Dienstag, 26. Mai 2015

Papst liest „Repubblica“ – Berlusconis Hausblatt empört

In einem Interview hat Papst Franziskus berichtet, dass er seit 25 Jahren nicht mehr fernsehe, dafür täglich die linksliberale Tageszeitung „La Repubblica“ durchblättere.

Papst Franziskus - Archivbild
Papst Franziskus - Archivbild

Die Aussage des Papstes löste Empörung beim Mailänder Blatte „Il Giornale“ aus, die im Besitz der Familie von Ex-Premier Silvio Berlusconi steht und als dessen Hausblatt gilt.

„Ein Papst, der nur 'La Repubblica' liest, begreift nicht seine ganze Herde“, titelte „Il Giornale“ seinen kritischen Kommentar über die Lesegewohnheiten des Heiligen Vaters. Es sei „extravagant“, dass der Pontifex eine Zeitung bevorzuge, die sich offen für die Einführung von Homosexuellen-Ehen ausspreche.

„'La Repubblica' ist unter den italienischen Zeitungen jene, die dem katholischen Glauben am weitesten entfernt ist, da sie Begriffe propagiert, die offen der christlichen Tradition widersprechen“, schrieb der Chefredakteur von „Il Giornale“, Vittorio Feltri.

Der Autor rief den Papst auf, andere Zeitungen, darunter seine zu lesen, um sich ein umfassenderes Bild der italienischen Lage zu mache. Schließlich sei der Papst auch Bischof Roms. „La Repubblica“ führt seit Jahrzehnten eine heftige Kampagne gegen Berlusconi. Verleger Carlo De Benedetti zählt zu den Erzfeinden des Mailänder Medienzaren.

Im Interview mit der argentinischen Zeitung „La Voz del Pueblo“ hatte Franziskus berichtet, dass er niemals fernsehe. Dieses Versprechen habe er im Juli 1990 der „Jungfrau von Carmelo“ gegeben. Stattdessen informiere er sich aus der römischen „La Repubblica“, die er in der Früh zehn Minuten lese. Auch das Internet nutze er nicht.

apa

stol