Mittwoch, 28. Februar 2018

Papst Benedikt XVI. vor 5 Jahren verabschiedet

„Er hat sich bemüht“ – die Wendung zählt zu den miserabelsten Bewertungen in einem Zeugnis. Doch wenn ein Papst über sich selbst „Wir haben uns bemüht“ sagt, ist das wohl eher Beleg der Bescheidenheit. „Wir haben uns bemüht, Christus und seiner Kirche mit tiefer und ganzer Liebe zu dienen, die die Seele unseres Diensts ist“, sagte Papst Benedikt XVI. am 28. Februar 2013.

Foto: © LaPresse

Die damalige Verabschiedung vom Kardinalskollegium gut zwei Wochen nach seiner auf Latein überraschend angekündigten Emeritierung ist die letzte Ansprache, die der deutsche Papst in seiner aktiven Dienstzeit hielt. In der in Inszenierungen seit Jahrhunderten geübten katholischen Kirche sticht der letzte Arbeitstag Benedikts als spektakuläres Ereignis heraus.

Benedikt stieg zum Ende des Pontifikats in einen weißen Hubschrauber. Tausende winkten ihm vom Petersplatz aus zu, als er mit dem Helikopter in den Himmel aufstieg und sich in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo fliegen ließ.

Zwei Fragen treiben Gläubige seither um, wenn sie an Benedikt denken: Wie geht es ihm? Und was hält er von seinem Nachfolger, Papst Franziskus? Zur ersten Frage äußerte er sich kürzlich selbst in einem Leserbrief an den „Corriere della Sera“. Er befinde sich auf der „Pilgerfahrt zum Haus“ des Herrn – auf einem „manchmal ein wenig ermüdenden letzten Wegstück“.

Der am 16. April 1927 im bayerischen Marktl am Inn geborene, also bald 91-jährige Benedikt, bereitet sich auf den Tod vor – auch wenn der Vatikan kürzlich dementierte, Benedikt habe, wie in deutschen Medien verbreitet, eine degenerative Krankheit.

Was er von seinem Nachfolger, Papst Franziskus hält, sagte der in den vergangenen fünf Jahren fast durchgehend zurückgezogen in einem Kloster im Vatikan lebende Benedikt in dem 2016 erschienenen Interviewband „Letzte Gespräche“. Er sehe Franziskus in seiner Kontinuität.

„Es gibt vielleicht neue Akzente, natürlich, aber keine Gegensätze“. Er finde die Art von Franziskus gut. „Eine neue Frische in der Kirche, eine neue Fröhlichkeit, ein neues Charisma, das die Menschen anspricht, das ist schon etwas Schönes.“ Und in einer jüngst auf Deutsch erschienenen Biografie eines italienischen Theologen sagte Benedikt, er empfinde eine „wunderbar väterlich-brüderliche“ Beziehung zu Franziskus.

Auch wenn viele dem konservativen deutschen Papst, der als Chef der Glaubenskongregation den wenig schmeichelnden Beinamen „Panzerkardinal“ von seinen Kritikern bekam, dies nicht abnehmen, passen auch diese Äußerungen zu Benedikts letzter Ansprache. Er verspreche seine „bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam“, sagte Benedikt am 28. Februar 2013.

Franziskus dürfte seinem Vorgänger tief dankbar sein, dass er Wort hielt. Denn das Pontifikat des für Aufbruchstimmung sorgenden Argentiniers wird gerade unter den Erzkonservativen kritisch gesehen. Das bisher wichtigste Franziskus-Schreiben „Amoris laetitia“ provozierte wegen seiner liberalen Haltung offenen Widerspruch auch von Kardinälen – von Benedikt gab es aber keine öffentliche Bewertung.

Die von vielen nach Benedikts Rücktritt beschworene Gefahr eines Schismas, also einer Kirchenspaltung, durch zwei Päpste hätte hier Realität werden können. Aber so loyal wie Joseph Ratzinger als Kardinal Papst Johannes Paul II. diente, so loyal verhält er sich als emeritierter Papst nun Franziskus gegenüber.

In der in Epochen statt Episoden denkenden katholischen Kirche hat Benedikt XVI. nicht nur als Kirchenlehrer mit einem beispiellosen Werk an Veröffentlichungen, sondern auch durch seinen Rücktritt einen historischen Platz sicher. „Benedikt hat mit viel Mut eine Tür für emeritierte Päpste geöffnet“, sagte Franziskus einmal.

apa/afp

stol