Im Gespräch gibt Pfarrer Oswald Kuenzer auch Einblicke über seine bevorstehende Pensionierung, den Wechsel nach Brixen, prägende Ereignisse und über sein Schaffen als Hobbygrafiker. von Florian Mair<BR /><BR /><b>Herr Pfarrer, freuen Sie sich auf Ihren Ruhestand<BR /></b>Oswald Kuenzer: Ja, obwohl auch Wehmut dabei ist, weil hier im Hinterpasseier nach 55 Jahren mein Seelsorgeleben zu Ende geht. Ich werde künftig im Priesterseminar in Brixen wohnen und in der Seelsorgeeinheit Brixen aushelfen. Aber das kann man nicht mit der Arbeit eines Pfarrers vergleichen. Hier endet für mich also das pulsierende Pfarrleben. In Moos, Rabenstein, Platt und Pfelders bin ich seit 14 Jahren Pfarrer, in Stuls seit 12: Fast mit jeder Familie bin ich in irgendeiner Weise verbunden, denn von der Geburt bis zum Tod braucht es immer wieder einen Pfarrer. <BR /><BR /><b>Man hört heraus, dass Sie gerne bleiben würden?</b><BR />Kuenzer: Es ist so: Mit 75 Jahren muss ein Pfarrer seinen Rücktritt einreichen. Bis er 80 Jahre alt ist, kann der Auftrag Jahr für Jahr verlängert werden. Dazu gibt es immer ein Gespräch, in dem es auch darum geht, wo man im Ruhestand hingehen möchte. Gegen alle Regeln wurde ich im Vorjahr dann nochmals gefragt, ob ich weitermachen will. Ich bin ja schon im vergangenen August 80 geworden. Nun ist es aber höchst an der Zeit, als Pfarrer abzutreten. Weil es anfangs nicht danach ausgeschaut hatte, dass für das Hinterpasseier ein Nachfolger gefunden wird, wäre ich bereit gewesen, noch einige Jahre hierzubleiben – solange es meine Gesundheit zugelassen hätte. Die rechtliche Verantwortung als Pfarrer hätte aber ein Mitbruder von auswärts übernehmen müssen. Jetzt kommt aber Pfarrer Florian Öttl, weshalb ich mich verabschieden werde. Ein Wechsel tut allen gut. Und weil ich noch nicht in ein Altersheim möchte, werde ich ins Priesterseminar ziehen. <BR /><BR /><b>An welche prägenden Ereignisse im Hinterpasseier erinnern Sie sich ganz spontan?</b><BR />Kuenzer: Die 300-Jahr-Feier der Pfarrei Platt im Jahr 2011 mit dem damals schon sichtlich erkrankten Bischof Karl Golser und die Bischofsvisitation vor fast 10 Jahren mit Ivo Muser sind mir in guter Erinnerung geblieben. Und mein goldenes Priesterjubiläum im Jahr 2018 und meinen 80. Geburtstag im Vorjahr habe ich mit meinen Hinterpasseirern gefeiert. Schöne Ereignisse sind aber auch Taufen, Erstkommunionen, Trauungen und Firmungen. Die strenge Lockdown-Zeit im Coronajahr 2020 mit 7 Begräbnissen im kleinsten Kreis, einmal sogar ohne Angehörige, war alles andere als leicht. Und keine Gottesdienste in der Karwoche und an Ostern zu feiern, war sonderbar. Ganz besonders freut mich, dass es im Hinterpasseier viele Menschen gibt, die mithelfen, dass Kirche lebendig bleibt. Schade ist natürlich, dass auch hier immer mehr Kirchenbänke leer bleiben. <BR /><BR /><b>Was sind die Hinterpasseirer für Sie persönlich? </b><BR />Kuenzer: Sie sind gutmütige Menschen – heimat- und naturverbunden, religiös, vielleicht etwas abergläubisch und zu Schwermut neigend. Sie haben eine raue Schale, aber einen weichen Kern. Ich vergleiche die Hinterpasseirer gerne mit den dort häufig vorkommenden Granaten: Sie sind wertvolle, aber noch rohe Edelsteine. Ein Schliff würde sie noch wertvoller, anziehender und feiner machen.<BR /><BR /><b>Sie sind dafür bekannt, dass Sie zur jungen und zur älteren Generation einen guten Draht haben. Wie lautet Ihr Rezept?</b><BR />Kuenzer: Dass ich als junger Priester als Präfekt ins Vinzentinum berufen wurde, ist mir sicher zugutegekommen. Und als Kooperator habe ich unterrichtet und den gesamten Außendienst in den Pfarreien, in denen ich tätig war, erledigt. Ich hatte also mit Gläubigen jeden Alters zu tun und pflegte gute Kontakte zur Jugend und zu den Ministranten. Als Pfarrer hatte ich auch immer das Glück, dass Laien die Pfarrverwaltung übernommen haben, sodass ich mich auf die Menschen konzentrieren konnte. Als Pfarrer habe ich noch nie eine Kirchenrechnung verfasst.<BR /><BR /><b>Ihre große Begeisterung gehört bekanntlich der Computerwelt und der Grafik...</b><BR />Kuenzer: Seit es Computer gibt, seit 1987/88, habe ich einen. Als ich 1989 als Pfarrer nach Stilfs gekommen bin, hatte ich schon einen PC im Gepäck. Damals gab es noch kein Windows. Und ich bin Hobbygrafiker. Gar einige Pfarrstempel und Grafiken für unsere Diözese sind mein Werk.