Wie das gelingen kann, erklärt sie im Interview. <BR /><BR /><BR /><b>Frau Tiecks, mit welchen Problemen kommen Paare denn zu Ihnen?</b><BR />Veronika Tiecks: Die Bandbreite ist groß. Einige Paare leben nur noch nebeneinander her, die Partner fühlen sich nicht ausreichend gesehen und wertgeschätzt, sodass sie sich die Frage stellen: War das alles? Dabei steigt die Gefahr, dass einer der beiden Partner sich außerhalb der Beziehung verliebt oder eine Affäre beginnt. Wenn das der Fall ist, dann werden Ehrlichkeit, Vertrauen und Verzeihen zu großen Themen. Viele haben sich als Paar verloren, weil sie zu sehr auf die Arbeit oder die Kinder fokussiert sind und sich dabei kaum noch exklusive Zeit füreinander nehmen. <BR /><BR /><b>Was passiert, wenn man sich sozusagen auseinanderlebt?</b><BR />Tiecks: Manchmal können Unterschiede zwischen den beiden Partnern zu einem großen Problem werden, wenn sie dafür keine Lösung finden. Das kann Aspekte wie Ordnungsliebe, Feiern und Freunde, Vorlieben und Hobbys, aber auch Sex betreffen. Häufig werden Beziehungen außerdem durch Ex-Partner oder Familienangehörige belastet. Letztlich stehen hinter fast allen Schwierigkeiten Kommunikationsprobleme. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1129653_image" /></div> <BR /><b>Wie gelingt es Ihnen als Paarberaterin, diese Problemfelder offenzulegen und eine konstruktive Gesprächsbasis zu schaffen?</b><BR />Tiecks: Die Paare wenden sich an mich, um mit mir zu reden. Das ist schon mal ein erster wichtiger Schritt. Zu Beginn des Erstgespräches frage ich sie, welche Motive sie bewogen haben, mich aktiv aufzusuchen und was sie sich von mir erwarten. Dabei erfahre nicht nur ich die beiden oft ziemlich unterschiedlichen Perspektiven, sondern auch ihnen selbst wird so manches bewusst. Die Reaktionen darauf sind oft ziemlich aufschlussreich, sowohl verbal als auch emotional. Das bildet dann die Basis für weitere Fragen. <BR /><BR /><b>Fließen dabei mitunter auch Tränen?</b><BR />Tiecks: Ja, das kommt schon öfters vor. Das gehört dazu. <BR /><BR /><b>Welche Beziehungsfallen sind häufig auszumachen?</b><BR />Tiecks: Sehr oft ist Eifersucht im Spiel, eng damit verworben ist ein schwaches Selbstwertgefühl. Wird die Kommunikation von Vorwürfen und Generalisierungen bestimmt, führt das zu ständigen Streitereien. Ein weiterer wichtiger Punkt sind negative Beziehungsschleifen.<BR /><BR /><b>Was hat es damit auf sich?</b><BR />Tiecks: Wenn man sich vom Partner vernachlässigt fühlt, beginnt man oftmals zu meckern. Das bewirkt, dass sich der Partner noch stärker zurückzieht, anstatt aufmerksamer zu werden. Das Ergebnis ist Frust und schlechte Stimmung auf beiden Seiten. Eine weitere typische Beziehungsfalle – gerade hier in Südtirol – ist die Vorstellung, dass man Sex als Recht bzw. Pflicht empfindet. Die tatsächlichen Bedürfnisse des Partners gehen dabei verloren. Grundsätzlich werden gesellschaftliche Normen oft unreflektiert übernommen. Das erzeugt Druck. Alltägliche Beziehungsfallen sind außerdem ein Mangel an Energie sowie der Verlust an exklusiver Paarzeit, wenn der Fokus vor allem den Kindern gilt.<BR /><BR /><b>Stellen Kinder eine große Herausforderung für die Beziehung dar?</b><BR />Tiecks: Wenn Kinder kommen, ändert sich alles. Die erste Zeit nach der Geburt wird natürlich vom Säugling beansprucht, sonst würde er ja nicht überleben. Schwierig wird es, wenn sich das Paar oder einer der Partner nur noch auf die Kinder konzentriert und sich somit hauptsächlich als Eltern(-teil) wahrnimmt. Eine dauerhaft funktionierende liebende Partnerschaft braucht Zeit und Energie. Sicherlich ist das gerade in dieser Lebensphase eine große Herausforderung, deren Gelingen kommt jedoch auch den Kindern zugute. Mit einer harmonischen Partnerschaft tut man den Kindern einen großen Gefallen. <BR /><BR /><b>Wenn Sie sagen, der Schlüssel einer guten Beziehung ist gelingende Kommunikation, worauf gilt es dabei zu achten?</b><BR />Tiecks: Für konstruktive Gespräche braucht es zunächst einmal gute Rahmenbedingungen. Hochkochende Emotionen sind etwa nicht hilfreich, besser sollte man dann einen zeitnahen Termin vereinbaren, um das Thema in Ruhe zu klären. Zunächst einmal muss man die eigenen Bedürfnisse herausfinden und diese so formulieren, dass auch der Partner sie versteht. Eines der wichtigsten Kennzeichen guter Kommunikation ist offenes, neugieriges Zuhören – gerade das fällt vielen sehr schwer. Aber nur dann kann man seinen Partner verstehen und ihm das geben, was er wirklich braucht.<BR /><BR /><b>Welche Themen kommen bei der Sexualberatung häufig zur Sprache?</b><BR />Tiecks: Tatsächlich tut man sich hier in Südtirol ziemlich schwer, offen darüber zu sprechen. Aber es ist sehr wichtig. Häufige Themen sind ein unterschiedliches Lustempfinden zwischen den beiden Partnern, Orgasmus- und Ejakulationsprobleme und auch Sex nach der Schwangerschaft. Erstaunlich ist auch der oft formulierte Wunsch nach sexuellen Erfahrungen außerhalb des eigenen Schlafzimmers – etwa Sex im Freien oder offene Beziehungen. <BR /><BR /><BR /><i>Zur Person:</i><BR />Veronika Tiecks ist am Ritten aufgewachsen, hat lange Zeit in Deutschland gelebt und dort lange im stationären und ambulanten Bereich gearbeitet. Mit dem weiten Feld der Paarberatung beschäftigt sich die diplomierte Psychologin seit über 20 Jahren. Seit rund 3 Jahren ist sie als freiberufliche Paar- und Sexualberaterin am Ritten tätig.