber nicht zufrieden geben. Seit Kurzem ergänzt er seine „italianisierten“ Ausdrücke zum besseren Verständnis darum mit deutschen Übersetzungen. Und Vaters „Beppo del Trentin“ wiederum durfte als Originalversion auf den Windschnur-Account, zählt mittlerweile stolze 70.000 Aufrufe. „Woll?“, fragt Sepp erstaunt. <h3> Zwei Generationen, zwei Ansichten</h3>Der Liedermacher, dem soziale Medien fremd sind, fühlt sich manchmal wie ein Dinosaurier neben seinem 50 Jahre jüngeren Sohn. „Wenn ich ihm ein Lied vorspiele, ist er so kritisch, dass ich mich frage, ob das noch Sinn macht“, gibt der Senior zu. „Ich kritisiere nicht die Art und Weise, aber Lieder über viereinhalb Minuten funktionieren einfach nicht mehr. Da musst du zwei Minuten streichen“, argumentiert Medienprofi-Jakob, der in Gufidaun – wie einst sein Vater, eine kleine Berühmtheit erlangt hat. „Allen gefällt mein Content sicher nicht, doch es passiert schon, dass mich beim Einkaufen ältere Damen darauf ansprechen und mir Komplimente machen“, freut er sich über seinen viralen Erfolg als „Windschnur“, so der Name des einstigen Hofes seiner Großeltern. <BR /><BR />Auf einem Grundstück des aufgelassenen Gehöfts lebt Jakob heute noch mit seinen Eltern und wandert täglich zu Fuß zur Arbeit nach Klausen. Seinen Job für eine Internetkarriere aufzugeben, kann er sich nicht vorstellen. „Klar gab es schon Anfragen für Werbedeals. Aber ich möchte mich nicht verheizen“, so Jakob. Nach zwei Monaten Online-Dasein Kräutertees zu verkaufen, wäre nicht authentisch, so ziehe er die freie Kunst dem schnöden Mammon vor. „Wenn du irgendwann das Haus umbaust, wirst du schon anders denken“, witzelt sein Vater Sepp. <BR /><BR />Der genießt mit 77 Jahren die Rente, restauriert Friedhofskreuze oder singt ein paar Takte im Studio. „Ich bin dankbar, dass dies noch möglich ist“, erzählt der Liedermacher vom Tumor, der ihm vor über einem Jahr komplett die Stimme nahm. „Jetzt ist sie etwas tiefer und leiser, aber ich übe täglich, damit sie wieder kräftiger wird“, schildert Messner Windschnur. Denn anders als den Malerbetrieb Messner, den er seinem älteren Sohn überlassen hat, möchte er das musikalische Erbe noch nicht abtreten. <h3> Neuer Großraubwild-Song und ein „Muas-Tutorial“</h3>Sepp und Jakob planen nämlich gemeinsame Sachen. „Wir haben ein Lied übers Großraubwild aufgenommen, es wird bald veröffentlicht“, verraten die Windschnurs. „Vielleicht starte ich ab Herbst auch wieder mit einigen Auftritten. Jakob könnte mich dann nicht nur als Schlagzeuger, sondern auch als Moderator begleiten“, sinniert der Senior, während der Junior in Gedanken bereits fieberhaft seinen Terminkalender studiert. Bis Juni ist der nämlich voll. Neben Videos für Instagram oder Gigs mit seiner Band „Partyvolk“ steht auch ein „Muas-Tutorial“ auf der Agenda. „Tata ist ja diplomierter Muaskocher, da lag so etwas natürlich nahe“, erzählt der kreative Sprössling. <BR /><BR />Ob Mama und Frau Zita als Testerin herhalten darf? Die beiden lachen. „Mama ist immer der erschöpfte Passagier in der Familie. Wir sind die zwei Macher, und sie muss alles mittragen“, erzählen Vater und Sohn. Schon im Mai wird im Windschnur-Parterre nämlich wieder jemand einziehen – ein weiterer Nachbar für „Maximilian Leander von Grafenstein“. „Aus Wien“, verrät Jakob Messner. <BR /><BR />Eine Schwiegertochter wäre dem Vater wohl lieber gewesen. Denn, so prophezeit dieser seinem Sohn schon jetzt: Sollte Jakob einmal heiraten, werde er mit einem Ständchen vom Vater rechnen müssen. Und das – so schmunzelt Sepp – lasse er sich dann nicht auf nur zwei Instagram-Minuten herunterkürzen.