<BR /><b>Das Alpen Flair gilt als „größtes Volksfest Südtirols“ mit einem Mix aus Rock, Metal, Punk, Schlager und Volksmusik. Wie passt der „Maffay-Sound“ in dieses Gipfeltreffen? <BR /></b>Peter Maffay: Ich hoffe, gut. Stilistisch habe ich mit Schlager begonnen und durchlief im Laufe der Jahrzehnte eine Metamorphose hin zum Deutschrock – eine ganz bewusste Entscheidung, die ich beibehalten habe. Im Grunde aber ist für mich diese Klassifizierung zweitrangig. Wichtiger ist, dass meine Lieder die Menschen erreichen und ihnen etwas geben. Dies ist der Grund, weswegen wir alle Musik machen.<BR /><b><BR />Sie haben sich 2024 mit einer Stadiontournee von der großen Bühne</b><b>verabschiedet, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Und jetzt gehören Sie zu den Headlinern des Alpen Flairs. Ein Rücktritt vom Rücktritt?</b> Maffay (schmunzelt): Hübsche Formulierung. Aber nein, kein Rücktritt vom Rücktritt, auch wenn dies zurzeit modern zu sein scheint. Ich habe vor zwei Jahren beschlossen, einen Gang runterzuschalten und keine Stadiontouren mit bis zu 40 Konzerten mehr zu machen. Grund dafür ist unsere kleine Tochter (Anouk , Anm. d. Red.). <BR />Sie ist sieben Jahre alt und gerade erst in die Schule gekommen, dies hat meinen Alltag und den Alltag meiner Frau (Hendrikje Balsmeyer , Anm. d. Red.) grundlegend verändert. Ich habe aber nie gesagt, dass ich aufhören würde, Musik zu machen. Man würde mich zu Hause wahrscheinlich auch nicht ertragen, wenn dies so wäre. Von der Musik kann ich nicht die Finger lassen; ich habe auch nichts anderes gelernt. Solange ich eine treue Fangemeinde habe, werde ich Einzelkonzerte geben, im vergangenen Jahr beispielsweise waren es zehn Auftritte, also erheblich weniger als zuvor. <BR /><BR /><b>Das Alpen Flair ist für harte Klänge und Mitgröhl-Hymnen bekannt.</b><b>Werden Sie Ihren Auftritt beim Alpen Flair „härter“ gestalten? Oder möchten Sie mit leisen Tönen einen bewussten Kontrapunkt setzen?</b> Maffay: Naja, in puncto Härte sind wir von Frei.Wild und einigen anderen Bands, die beim Festival auftreten, weit entfernt (mit „wir“ meint Maffay seine langjährige Band, Schlagzeuger Bertram Engel , Bassist Ken Taylor , Gitarrist Peter Keller , Keyboarder und Gitarrist Pascal Kravetz sowie – manchmal – auch Gitarrist Carl Carlton , Anm. d. Red.). Aber auch meine Band und ich spielen sehr laut, und wir spielen harte Rocksongs. Allerdings haben wir auch Balladen im Repertoire. Sie sind ein wichtiger und beim Publikum beliebter Bestandteil unserer Konzerte. <BR />Ich liebe diesen Wechsel ebenfalls. Darum werden wir beim Alpen Flair zweieinhalb Stunden – laut und leise – unser Bestes geben, vielleicht auch etwas länger, wir gucken sicherlich nicht auf die Uhr. Wir sind die Headliner des Freitagabends, und ich glaube, dass die Fans von uns ein vollwertiges Konzert erwarten. Wir spielen – wenn nötig – auch gegen den Regen an.<BR /><b><BR /> Gibt es einen Pflichtsong, den Sie in Südtirol immer spielen müssen?</b> Maffay: Ich nehme an, dass auch im Gebirge Brücken existieren, also werden wir sie besuchen (lacht).<BR /><BR /><b>Es gab in der Vergangenheit Bands wie die EAV, die ihre Teilnahme am Alpen Flair aufgrund der Nähe zu Frei.Wild abgesagt haben. Warum haben Sie sich aktiv für den entgegengesetzten Weg – den Dialog und die Teilnahme – entschieden?<BR /></b> Maffay: Ich gehe einen Weg, den viele andere Bands ebenfalls gehen – siehe das Line-up des Alpen Flairs. Auch diese Gruppen haben Fans in Südtirol, und sie spielen für diese Gemeinschaft. Und das tun wir auch. Natürlich gibt es Bands, die glauben, sie müssten sich von Frei.Wild distanzieren… Aber wir spielen nicht für Frei.Wild, wir spielen für unsere Fans. So viel zu Punkt eins. <BR />Punkt zwei: Ich glaube, dass man in der heutigen Zeit differenziert vorgehen sollte. Ich bin überzeugt, dass die Mehrheit der Menschen in Südtirol weltoffene, demokratische und antirassistische Werte vertritt, für die auch ich seit Jahren einstehe. Also warum sollten wir davon Abstand nehmen, für unser Südtiroler Publikum zu spielen? Weil es Frei.Wild gibt? Ich weiß, dass Philipp Burger (Sänger der Gruppe Frei.Wild, Anm. d. Red.) eine Vergangenheit hat, die Fragen aufgeworfen hat. Aber ich weiß auch, dass er sich von bestimmten Positionen – freiwillig – schon vor langer Zeit distanziert hat. Man muss jedem, der in seinem Leben eine solche maßgebliche Korrektur vornimmt und sich eindeutig positioniert, Respekt entgegenbringen und eine Chance geben.<BR /><BR /><b>Man kennt Sie als Naturmenschen. Werden Sie die Zeit rund um das Festival nutzen, um in den Südtiroler Bergen Kraft zu tanken, oder ist es ein reiner „Work-Trip“?</b><BR />Maffay: Es wird diesmal vorwiegend ein Arbeits-Trip. Vielleicht schaffe ich es, ein bisschen früher zu kommen, vielleicht einen Tag oder so. Für mehr wird es wahrscheinlich nicht reichen, weil wir anschließend Termine in München und Hamburg haben. Meine Familie und ich sind gelegentlich mit unserem kleinen Wohnmobil in Südtirol unterwegs – wir wohnen nämlich am Starnberger See, also nur wenige Autostunden entfernt. Ich bin gerne in Südtirol, weil mir Land und Leute gefallen. Zuletzt waren wir im Winter ein paar Tage dort. Das war traumhaft. Manchmal fahre ich auch mit ein paar Motorradkumpels durchs Land…