Samstag, 16. Juli 2016

Putschversuch in Türkei gescheitert - 265 Tote

Die Zahl der Toten bei dem Putschversuch in der Türkei ist nach Regierungsangaben auf insgesamt 265 gestiegen. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten.

Mindestens 265 Menschen verloren in der Nacht auf Samstag ihr Leben.
Mindestens 265 Menschen verloren in der Nacht auf Samstag ihr Leben. - Foto: © APA/AFP

Hinzu kommen 104 getötete Putschisten, wie es am Samstag aus Regierungskreisen hieß. Yildirim sagte, 1140 Menschen seien verletzt und 2839 Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen worden. Die Festnahmen dauerten an.

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Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich nach einer chaotischen Nacht am Samstagmorgen in Istanbul aber siegesgewiss: „Die Türkei wird nicht vom Militär regiert“, sagte er und kündigte an, das Militär „vollständig zu säubern“. Ministerpräsident Binali Yildirim sagte, die Situation in dem NATO-Land sei weitgehend unter Kontrolle.

Kämpfe und Explosionen

Unter anderem in der Hauptstadt Ankara und in Istanbul hatte es Kämpfe und schwere Explosionen gegeben. Bei Luftangriffen der Putschisten auf das Parlament in Ankara wurde das Gebäude stark beschädigt. In den frühen Samstagmorgenstunden ergaben sich viele Soldaten dann, wie in einem Bericht des Nachrichtensenders CNN zu sehen ist.

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Einem Bericht des Senders CNN Türk zufolge gab es Gefechte zwischen Polizei und Militär. Die Armee habe die Polizeidirektion beschossen. Augenzeugen berichteten von Panzern in den Straßen der Hauptstadt. Yildirim hatte das Militär in der Nacht angewiesen, von den Putschisten gekaperte Flugzeuge abzuschießen.

Parlamentssondersitzung am Samstagnachmittag 

Der Ministerpräsident bestellte alle Parteien für Samstagnachmittag zu einer Sondersitzung ins Parlament ein. Sowohl Erdogans islamisch-konservative Partei AKP als auch die drei im Parlament vertretenen Oppositionsparteien – CHP, MHP und die kurdische HDP – hatten sich gegen den Putschversuch gestellt.

Die AKP hat seit 2002 jede Wahl in der Türkei gewonnen. Erdogan ist ein wichtiger, aber umstrittener Partner der Europäischen Union in der Flüchtlingskrise.

Weltweiter Aufruf zu Gewaltverzicht

Die Vereinten Nationen, die USA und die EU riefen zu Gewaltverzicht auf. Auch NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg forderte Zurückhaltung und Respekt vor den demokratischen Institutionen.

Ereignisse überschlugen sich

In der Nacht hatten sich die Ereignisse in dem Land mit der zweitgrößten NATO-Streitmacht überschlagen. Am späten Freitagabend begannen türkische Streitkräfte mit einem Putschversuch gegen Erdogan – nach eigenen Angaben, um unter anderem die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederherzustellen.

Die türkische Armee sieht sich als Wächterin der weltlichen Verfassung des Landes und hatte in den vergangenen Jahrzehnten wiederholt gegen die Zivilregierung geputscht.

Proteste auch in europäischen Städten

Zunächst hieß es in der Nacht, die Streitkräfte hätten die Macht in der Türkei übernommen. Das Präsidialamt bestritt das: Erdogan sei nicht abgesetzt. „Eine Gruppe innerhalb der Streitkräfte hat außerhalb der Kommandostruktur einen Versuch unternommen, die demokratisch gewählte Regierung zu stürzen.“

In zahlreichen europäischen Städten (im Bild: Wien) gingen Türken für Erdogan und gegen den Putsch auf die Straße. - Foto: APA

Erdogan rief das Volk zu öffentlichen Versammlungen gegen die Putschisten auf. Dem kamen viele Anhänger nach: Menschen strömten in Massen auf die Straße und schwenkten türkische Fahnen. Auch in Wien und anderen großen europäischen Städten gingen noch in der Nacht auf Samstag Tausende Erdogan-Anhänger auf die Straße

Erdogan: "Sie werden hohen Preis für den Verrat zahlen"

Der Präsident machte die Bewegung eines einstigen Verbündeten, des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen, für den Putschversuch verantwortlich. „Sie werden einen sehr hohen Preis für diesen Verrat zahlen“, sagte Erdogan Samstag früh am Atatürk-Flughafen in Istanbul. Erdogan und Gülen, der in der Türkei inzwischen als Terrorist gilt, hatten sich 2013 überworfen. Gülen verurteilte den Putschversuch allerdings selbst scharf.

apa/dpa/afp/reuters

stol