Die Betonung liegt auf „fast“, denn letzthin hatte Patrick Baumgartner einen wichtigen Termin, der allerhand Vorbereitungen abseits des Sports brauchte. <BR /><BR /><b>Von Edith Runer</b><BR /><BR />Am 20. Juni führte er seine Freundin Greta Passler zum Traualtar. Und weil das nicht nur im kleinen Kreis geschah, war der Bräutigam vorher ganz schön eingespannt. <BR /><BR />Nach der Hochzeit ging er es hingegen entspannt an und nahm sich sogar Zeit für ein Treffen mit dem „Dolomiten“-Magazin, bevor dann endlich die Hochzeitsreise anstand. Das frisch vermählte Paar hat sich dafür Tansania ausgesucht. „Ich mag es, fremde Länder kennenzulernen. Und in Afrika war ich noch nie“, begründet Patrick die Wahl. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339746_image" /></div> <h3>Mit Rad- oder Wanderschuhen</h3>Greta ist die ältere Schwester der Antholzer Biathletin Rebecca Passler. Das Sport-Gen hat auch sie in sich, sie zog dem Biathlon allerdings schon früh einen anderen Beruf vor. Patrick und Greta sind in der warmen Jahreszeit gern mit dem Rennrad unterwegs, oder sie besteigen einen der im Pustertal unzähligen Gipfel – über einen Wanderweg oder einen Klettersteig. „Manchmal geht's auch nur bis zur Almhütte“, verrät der Bobpilot schmunzelnd. <BR /><BR />Als Teil des Trainings kann er diese Touren allerdings selten verbuchen. „Bei uns kommt es eher auf die Schnellkraft an als auf die Ausdauer. Zum Trockentraining halte ich mich deshalb eher auf dem Sportplatz oder in der Kraftkammer auf.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339749_image" /></div> <h3> Von der Piste in den Kanal</h3>Wie die meisten Profiathleten ist Patrick Baumgartner ein sehr vielseitiger Sportler. Als Kind hat er vieles ausprobiert, vom Eishockey über Tennis – heute spielt er gern mit Kollegen Padel – bis zum Skifahren. Beim Skifahren ist er lange Zeit geblieben, hat erfolgreich Landesmeisterschaften und Grand-Prix-Kinderrennen bestritten. <BR /><BR />Mit etwa 15 Jahren lernte er die Brüder Günther und Arnold Huber kennen, die beide als Trainer tätig waren. Vor allem Günther war in den 1990er-Jahren ein erfolgreicher Bobsportler gewesen. „Ich durfte dann mal in Innsbruck mit einem Bob auf die Bahn.“ <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339752_image" /></div> <BR />Von da an war es um Patrick geschehen. Er fand Gefallen daran, dieses bis zu 180 Kilogramm schwere Ungetüm durch den Eiskanal zu lenken und wollte Bobpilot werden – aber keineswegs „nur“ Anschieber. <BR /><BR />„Als Anschieber brauchst du vor allem Antrittsgeschwindigkeit, als Pilot hingegen geht nichts über die Erfahrung“, erklärt der sehr besonnen wirkende Pfalzner, der genau genommen in Issing aufgewachsen ist.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339755_image" /></div> <BR /> Deshalb habe es doch einige Jahre gedauert, bis er sich im Weltcup etablieren konnte. Nach der knapp verpassten Olympiaqualifikation 2018 klappte es 2022 mit Peking. Bei den Heimspielen in Milano-Cortina im vergangenen Februar fuhr er schließlich mit berechtigten Medaillenhoffnungen zu den Rennen. Am Ende wurden es Platz 5 im Vierer- und Platz 7 im Zweierbob. <BR /><BR />Ob ihn ein böser Sturz einige Wochen vor den Spielen Milano-Cortina eingebremst hat? „Das wäre im Nachhinein nur eine Ausrede“, sagt er bestimmt. Tatsache ist, dass ihm auf die Bronzemedaille im Viererbob nur 25 Hundertstelsekunden gefehlt haben, „und ich eigentlich zufrieden war.“ <BR /><BR /><embed id="dtext86-75715965_listbox" /><h3> Ohne Risiko durch die Saison</h3>Das Feuer in ihm brennt jedenfalls lichterloh. „Ich will ganz nach vorne“, meint er entschlossen. Dafür trainiert er hart und riskiert in seiner Freizeit so wenig wie möglich. „Skifahren gehe ich erst nach der Rennsaison“, sagt er. Ohnehin seien die Pisten im Winter voll. Da wäre die Verletzungsgefahr einfach zu groß. Langlaufen mit Greta passt da schon besser, „und macht sogar Spaß“, sagt er augenzwinkernd. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1339758_image" /></div> <BR />Zeit für Zweisamkeit ist im Winter ohnehin kaum. Meistens reist Patrick mit der Mannschaft von Weltcup zu Weltcup. Erst Ende März gibt es erstmals eine längere Pause. Greta kennt das zum Glück nicht anders.<BR /><BR /> „Außerdem ist sie gemeinsam mit meinen Eltern mein größter Fan.“ Wann immer es geht, steht seine nunmehrige Ehefrau im Ziel des Eiskanals und drückt die Daumen. Sehr oft auch mit ihren Schwiegereltern. <h3>Mit einem Buch am See</h3>Patrick und Greta wohnen schon seit einiger Zeit gemeinsam in Pfalzen. Sie mögen es in ihrer Freizeit beide ruhig. Große Menschenmengen meiden sie. An heißen Sommertagen ist das Freibad deshalb tabu. Die beiden zieht es eher an den Antholzer See, wo sich immer ein ruhiges Plätzchen findet. <BR /><BR />Dann greift Patrick auch gerne mal zu einem Buch – am liebsten zu packenden Biografien oder Sachbüchern, die ihn auch beim Training weiterbringen. Ein Sportler ohne Sport ist eben nicht vorstellbar.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75715960_listbox" />