Freitag, 30. September 2016

Peres beerdigt: Bewegender Abschied von Israels Vater der Nation

Obama stellt Peres auf eine Stufe mit Nelson Mandela und Königin Elizabeth, Clinton nennt ihn einen Freund. Die Trauerfeier für Israels Altpräsidenten spiegelt dessen Streben nach Einigkeit wider.

Israels Altpräsident Schimon Peres wurde am Freitag zu Grabe getragen.
Israels Altpräsident Schimon Peres wurde am Freitag zu Grabe getragen.

„Avinu Malkenu“, „Unser Vater, unser König“, singt der israelische Sänger David D'Or bei der Trauerfeier für Israels Altpräsidenten Schimon Peres. Die Worte von Peres' Lieblingslied erklingen am Freitag über dem Friedhof Herzl-Berg in Jerusalem. Sie drücken das Gefühl vieler Gäste aus – und nicht nur der Israelis.

Als letzter Gründervater Israels, als Visionär, Friedensstifter und Optimist beschreiben die Redner den verstorbenen Friedensnobelpreisträger Peres vor rund 3000 Trauergästen. Der 93-Jährige war am Mittwoch gestorben.

Peres verkörperte Hoffnung und Veränderung

„Er hat die Welt nicht so gesehen, wie sie war, sondern wie sie sein sollte“, sagt US-Präsident Barack Obama und ruft zu einer Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses auf. Er stellt Peres in eine Reihe mit großen Figuren der Zeitgeschichte: „Er erinnerte mich an viele Giganten, die ich getroffen habe, so wie Nelson Mandela, Königin Elizabeth – Anführer, die so viel miterlebt haben.“

Mit seiner Teilnahme erweist Obama Peres die höchste Ehre – ein Schritt mit starker Signalwirkung. Peres verkörperte das Prinzip Hoffnung und Veränderung. Der rechtsorientierte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu steht dagegen für eine Fortsetzung des Konflikts.

Israels Präsident Reuven Rivlin verteidigt Peres gegen Vorwürfe seiner Kritiker, er sei naiv gewesen. „Wer wusste wie Du, welch hohen Preis die Naivität hat, aber gleichzeitig – wer glaubte wie Du, dass der Preis der Mittelmäßigkeit und Kleingläubigkeit noch viel höher ist“, sagt er, wohl auch in Richtung Netanjahu.

Handschlag zwischen Israel und Palästina

Männer in Militäruniformen tragen den in eine Flagge gehüllten Sarg zur Trauerfeier. Ein Militärrabbiner rezitiert jüdische Trauergebete. Dem Sarg folgt die Familie von Peres mit Kindern, Enkeln und Urenkeln.

Bei der Trauerfeier sitzt Obama in der ersten Reihe zwischen Peres' Sohn Chemi Peres und dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas. Peres' Familie hatte ihn eingeladen, wie Medien berichteten. Abbas und Netanjahu reichen geben sich vor der Feier die Hand. Es kommt zu einem kurzen Gespräch zwischen Netanjahu, dessen Ehefrau Sara und Abbas. Die Freundlichkeit wirkt bemüht, das Gespräch eher unbehaglich. „Lange nicht gesehen“, sagt Abbas. „Danke, dass Sie gekommen sind“, sagt Sara. Netanjahu gibt auch dem früheren palästinensischen Chefunterhändler Saeb Erekat die Hand.

Solche Treffen zwischen führenden Palästinensern und Israelis haben inzwischen Seltenheitswert. Das Begräbnis erinnert an bessere Zeiten, als die Beziehungen noch von Hoffnungen auf eine Lösung bestimmt waren. Obama mahnt in seiner Rede: „Die Anwesenheit von Abbas erinnert uns daran, dass das Friedenswerk noch nicht vollendet ist.“

Führende Persönlichkeiten aus aller Welt anwesend

Deutschland ist unter anderem durch Bundespräsident Joachim Gauck vertreten. Der spanische König Felipe VI. ist gekommen. Der englische Prinz Charles fällt mit einer königlichen Kippa auf: Seine jüdische Kopfbedeckung ist aus blauem Samt mit dem Wappen von Wales in Gold bestickt.

Nach der Trauerfeier wird Peres auf dem Nationalfriedhof beigesetzt, allerdings nicht neben seiner Frau Sonja, die stets das Rampenlicht scheute, und ihrem Wunsch folgend 2011 auf einem anderen Friedhof im Zentrum Israels begraben wurde. Dafür liegt er nun ganz in der Nähe des 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin.

Gemeinsam mit Rabin und dem damaligen PLO-Chef Jassir Arafat wurde Peres 1994 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Zusammen hatten sie die Friedensverträge von Oslo gestaltet. Der Friedensprozess bleibt zwar unvollendet, aber in seinem Tod hat Peres einmal mehr geschafft, was bis zu seinem Lebensende sein größtes Ziel war: Menschen zusammenzubringen.

dpa

stol