Einer von ihnen ist der Musikpädagoge, Musiker und Sounddesigner Carlo Nardi, der an der Freien Uni Bozen lehrt. Im Interview geht er auf das Wirken und das Genie von Giorgio Moroder ein. <BR /><BR />Drei Tage lang haben sich Forscher aus mehreren Kontinenten sowie lokale Akteure über das Wirken und die stilprägenden Einflüsse von Giorgio Moroder ausgetauscht, am heutigen Samstag klingt die von der Uni Bozen durchgeführte Konferenz mit dem Symposium „Sounds like the Future“ aus. Seit Jänner 2026 ist der Musikpionier aus Gröden „Senator honoris causa“ der unibz, dort ist man um das interdisziplinäre Erbe Moroders bemüht.<BR /><BR />„Aus wissenschaftlicher Sicht eröffnet Moroders Werk vielfältige Perspektiven auf die Entwicklung und die gesellschaftlichen Funktionen der Populärmusik und der Filmmusik“, sagt Carlo Nardi, Forscher an der unibz, der das Event gemeinsam mit Forscherin Ruth Videsott organisiert.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358622_image" /></div> Im Mittelpunkt standen und stehen folglich nicht nur Themen wie elektronische Tanzmusik, Musikproduktion, Filmmusik, Remix-Kulturen, Intermedialität sowie Moroders Unternehmertum. Die Tagung beschäftigte sich überdies mit der soziolinguistischen, semiotischen sowie kultur- und zeithistorischen Perspektive. Zudem wurde die Darstellung der Identität von Künstlern aus sprachlichen Minderheiten – v.a. ladinischsprachigen – untersucht, die in Migrationskontexten leben und arbeiten. <BR /><BR />Zu den Hauptrednern gehörten Prof.in Ewa Mazierska von der University of Central Lancashire und Prof. Tavia Nyong’o von der Yale University. Paul Harkins (Edinburgh Napier University), Julin Lee (Hochschule für Musik und Theater München) und Maria Perevedentseva (University of Salford) diskutierten in einer Podiumsdiskussion die Rolle von Synthesizern im Zusammenhang mit Themen wie digitaler Kultur, Automatisierung und verteilter Kreativität.<BR /><BR />Der Durchbruch gelang Giorgio Moroder Mitte der 1970er-Jahre dank der Zusammenarbeit mit Donna Summer, in den 1980er-Jahren zählt er zu den gefragtesten Produzenten der Welt. Für seine Hits wurde der am 26. April 1940 in St. Ulrich geborene Komponist mit Musikpreisen überhäuft, er schrieb auch die Musik für drei Olympische Spiele und die Fußball-WM 1990. <BR /><BR />Organisiert wird die Tagung von zwei Sektionen der Internationalen Vereinigung für das Studium von Populärmusik (IASPM Italiana und IASPM D-A-CH), das heutige Symposium „Sounds like the Future“ wird in Zusammenarbeit mit Transart gestemmt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1358625_image" /></div> <b><BR />Herr Nardi, mehrere Forscher befassen sich an der Konferenz an der Uni Bozen mit dem Vermächtnis von Giorgio Moroder. Warum ist der als „Pate des Discosounds“ bezeichnete Moroder interessant für die Forschung?</b><BR />Carlo Nardi: Der Einfluss von Giorgio Moroder auf die weitere Entwicklung der Musik, die Populärkultur und das Musikbusiness ist kaum hoch genug einzuschätzen. Schließlich hat Moroder in seiner unnachahmlichen Art als Netzwerker und Unternehmer neue Wege in der Branche aufgezeigt. Abgesehen davon beleuchtet die Tagung auch Moroders Bedeutung für die ladinische Minderheit. Hierbei geht es um Fragen der Konstruktion und der Identität von Künstlern aus sprachlichen Minderheiten. Wobei zu sagen ist, dass es eine Reihe von ladinischsprachigen Persönlichkeiten mit weltweitem Ruhm gibt.<BR /><BR /><b>Was macht in Ihren Augen das Genie von Moroder aus?</b><BR />Nardi: Von der Musikproduktion einmal abgesehen, hat er mit unzähligen musikalischen Größen zusammengearbeitet und somit über die Jahrzehnte ein schier unglaubliches Erbe geschaffen. Er hat Hunderte Alben produziert, Soundtracks für mehr als 170 Hollywood-Filme geschrieben und mehr als 730 Songs komponiert. Sein Genie besteht auch in einer überaus effizienten Arbeitsweise: Er war es gewohnt, einen Song oder Soundtrack nur ein einziges Mal zu produzieren. Und der hat dann immer gesessen. <BR /><BR /><b>Wissen Sie, warum er in der Öffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung tritt?</b><BR />Nardi: Natürlich haben wir ihn zur Konferenz eingeladen. Er stand zeitlebens im Rampenlicht und lebt nun lieber zurückgezogen in Los Angeles. Das sei ihm vergönnt. <BR /><BR /><BR />* Der promovierte Musikwissenschaftler Carlo Nardi ist Musiker, Filmkomponist und Sounddesigner. Er lehrt an der Uni Bozen und steht auch hinter der Fachtagung zu Giorgio Moroder. Derzeit arbeitet er auch an einem Buch zu einem seiner Alben.