Montag, 04. September 2017

Papst will mit Reise nach Kolumbien zum Versöhnungsprozess beitragen

Papst Franziskus beginnt am Mittwoch einen fünftägigen Besuch in Kolumbien, bei dem der Prozess der Aussöhnung zwischen Regierung und Rebellen im Mittelpunkt stehen soll. Im November 2016 hatte die Regierung Bogota nach einem halben Jahrhundert ein historisches Friedensabkommen mit den Revolutionären Streitkräften Kolumbiens (FARC), der größten Guerillagruppe des Landes, geschlossen.

Papst Franziskus beginnt am Mittwoch einen fünftägigen Besuch in Kolumbien.
Papst Franziskus beginnt am Mittwoch einen fünftägigen Besuch in Kolumbien. - Foto: © LaPresse

Die UNO-Beobachtermission für Kolumbien erklärte die Entwaffnung der FARC mittlerweile für abgeschlossen, diese konstituierte sich am Freitag als politische Partei namens Alternative Revolutionäre Kraft des Volkes, abgekürzt ebenfalls FARC.

Die ELN-Guerilla, Kolumbiens letzte aktive Rebellengruppe, hofft ihrerseits auf die Verkündung einer Waffenruhe mit den Regierungstruppen während des Papst-Besuchs. Die Nationale Befreiungsarmee (ELN) bekämpft die Regierung seit 1964, als auch die FARC-Rebellen den Kampf gegen Großgrundbesitzer und für mehr soziale Gerechtigkeit aufnahmen. Heute zählt die ELN-Guerilla noch rund 1.500 Kämpfer.

Viele gegen Friedensabkommen

Im Konflikt zwischen der Armee, ultrarechten Paramilitärs sowie der FARC-Guerilla und anderen linken Rebellen wurden mehr als 260.000 Menschen getötet. Mehr als 60.000 Menschen gelten als vermisst, etwa sieben Millionen Menschen ergriffen vor den Kämpfen die Flucht.

Das Friedensabkommen zwischen den FARC-Rebellen und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos stößt in dem vom ehemaligen Staatschef Alvaro Uribe angeführten rechten Lager auf erheblichen Widerstand. Die Gegner des Abkommens finden, dass die Guerilla darin zu glimpflich wegkommt. Das vom kolumbianischen Parlament im Dezember verabschiedete Amnestiegesetz für die FARC-Rebellen werten sie als „Verrat“.

Papst will vermitteln

Der Papst versucht im bitteren Streit um Straferlass und Entschädigung für die Opfer zwischen Santos und Uribe zu vermitteln – bisher ergebnislos. Der Besuch des 80-jährigen Argentiniers steht unter dem Motto: „Lasst uns den ersten Schritt gehen“. Das bedeute, „das Leid der anderen anerkennen und denen vergeben, die uns verletzt haben“, sagt der kolumbianische Militärbischof Fabio Suescun, Leiter des mit der Papstreise betrauten Organisationskomitees.

Der kolumbianische Kurienerzbischof Jose Octavio Ruiz, Mitglied der päpstlichen Delegation, wies darauf hin, dass das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in ein „sehr polarisiertes Land“ komme. Er wisse aber auch, „dass alle Kolumbianer nach Frieden im Geist von Einheit und Gerechtigkeit dürsten“. Ein solcher Frieden sei „nur möglich, wenn die Gründe für soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit und Unterdrückung angegangen“ würden.

Quartier in Bogota

Franziskus' „Hauptquartier“ wird die Apostolische Nuntiatur in Bogota sein. Von dort aus wird er mit dem Flugzeug in die Städte Villavicencio, Medellin und Cartagena reisen. In der Hauptstadt Bogota sind Treffen mit Präsident Santos sowie auch mit führenden Vertretern der katholischen Kirche Venezuelas zur Krise in ihrem Land vorgesehen.

In Villavicencio will der Papst zwei im kolumbianischen Gewaltkonflikt getötete katholische Priester seligsprechen.

Den Abschluss der Reise bildet die Stadt Cartagena. Dort wird Franziskus in der Kirche des als Sklaven-Seelsorgers bekannten Jesuitenpaters Pedro Claver beten. In allen vier Städten wird der Papst außerdem eine Messe feiern. Die Veranstalter erwarten Millionen Gläubige bei den verschiedenen Ereignissen, darunter zahlreiche Touristen.

apa/afp

stol