Kommunikationsfachmann Elmar Thaler stöbert gerne im Internet und ist dabei oft auf der Suche nach Zeugnissen seiner Familiengeschichte. „Als ich vor einigen Wochen auf eBay auf einen Brief stieß, der ‚An den Herrn Peter Pichler in Calditsch in Tirol (heute: Kalditsch bei Montan, Anm. d. Red.)‘ gerichtet war, wurde ich hellhörig. Ich vermutete, es könnte sich um meinen Urururgroßvater mütterlicherseits handeln. Also bot ich sofort mit und erhielt tatsächlich den Zuschlag. Verkäufer – wie sich später herausstellte – war ein Händler im Burgenland.“ <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1069830_image" /></div> <BR /><BR /><BR />Die Vorahnung sollte Elmar Thaler recht geben. „Ich halte nun tatsächlich einen Brief in der Hand, den mein ,Ururonkel' Johann am 5. März 1848 nach Hause – auf den Schiessnerhof in Montan – geschrieben hat“, erzählt der frühere Landeskommandant des Südtiroler Schützenbundes. „Johann, damals 26 Jahre alt, stand als Soldat im Dienste des Habsburgerkaisers und war in Inzago in der Lombardei stationiert.“<h3> Inmitten einer bewegten Zeit</h3><BR />Ein Blick in die Geschichtsbücher: Während der sogenannten Märzrevolution 1848 versuchten etliche Städte, darunter auch Mailand – seit dem Frieden von Rastatt 1714 formell den Habsburgern zugesprochen –, die österreichische Herrschaft abzuschütteln. In der Stadt kam es vom 18. bis zum 22. März 1848 zum sogenannten 5-Tage-Aufstand der Bevölkerung (italienisch: Cinque giornate di Milano), der den Ersten Unabhängigkeitskrieg Italiens einläutete. <BR /><BR />Bei dem Aufstand wurden Feldmarschall Josef Wenzel Radetzky und seine Truppen aus der Stadt vertrieben; 3 Monate später – im August 1848 – nahmen die kaiserlichen Truppen Mailand wieder ein. Zur Armee von Kaiser Ferdinand I. gehörte auch der junge Tiroler Johann Pichler.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1069833_image" /></div> <BR /><BR /> Im nun wiedergefundenen Brief an die Eltern Peter Pichler (ursprünglich vom Krebshof in Kalditsch) und Kreszenz Obkircher (gebürtig aus Gummer) finden sich die freundlichen Floskeln jener Zeit wieder, außerdem erkundigt sich Johann nach dem Befinden der Lieben zu Hause, bedankt sich bei den Eltern für das geschickte Geld und erzählt von seinem Soldatenleben. Auch die Route, die die Truppen nahmen, verrät er zum Teil.<BR /><BR /><BR /> „Zur Gänze habe ich den Brief noch nicht entschlüsselt, er kann also noch einige Überraschungen bergen“, erklärt Elmar Thaler. Wie und warum das Schreiben im Burgenland gelandet ist, ist ebenfalls unerklärlich – noch. „In den kommenden Tagen werde ich den Verkäufer kontaktieren und versuchen, Näheres zu erfahren. Außerdem hoffe ich, weitere interessante Schriftstücke bei ihm zu entdecken.“ <h3> Ein zufriedenes Leben in Kalditsch</h3>Übrigens: Johann hat den Krieg in der Lombardei überlebt, kehrte nach Kalditsch zurück, sah seine Eltern wieder (seine Mutter Kreszenzia starb am 15. Jänner 1865 und sein Vater Peter am 24. Februar 1868) und heiratete in Montan Theres Terleth. 1856 kaufte er als „weichender Erbe“ ein Häusl im Dorfzentrum von Montan, das später im Altersheim aufgegangen ist. Johann und Theres hatten insgesamt 5 Kinder. In den 1940er-Jahren verliert sich die Spur dieses Familienzweiges. „Wir vermuten, dass er ausgestorben ist“, sagt Thaler.