Was das umfasst, erörtert sie im Interview.<BR /><BR /><b>Bald schon werden im Waltherhaus die neuen Stücke der Musical-School-Klassen aufgeführt, das vom Jugendzentrum Papperlapapp organisiert wird. Wie laufen die Proben?</b><BR />Lauretta Rudat: Wir befinden uns gerade in der heißen Phase, denn am 12. und 19. Mai wird bereits aufgeführt: Die jüngeren Jahrgänge von 6 bis 12 Jahren inszenieren das Stück „Farbenspiel des Winds“, angelehnt an Pocahontas, während die 13- bis 19-Jährigen mit dem Stück „Zwei Welten“, angelehnt an Tarzan, auftreten. Man merkt, dass die Jugendlichen wieder riesengroße Lust haben, zusammen ein Musical zu erarbeiten. Auch der Publikumszuspruch kann sich sehen lassen, denn für die Schüleraufführungen sind bereits rund 900 Plätze vergeben, der Ticketverkauf für die Abendaufführungen startet dagegen mit Ende April.<BR /><BR /><b>Welches ist das Hauptanliegen der Musical School?</b><BR />Rudat: Im Kern geht es darum, Kinder und Jugendliche so zu begleiten, dass sie wachsen und ihre Talente spielerisch und frei von Zwängen entfalten können. Wir achten darauf, dass jeder Beteiligte die Rolle bekommt, die zu ihm passt und ihm Freude bereitet. Es gibt kein Casting und keine Grundvoraussetzungen, es wirken auch Menschen mit besonderen Bedürfnissen mit. Somit ist essenziell, dass die geschulten Dozenten auf die Bedürfnisse der Beteiligten und auf das jeweilige Level der 5 verschiedenen Altersklassen eingehen. Unterm Strich werden didaktische und pädagogische Ansätze miteinander verknüpft, um jedes Jahr neu durchzustarten. Es ist sicherlich eine großartige Sache ganz im Sinne der Kinder und Jugendlichen, nicht umsonst feiern wir im kommenden Jahr das 30-jährige Jubiläum seit der Gründung durch Manfred Schweigkofler, Monica Ludescher und Stephen Lloyd, der noch immer als Schirmherr fungiert.<BR /><BR /><b>Inwieweit hat die Musical School unter der Corona-Pandemie gelitten?</b><BR />Rudat: Sie wurde dadurch sehr stark beeinträchtigt. Vor der Pandemie hatten wir in allen 5 Altersgruppen insgesamt 100 Beteiligte, das ist das Maximum. Nun haben wir uns von den Einschränkungen wieder erholt und sind bei 85 Beteiligten angelangt. Es fühlt sich aber wieder sehr gut an, vor allem von den Jugendlichen bekomme ich immer wieder zu hören, wie sehr die Musical School für sie ein Anker war und noch immer ist, teilweise auch ein Ventil. Insbesondere ist es ein Ort, an dem sie völlig ungezwungen einfach mal sein dürfen, frei von Verpflichtungen. Natürlich entsteht durch die Inszenierungen am Ende der Kurse eine gewisse Anspannung, aber das wird von ihnen nicht als Druck im üblichen Sinne empfunden. <BR /><BR /><b>Sie sind sehr nahe an den Lebenswelten der Jugendlichen dran. Was sollte im Sinne der Jugend stärker beherzigt werden?</b><BR />Rudat: Die Jugendlichen haben ein unheimlich großes Potenzial, ich bin immer wieder baff, wenn ich sehe, was sie alles zu geben imstande sind. Eigentlich müssen wir Erwachsene ihnen viel mehr zuhören und von ihnen lernen. Es braucht mehr Raum, um diesen Dialog zu ermöglichen und ihnen mehr Verantwortung anzuvertrauen. Jugendliche sollten stärker als vollständige Menschen wertgeschätzt werden.<BR /><BR /><b>Mit der Sprachlounge betreuen Sie ein weiteres Projekt im Jugendzentrum Papperlapapp. Auch das ist alles andere als alltäglich, oder?</b><BR />Rudat: Allerdings, denn dabei können sich alle Interessierten in lockerer Atmosphäre in einer Fremdsprache unterhalten. Ein Moderator, der die jeweilige Sprache als Muttersprachler beherrscht, leitet die Runde, elementare Grundkenntnisse reichen für die Besucher aus. In Bozen führen wir die Sprachlounge in der Ortler-Bibliothek am Anne-Frank-Platz, in der Bibliothek von Oberau und hier im Jugendzentrum Papperlapapp durch, insgesamt werden 7 Sprachen angeboten: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch und Ladinisch. <BR /><BR /><b>Wer nutzt dieses Angebot zum Sprachenlernen?</b><BR />Rudat: Tatsächlich kommen Menschen aus allen Altersgruppen, aus verschiedenartigsten Lebensrealitäten, von Anfängern bis Fortgeschrittenen, Neulinge genauso wie regelmäßige Besucher. Am meisten Zuspruch bekommen Deutsch und Englisch, da versammeln sich bis zu 20 Leute rund um die Tische. Allerdings lassen sich seit der Pandemie Einschnitte feststellen. Besonders finde ich, dass das Konzept der Sprachlounge seit den Anfängen im Jahr 2001 bis heute so funktioniert und weitergeführt worden ist. Die Sprachschule Alfa Beta Piccadilly ist auch bis heute Kooperationspartner, außerdem organisieren wir jedes Jahr für unsere Moderatoren, aber auch für jene anderer Sprachentreffs in Südtirol, Workshops zum Austausch und zur Kompetenzerweiterung. Der Job des Moderators ist nämlich fordernder und komplexer als so mancher denkt. <BR /><BR /><b>Abseits von ihren hauptberuflichen Tätigkeiten im Papperlapapp finden Sie auch noch Zeit für ihre persönlichen Herzensangelegenheiten, etwa Projekte im Bereich der Wildnispädagogik. Was hat es damit auf sich?</b><BR />Rudat: Ja, dieser Herzensangelegenheit gehe ich im Trentino nach, dort bin ich seit 2009 ansässig. So habe ich dort vor einigen Jahren begonnen, Wildniscamps für Mädchen, einige Jahre später auch für Mädchen und Jungs gemeinsam, zu organisieren. Konkret geht es neben einer großen Portion an Spaß darum, in der Gemeinschaft elementare Tätigkeiten auszuführen, etwa Feuermachen, Essen zubereiten, Ordnung halten und eine Vielzahl von handwerklichen und kreativen Aktivitäten mit den Naturmaterialien. All das hat eine spielerische Note und soll getragen sein von der Leichtigkeit des Seins. Mit dieser Grundhaltung fällt es leicht, sich mit der Natur zu verbinden, die Tier- und Pflanzenwelt näher zu ergründen und somit festzustellen: Wir selbst sind alle Teil der Natur. Zur bereits erwähnten Leichtigkeit kommt der Tiefgang, man dringt näher zum eigenen Wesenskern vor. <BR /><BR /><b>Das bedeutet, man kann hierbei tatsächlich von einem pädagogischen Ansatz im Sinne eines Lernprozesses für die Teilnehmer sprechen?</b><BR />Rudat: Absolut, es handelt sich um eine Form der Pädagogik, die in einer natürlichen Umgebung stattfindet und für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen gedacht ist. Sie geht auf die Ureinwohner Amerikas zurück, neben der Vermittlung von spezifischen Fähigkeiten und Überlebenstechniken ist die Verbindung mit der Natur von zentraler Bedeutung. Das schließt auch die spirituelle Ebene mit ein. Gerade das erklärt auch die unglaublich starke Energie, die so ein 6-Tage-Camp bei den Teilnehmern hervorruft. Nachdem ich festgestellt habe, wie stark mich diese Materie erfüllt, wollte ich dieses Wissen vertiefen und nun bin ich kurz vor dem Abschluss eines Lehrgangs zur Systemischen Natur- und Erlebnistherapeutin. <BR /><BR /><b>Was macht eine Naturtherapeutin?</b><BR />Rudat: Die systemische Naturtherapie basiert auf dem Dialog zwischen dem Menschen und der Natur. Die Naturräume sind also ein zentrales Element. Die stark transformative und heilende Kraft der Natur kann dem Menschen ein wertvoller Spiegel und Helfer sein. Die Naturtherapeutin gibt im Grunde genommen Impulse und zeigt Möglichkeiten auf, über die der Klient zu seiner eigenen Lösung finden kann. Diese Arbeit findet in verschiedenen Naturräumen statt, etwa am See, am Meer, auf dem Berg, oder im Wald, je nachdem was die Klientin gerade für ihren Prozess braucht. Parallel zu dieser Ausbildung habe ich im Trentino auch mein Frauenprojekt „DonNatura“, zusammen mit Lena Grüner, gestartet. <BR /><BR /><b>Findet dieses Projekt ebenso unter freiem Himmel statt? </b><BR />Rudat: In vielen Teilen ja. Es handelt sich um Wochenendseminare für Frauen und wir erleben dort die Natur auf verschiedene Weise. Grundsätzlich sollen sich die Frauen dabei ohne jegliche Rollenzuschreibungen einfach auf sich selbst, die Natur und die vorhandene Gemeinschaft fokussieren. Sie sind für ein Wochenende mal nicht Mutter, Partnerin, Freundin oder Schwester, sondern besinnen sich einzig und allein auf ihr Frau-Sein. Und erneut helfen in diesem Prozess der Selbsterkundung, die Kräfte in der Natur. Man schaut sich in die Augen, hört sich aufmerksam zu und reicht sich die Hände, dabei entstehen heilsame Kräfte und starke Verbindungen. Ich bin glücklich, diese Seminare und auch die Mädchen-Wildniscamps, für den Trägerverein „Interagiamo“ durchführen zu dürfen. <BR /><BR /><b>Wie kommt es, dass Sie als Bayerin im Trentino und Südtirol Fuß gefasst haben?</b><BR />Rudat: Ja, das ist schon eine crazy Mischung! Ich bin auf einem Bauernhof mitten in der Pampa in Niederbayern aufgewachsen, meine Eltern waren damals Selbstversorger. Als ich noch ein Kind war, fuhren wir öfter in die Toskana in den Urlaub. Ich weiß noch, wie ich zu meiner Mama gesagt habe: Hier werde ich mal leben! Als ich 20 war, habe ich tatsächlich dort für eine Zeitlang gelebt, danach habe ich in Deutschland mein Studium als Sozialpädagogin abgeschlossen und schließlich als stellvertretende Leiterin in einer Offenen Ganztagsschule gearbeitet, ehe es im Jahr 2009 ins Trentino ging. Gleichzeitig habe ich die Arbeit im Jugendtreff Papperlapapp gefunden. Seitdem pendle ich zwischen meinem Lebensmittelpunkt Terlago nahe Trient und Bozen hin und her. Hier wie dort bin ich den Menschen und dem Land sehr verbunden, diesen Kultur- und Sprachenmix empfinde ich als bereichernd und spannend, wenngleich dieses Leben zwischen den Welten anstrengend ist. Im Moment fühlt sich aber diese räumliche und soziale Situation sehr stimmig und richtig für mich an. <BR /><BR /><BR />