Dienstag, 28. März 2017

Prozess in Innsbruck wegen 20-fachen Mordes in Syrien vertagt

Der Prozess gegen einen 27-Jährigen wegen Mordes als terroristische Straftat ist am Dienstag am Landesgericht Innsbruck auf den 10. Mai vertagt worden. Der Angeklagte war, wie bereits während der ersten Verhandlung, zusammengebrochen. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, im Syrien-Krieg nach Kämpfen mindestens 20 verletzte und wehrlose Soldaten der gegnerischen Truppen erschossen zu haben.

Der Prozess gegen einen mutmaßlichen 20-fachen Mörder aus Syrien wurde am Innsbrucker Landesgericht erneut vertagt.
Der Prozess gegen einen mutmaßlichen 20-fachen Mörder aus Syrien wurde am Innsbrucker Landesgericht erneut vertagt.

Nach der Zeugenaussage eines Beamten des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, die den 27-Jährigen belastete, bezichtigte er den Polizisten der Lüge. Daraufhin begann der Angeklagte zu zittern und brach auf seinem Stuhl zusammen. Nachdem der alarmierte Notarzt den Saal wieder verlassen hatte, wurde die Verhandlung vertagt.

Mit Hungerstreik gedroht

Zuvor hatte der 27-Jährige jedoch noch vor dem Richtersenat und den Geschworenen angekündigt, in einen Hungerstreik treten zu wollen. „Ich werde ab heute nichts mehr essen“, hatte der Dolmetscher übersetzt.

Der Beschuldigte beteuerte auch am zweiten Prozesstag seine Unschuld. Zudem beschwerte er sich über Mängel bei seiner Einvernahme durch die Exekutive. „Ich wurde zu Beginn der Befragung nicht über meine Rechte aufgeklärt“, meinte der Beschuldigte. Auch sei ihm das Protokoll nicht übersetzt worden, bevor er es unterschrieben habe. Als er schließlich vor dem Haftrichter war, sei er überrascht gewesen, worum es gehe, weil er die Aussagen, wie sie im Protokoll festgehalten worden waren, so nie getätigt habe, verteidigte sich der 27-Jährige.

"Angeklagter hatte von Exekutionen erzählt"

Der Beamte des Verfassungsschutzes zeichnete jedoch ein gänzlich anderes Bild. Er meinte, dass der Angeklagte sehr wohl über seine Rechte belehrt worden sei, und auch das Protokoll sei ihm selbstverständlich, bevor der Beschuldigte es unterschrieb, noch einmal rückübersetzt worden. Der Angeklagte hätte bei der Vernehmung geschildert, wie seine Truppen bei Kämpfen vorgingen und dass sie Verletzte mit einem Kopf- und einem Brustschuss getötet hätten. „Er hat daraufhin erzählt, dass er selbst 20 bis 25 Personen auf diese Weise exekutiert habe“, fügte der Polizist hinzu.

Der 27-Jährige, der vor seiner Flucht in einem palästinensischen UN-Flüchtlingsquartier in Syrien gelebt hatte, hatte am ersten Verhandlungstag vor dem Geschworenengericht beteuert, niemanden getötet zu haben. Da er und seine beiden Brüder aber an Demonstrationen gegen das Regime teilnahmen, hätten sie als Oppositionelle gegolten und seien verfolgt worden. „Das Regime hat meine Brüder umgebracht. Ich hatte eine Waffe, um meine Familie und mich zu verteidigen“, so der 27-Jährige.

Lebenslange Haft droht

Der Beschuldigte soll als Mitglied einer Untergruppierung der „Freien Syrischen Armee“ gegen die Assad-Truppen gekämpft haben. Ihm droht laut Anklagebehörde bei Verurteilung bis zu lebenslange Haft.

apa

stol