„Zu viel Leichtsinn, zu wenig Eigenverantwortung – das ist das Problem“, fasst Demetz seine Beobachtungen zusammen. <BR /><BR /><b>Herr Demetz, kurz nach Ihrem Amtsantritt sagten Sie in einem Interview sinngemäß: 70–80 Prozent der Skifahrer können nicht Ski fahren, sie schießen einfach die Piste hinunter, drehen ein wenig nach rechts und nach links … Und Sie erklärten weiter: Skifahren bedeutet „fahren“ und nicht „gefahren werden“. Können Sie diese Aussage näher erläutern?</b><BR />Robert Demetz: Es ist eine Tatsache, dass die meisten Skifahrer heutzutage nicht mehr imstande sind, bei der Geschwindigkeit, die sie an den Tag legen, ihre Skier zu beherrschen. Der Ski fährt also mit ihnen, nicht sie mit dem Ski. Sie sind im Verhältnis zu schnell und zu wenig kontrolliert unterwegs. Treffen sie unvermittelt auf andere Skifahrer, auf eine Eisplatte, einen kleinen Buckel oder geraten in steileres Gelände, kommt es zum Sturz und nicht selten zum Unfall. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974557_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><BR /><Fett>Und woran liegt’s?</Fett><BR />Demetz: Es gibt nicht nur eine einzige Ursache. Aber beginnen wir mit dem Material. Früher waren die Skier sehr lang, es bedurfte einer ausgeprägten Bewegung, um eine Kurve zu machen. Das musste man richtig lernen, um den Berg hinunterzukommen. Generell waren die Leute deshalb langsamer unterwegs. <BR />Heute sind die Skier hingegen kurz, lassen sich leicht drehen – und damit ändert sich die Fahrtechnik. Eine Kurve zu fahren, verlangt vergleichsweise nur noch wenig Körpereinsatz. Entsprechend sind die meisten nach einem Grundkurs imstande, blaue oder gar rote Pisten zu bewältigen – wie auch immer. Und leider tun sie das dann auch. <BR />Ein zweiter Punkt sind die Pistenverhältnisse, die zum schnellen Fahren animieren.<BR /><BR /><Fett>Sie meinen, dass die Pisten breiter und nahezu frei von Buckeln sind?</Fett><BR />Demetz: So ist es. Längst müssen sich die Skifahrer nicht mehr aufs Gelände einstellen, sondern das Gelände ist auf sie eingestellt. Das heißt, es gibt kaum Unebenheiten, die Pisten werden mit hohem Aufwand extrem gut präpariert. Und das ist auch notwendig, weil es ansonsten sofort Reklamationen gibt. <BR />Viele Skifahrer sind es einfach nicht gewohnt oder haben nie gelernt, auf der Buckelpiste, bei Neuschnee oder auf eisigem Untergrund zu fahren. Das kleinste Hindernis kann dann zur Gefahr werden, weil eben die Kontrolle über die Skier fehlt. Und noch schlimmer: Die Skifahrer werden selber zur Gefahr für andere.<BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974560_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><Fett>Spielt auch Selbstüberschätzung eine Rolle?</Fett><BR />Demetz: Auf jeden Fall. Im Unterschied zu anderen Sportarten wie dem Klettern oder dem Schwimmen muss man beim Skifahren die Technik nicht unbedingt beherrschen, um ans Ziel zu kommen. Genau das verführt zu einem riskanten Fahrstil. Das heißt nicht, dass alle Pistenrowdies sind. Nein, die meisten Skifahrer, die die Kontrolle über ihre Geräte verlieren und einen Unfall verursachen, fahren nicht mit Absicht zu schnell. Sie drehen vielleicht nur den Oberkörper falsch, sie geraten aus Angst vor dem steilen Gelände in Rückenlage, sie sind müde oder sie können’s einfach nicht – und dann passiert's. Natürlich gibt es auch Pistenrowdies …<BR /><BR /><Fett>… die bestraft werden müssten, was aber so gut wie nie passiert.</Fett><BR />Demetz: Die Ordnungshüter auf den Pisten können Personen, die gefährlich unterwegs sind, ohne Weiteres bestrafen. Das Problem ist, dass nur wenige Beamte im Einsatz sind und diese sich meistens schon mit Unfällen beschäftigen müssen. Es bleibt also offenbar zu wenig Zeit für Pistenkontrollen.<BR /><BR /><Fett>Ist Skifahren gefährlicher geworden?</Fett><BR />Demetz: Nicht das Skifahren ist gefährlicher geworden, sondern das Verhalten der Skifahrer, die ihr Gerät nicht beherrschen. Zu viel Leichtsinn, zu wenig Eigenverantwortung – das ist das Problem. Deshalb wird Skifahren zum Beispiel von manchen Senioren oder auch von Eltern kleiner Kinder als risikoreicher Sport empfunden– der es effektiv nicht ist. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="974563_image" /></div> <BR /><BR /><BR /><Fett>Die meisten Skifahrer müssten also besser Ski fahren lernen …</Fett><BR />Demetz: Sie müssten vor allem den Fahrstil ihrem Können anpassen. Doch es stimmt: Es wäre wünschenswert und würde der Sicherheit aller dienen, wenn mehr Leute besser Ski fahren könnten. Es geht dabei nicht um die Ästhetik, man muss nicht stilistisch perfekt sein. Aber wer in jeder Situation weiß, wie er sich verhalten muss, hat auch mehr Spaß. Skifahren ist zudem weniger kräfteraubend, wenn man es richtig beherrscht.<BR /><BR /><Fett>Ein Skikurs ist teuer, vor allem für Erwachsene</Fett>. <BR />Demetz: Es ist aber auch eine Investition in die Sicherheit und in die Gesundheit. Mein Vorschlag ist, sich einfach bei den Skischulen zu informieren. Auch für Erwachsene gibt es gute Gelegenheiten, wenn sie sich zum Beispiel einer Gruppe anschließen. Oder noch besser: Sie bilden mit Freunden eine Gruppe und nehmen sich den Winter über einmal wöchentlich für einige Stunden einen Skilehrer. Sie lernen etwas und haben obendrein auch Spaß. <BR />