Sonntag, 12. Juli 2015

Papst beendet Lateinamerika-Reise

Papst Franziskus beendet am Sonntag seine einwöchige Südamerika-Reise. Zum Abschluss besucht er in Paraguays Hauptstadt Asuncion einen Slum, der regelmäßig von Überschwemmungen heimgesucht wird. Banado Norte gehört zu den größten Armutsquartieren Lateinamerikas.

Foto: © LaPresse

Für die anschließende große Papstmesse werden mehr als eine Million Pilger erwartet; darunter sind auch Hunderttausende aus Argentinien, dem benachbarten Heimatland des Papstes. Am Montagmittag wird Franziskus in Rom zurückerwartet. Besuchsstationen seiner neunten Auslandsreise waren Ecuador, Bolivien und Paraguay.

Kurz vor Mitternacht mitteleuropäischer Zeit sprach Franziskus vor Vertretern der Zivilgesellschaft Paraguays. Dabei mahnte er erneut ein gerechteres Modell der Weltwirtschaft an. Für Paraguay forderte er einen Dialog zwischen der reichen Oberschicht und der benachteiligten indigenen Bevölkerung. Einteilungen in Personen und Kulturen „zweiter, dritter oder vierter Klasse“ gehörten abgeschafft. In seiner von begeisterten Sprechchören begleiteten sozialpolitischen Rede betonte der Papst, es brauche eine „Kultur der Begegnung“, die anerkenne, dass Verschiedenheit „nicht nur gut, sondern notwendig ist“.

Als gelungenes Beispiel für einen Dialog der Kulturen und eine gerechte wirtschaftliche Entwicklung verwies Franziskus in seiner Ansprache auf die von Jesuiten errichteten Siedlungsbezirke für die indigene Bevölkerung in Paraguay, die sogenannten Jesuiten-Reduktionen. Missionare des Ordens, dem auch Franziskus angehört, lebten hier von Anfang des 17. bis zu ihrer Vertreibung durch die Spanier 1767 mit der Urbevölkerung des Landes. Franziskus betonte, in den Reduktionen habe es weder Hunger, noch Arbeitslosigkeit oder Unterdrückung gegeben.

Es handle sich um „eine der interessantesten Erfahrungen von Evangelisierung und Gesellschaftsstruktur in der Geschichte“, so der Papst. Diese historische Erfahrung lehre, dass eine menschlichere Gesellschaft auch heute möglich sei. Die „wahren Kulturen“ seien nicht „in sich selbst abgeschlossen“, sondern dazu berufen, in der Begegnung auch anderen Kulturen neue Wirklichkeiten zu eröffnen.

Zudem forderte der Papst erneut eine Abkehr vom reinen Profitdenken. Er prangerte ein „götzendienerisches Wirtschaftsmodell“ an, das „auf dem Altar von Geld und Ertrag“ Menschenleben opfere. In Anwesenheit von Staatspräsident Horacio Cartes, der zu den reichsten Unternehmern des Landes zählt, appellierte er an Politiker, Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler in Paraguay, dieser Versuchung nicht nachzugeben. Sie müssten dafür sorgen, dass alle das tägliche Brot nach Hause bringen und ihren Kindern Wohnung, medizinische Versorgung und Bildung bieten können.

Ausdrücklich wandte sich Franziskus gegen „Ideologien“, die die Armen nur für politische oder persönliche Interessen instrumentalisierten. Wer wirklich das Wohl der Armen im Sinne habe, müsse sich zunächst ihre Lebenswirklichkeit anschauen und bereit sein, von ihnen zu lernen.

Mit Blick auf die politischen Ideologien des 20. Jahrhunderts sagte der Papst, sie seien gescheitert und in Diktaturen gemündet, weil ihnen eine Verbindung zum Volk gefehlt habe. Den stärksten Beifall erhielt Franziskus, als er auf die Verlogenheit mancher Redner verwies, die hohe Ideale predigten, in Wahrheit aber etwas ganz anderes im Sinn hätten. Dies löse bei ihm „allergische Reaktionen“ aus. Er denke dann für sich: „Was bist du doch für ein Lügner!“

apa/kap

stol