Der frühere EU-Kommissionspräsident und Ex-Regierungschef Romano Prodi hat am Mittwoch als Zeuge in einem in Neapel laufenden Prozess gegen Ex-Premier Silvio Berlusconi ausgesagt. Der Medienunternehmer wird der Bestechung eines Ex-Senators beschuldigt.Die Staatsanwaltschaft wirft Berlusconi vor, dem Senator Sergio De Gregorio drei Millionen Euro für einen Wechsel in das damals oppositionelle Lager Berlusconis geboten zu haben, davon zwei Millionen Euro in bar.Berlusconi ist bereits wegen Steuerbetrugs rechtskräftig zu vier Jahren Haft verurteilt worden und wurde deswegen im November 2013 aus dem Senat ausgeschlossen.Gerüchte über StimmenkaufDie Parlamentswahlen 2006 hatte die Mitte-Links-Koalition unter Prodi, der auch De Gregorio angehörte, knapp gewonnen. Wenige Monate später schloss sich der Senator jedoch der Opposition Berlusconis an, was dazu beitrug, dass die Regierung Prodi 2008 ihre Mehrheit verlor.Aus den darauffolgenden Wahlen ging Berlusconi klar als Sieger hervor. „Es gab 2006 Gerüchte über einen möglichen Stimmenkauf, ich habe sie jedoch nicht ernst genommen“, berichtete Prodi vor Gericht.Er habe von dem vermeintlichen Stimmenkauf erst in einem Brief des Senators erfahren und sei „aus allen Wolken gefallen“. Wäre er früher darüber informiert gewesen, hätte er eingegriffen.„Südtiroler haben mir vertraut“Auf die Frage des Anwalts Ghedini, welche Haltung er gegenüber den sprachlichen Minderheiten in Südtirol eingenommen habe, erklärte Prodi:„Obwohl die Südtiroler mehrheitlich rechts von der Mitte stehen, haben sie mir immer vertraut. Und sie haben immer Politik für ihr Land gemacht. So ist Politik“.stol/apa