Samstag, 17. Juli 2021

„World Emoji Day“: Wie die populären Bildschriftzeichen uns emotionalisieren

Küsschenmund, Teufelchen, Kackhaufen, Katzengesicht: In Chats und sozialen Medien wimmelt es von Emojis. Die kleinen Bildzeichen und Symbole sind im Internet- und Smartphone-Zeitalter zur Weltsprache geworden. Am heutigen Samstag, 17. Juli, ist nun wieder Welt-Emoji-Tag.

Am heutigen 17. Juli ist der „World Emoji Day“.
Am heutigen 17. Juli ist der „World Emoji Day“. - Foto: © Shutterstock
Der „World Emoji Day“ geht auf den in London lebenden Australier Jeremy Burges zurück. Der 17. Juli wurde erkoren, weil das Kalender-Emoji diesen Tag beispielhaft auf mobilen Endgeräten zeigt.

Laut einer Befragung des Unternehmens Adobe von 7000 Personen aus den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Japan, Australien und Südkorea sind die weltweit beliebtesten Emojis das lachende Gesicht, der Daumen hoch, das Herz, das Kuss-Emoji und das weinende Gesicht.

Die Mehrheit der Befragten gab an, dass es ihnen mit Emojis leichter fällt, sich auszudrücken (90 Prozent) und über Sprachbarrieren hinweg zu kommunizieren (89 Prozent), wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt.

In Italien hingegen sind laut einer Umfrage von Samsung die beliebtesten Emojis das Kuss-Emoji gefolgt vom Tränen lachenden Gesicht und dem Daumen hoch. Am häufigsten werden Emojis hierzulande von Frauen zwischen 35 und 44 Jahren genutzt, die im Nordosten oder im Süden des Landes wohnen.

Emojis werden oft auch missverständlich oder bösartig verwendet

Doch so unterhaltsam die Zeichen von Aubergine bis Zebra oft sind und so sehr sie zur Verständigung oder auch nur Verstärkung des Geschriebenen beitragen, so missverständlich oder gar bösartig können sie auch zum Einsatz kommen. Man denke etwa an rassistische Kommentare mit Affengesichtern oder absichtlich lächerlich machende Smileys und Hahahas bei ernsten Themen.

Auch wenn „Emoji“ wie „Emoticon“ (Bezeichnung für die Kombinationen von Buchstaben, Satz- und Sonderzeichen, die Gesichter ergeben) die Vorsilbe „Emo“ enthält, hat das aus dem Japanischen stammende Wort mit „Emotion“ und Gefühl erstmal nichts zu tun. Es heißt übersetzt einfach nur „Bildschriftzeichen“. Es kommt von den japanischen Schriftzeichen für „e“ (Bild), „mon“ (Ausdruck) und „ji“ (Buchstabe).

Im Duden steht das Wort „Emoji“ erst seit 2017, seit der vorletzten Auflage des gelben Rechtschreibwörterbuchs – und zwar mit der Bedeutung: „aus Japan stammendes, einem Emoticon ähnliches Piktogramm, das auf Gefühlslagen, Gegenstände, Orte, Tiere, Essen oder Ähnliches verweist (in elektronischen Nachrichten)“. Die Grundlage der globalen Zeichen geht auf den Grafikdesigner Shigetaka Kurita zurück, der Ende der 90er Jahre für einen japanischen Mobilfunkanbieter 176 Piktogramme entwarf.

Der weltweite Siegeszug der Emojis begann 2010, als das Unicode-Konsortium (eine Arbeitsgemeinschaft, die sich um die einheitliche digitale Darstellung von Schriftsystemen kümmert) die Piktogramme verschiedener Anbieter in einen Standard integrierte.
Seitdem kann jeder sicher sein, dass beim Gegenüber auch tatsächlich das Clownsgesicht oder der Daumen hoch ankommt. Der aktuelle Emoji-Katalog umfasst fast 3000 Symbole.

Kampf um „Identität und Sichtbarkeit“

Kritiker werfen ein, der Einsatz von Emojis lasse die menschliche Fähigkeit verkümmern, Emotionen angemessen zu beschreiben. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch meint, hinter den bunten Bildchen lauere ein Kulturkampf. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schrieb er, aus den anfangs angeblich neutralen Zeichen sei ein Kampf um „Identität und Sichtbarkeit“ geworden. Man denke an die Einführung von mehr weiblichen Emojis, an die größere Auswahl von Hautfarben oder das Kopftuch-Emoji „Frau mit Hijab“.

Politisch und perfide ist in den letzten Jahren ausgerechnet das fröhliche Lach-Smiley geworden („grinning face with smiling eyes“) oder auch das Tränen lachende Smiley („face with tears of joy“).

In den sozialen Medien kommentieren trollige Profile oft Beiträge über ernste Themen mit Hahaha-Gesichtern. Damit sollen dann etwa tote Flüchtlinge im Mittelmeer, Klimawandelfolgen, Anti-Corona-Maßnahmen oder bestimmte Personen abgewertet und ins Lächerliche gezogen werden. Bei Leuten, denen diese Themen oder Menschen ernste Anliegen sind, entsteht durch den Spott eine unangenehme Stimmung und ein Gefühl der Ohnmacht. Ein bislang unaufgelöster Widerspruch des Web-Zeitalters: Symbole für gute Laune erzeugen schlechte Laune.

stol/dpa