Montag, 11. September 2017

Papst zur Flüchtlingspolitik: „Italien hat sein Herz geöffnet“

Regierungen müssten die Aufnahme von Flüchtlingen „mit Klugheit“ lösen, hat Papst Franziskus auf dem Rückflug von seiner Kolumbien-Reise gemahnt. Dazu gehöre zunächst die Frage nach den verfügbaren Kapazitäten, dann die Frage nach der Integration, sagte er. Eine legitime Aufnahmegrenze sei dann erreicht, wenn eine „Gefahr der Nichtintegration“ bestehe, so der Papst.

Papst Franziskus hat erklärt, Italien und Griechenland hätten in Sachen Flüchtlinge ihr Herz geöffnet.
Papst Franziskus hat erklärt, Italien und Griechenland hätten in Sachen Flüchtlinge ihr Herz geöffnet. - Foto: © APA/AFP

Nachdrücklich verlangte Franziskus humanitäre Hilfszentren in Libyen. Die Welt müsse sich bewusst machen, dass die Flüchtlinge dort unter unmenschlichen Bedingungen in „Lagern“ lebten, sagte er laut Kathpress in der Nacht auf Montag vor mitreisenden Journalisten. Nötig sei „humanitärer Beistand“.

Italien leiste auf diesem Feld bereits alles, „um Probleme zu lösen, die es sich nicht zu eigen machen kann“. Er sei dankbar für die Haltung Italiens und Griechenlands in der Flüchtlingsfrage. „Sie haben ihr Herz geöffnet“, sagte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

Weiter forderte der Papst internationale Hilfe für afrikanische Länder, um die Lebensbedingungen dort zu verbessern und das Wachstum anzukurbeln. Weithin herrsche bei Investitionen aus Industriestaaten das Motto „Afrika muss ausgebeutet werden“. Hier sei ein radikales Umdenken nötig.

Scharfe Kritik an Trump

Scharfe Kritik äußerte Franziskus an der geplanten Abschiebung sogenannter Dreamer in den USA. US-Präsident Donald Trump hatte das Schutzprogramm für Migranten, die als Minderjährige illegal in die Vereinigten Staaten gelangten und unter der Vorgängerregierung Barack Obamas geduldet wurden, Anfang September beendet. Er hoffe, dass Trumps Regierung die Entscheidung überdenke, sagte der Papst.

Trump präsentiere sich dem Augenschein nach als Lebensschützer. „Wenn er ein tüchtiger Lebensschützer ist, wird er begreifen, dass die Familie die Wiege des Lebens ist und man ihre Einheit schützen muss“, so der Papst.

Ein weiterer päpstlicher Seitenhieb auf den US-Präsidenten war auch die Zurechtweisung von „Boykotteuren des Pariser Klimaabkommens“. Wer leugne, dass der Klimawandel vom Menschen mitverursacht sei, solle Wissenschafter fragen. „Sie sprechen eine klare Sprache“, sagte Franziskus. Der Effekt der globalen Erwärmung sei „sehr klar“. Trump hatte den Rückzug der USA aus dem Klimaabkommen angekündigt.

apa

stol