Wenn man einen Perückenbock zu Gesicht bekommt, denkt man unweigerlich an die Perücke eines Richters oder jene, die vor mehr als 100 Jahren oft als Schmuck vom Adel getragen wurden. Ein Perückenbock ist übrigens immer männlich. Das wird dann klar, wenn man erfährt, wie es zu diesem ungewollten Kopfschmuck kommt.<BR /><BR />Dieser entsteht nämlich durch den Ausfall der Ausschüttung des Sexualhormons Testosteron. Der Organismus ist dann nicht mehr in der Lage, das Geweih einwandfrei auszubilden. Der Bast beginnt zu wuchern und dieses Wachstum kommt auch nicht mehr zum Stillstand.<BR /><BR /> Je älter ein Perückenbock wird, desto wilder wuchert seine Perücke. Doch wie kommt es zum Ausfall der Ausschüttung von Testosteron? Das kann durch eine Erfrierung oder eine Verletzung der Gonaden, also der Sexualdrüse, bzw. der Hoden entstehen. Es gibt auch Erkrankungen, die dazu führen. Und es gibt noch einen Grund – die menschliche Gier.<BR /><BR />Peter Morass von den Tiroler Landesmuseen erzählt: „Als Trophäe ist ein Perückenbock sehr wertvoll. Deshalb hat man in früheren Zeiten Rehböcke gefangen, ihre Gonaden geschnitten und somit verletzt. Somit wurde der Prozess künstlich hervorgerufen und die auf diese Art gezüchteten Perückenböcke bzw. deren Trophäen wurden teuer verkauft.“ Also schlicht Tierquälerei aus Gewinnsucht. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="905920_image" /></div> <BR /><BR />Perückenböcke in der freien Wildbahn leiden immer mehr an dieser Wucherung, die im fortgeschrittenen Stadium die Augen bedecken kann und die Tiere also so – indirekt – erblinden. Sie sind dadurch in der Nahrungsaufnahme immer stärker behindert, auch steigt die Wahrscheinlichkeit, von Raubtieren zu werden.<BR /><BR />Interessant ist auch die Geschichte eines Rehkitzes aus Brandenberg, das wie seine Mutter teilalbinotisch war. „Die Mutter hat jahrelang Zwillinge zur Welt gebracht. Dabei war immer eines normal und eines teilalbinotisch. Ein Jäger konnte in diesem Fall das teilalbinotische Rehkitz einfangen, um es vor Raubtieren zu schützen. Es verstarb allerdings etwas später. Und so ist es bei uns gelandet“, erzählt Peter<BR />Morass. <BR /><BR />„In der freien Wildbahn haben sie keine besondere Überlebenschance. Rehe sind durch ihre Fellfarbe recht gut vor Beutegreifern getarnt. Ein Albino oder auch ein teilalbinotisches Reh ist aber schnell Opfer eines Fuchses oder eines anderen Raubtiers.“<BR />