Donnerstag, 24. September 2015

Papst kritisiert Waffenlieferungen und Todesstrafe in USA

Papst Franziskus hat die milliardenschweren Waffenlieferungen der USA und die dort stark umstrittene Todesstrafe in klaren Worten kritisiert. Der Export von Waffen an Akteure, die planten, „Einzelnen und Gesellschaften unsägliches Leid zuzufügen“, geschehe „einfach um des Geldes willen“, sagte er am Donnerstag vor dem Kongress in Washington. Die Todesstrafe gehöre abgeschafft.

Papst Franziskus hat die milliardenschweren Waffenlieferungen der USA und die dort stark umstrittene Todesstrafe in klaren Worten am Donnerstag kritisiert.
Papst Franziskus hat die milliardenschweren Waffenlieferungen der USA und die dort stark umstrittene Todesstrafe in klaren Worten am Donnerstag kritisiert. - Foto: © APA/EPA

Franziskus forderte, das „beschämende und schuldhafte Schweigen“ über Waffenlieferungen zu beenden. Es sei eine „Pflicht, dem Problem entgegenzutreten und den Waffenhandel zu stoppen.“ Das Geld, das damit verdient werde, „trieft von Blut“. Eindeutig Stellung bezog er auch gegen die Todesstrafe, die immer noch in 31 von 50 US-Bundesstaaten praktiziert wird. Die Todesstrafe müsse weltweit abgeschafft werden, stellte er klar.

Angesichts der weltweiten Flüchtlingskrise forderte das katholische Kirchenoberhaupt eine „menschliche, gerechte und brüderliche“ Reaktion. „Wir dürfen nicht über ihre Anzahl aus der Fassung geraten, sondern müssen sie vielmehr als Personen sehen, ihnen ins Gesicht schauen“, verlangte der Pontifex. Die „Flüchtlingskrise, die ein seit dem Zweiten Weltkrieg unerreichtes Ausmaß angenommen hat“, stelle die Welt vor große Herausforderungen.

Mit Blick auf die illegale Einwanderung in die USA fügte Franziskus hinzu, dass auch auf dem amerikanischen Kontinent Menschen „auf der Suche nach einem besseren Leben für sich und ihre Lieben“ nordwärts zögen. Während Präsident Barack Obama Millionen illegale Einwanderer vor der Abschiebung bewahren will, wollen Republikaner wie Präsidentschaftsbewerber Donald Trump sie in ihre Heimatländer zurückschicken.

Franziskus nahm die USA auch im Kampf gegen den Klimawandel in die Pflicht. „Ich bin überzeugt, dass wir etwas verändern können, und habe keinen Zweifel, dass die Vereinigten Staaten – und dieser Kongress – dabei eine wichtige Rolle zu spielen haben“, sagte er. Nun sei der Moment für „mutige Handlungen und Strategien“. Im Kongress sperren sich die Republikaner gegen die Klimaschutzinitiativen von Präsident Barack Obama.

Mit Blick auf die in den USA erlaubte Homo-Ehe zeigte sich der Papst besorgt, dass die Familie „vielleicht wie nie zuvor von innen und von außen bedroht“ sei. „Grundlegende Beziehungen wie die eigentliche Basis von Ehe und Familie werden infrage gestellt“, sagte der 78-jährige Argentinier.

Vor seiner Rede traf der Papst John Boehner, den Vorsitzenden des Repräsentantenhauses. Der republikanische Politiker hatte Franziskus eingeladen, vor dem Kongress zu sprechen. Vor dem Kapitol wurden bis zu 50.000 Menschen erwartet, um die Rede auf Leinwänden zu verfolgen. Dort wollte sich der 78-jährige Argentinier den Menschen nach der Rede auch von einem Balkon zeigen. Vor seiner Weiterreise nach New York, wo er unter anderem eine Rede vor den Vereinten Nationen halten will, war ein Treffen mit Obdachlosen in der Pfarrei St. Patrick geplant.

apa/dpa/afp

stol