Mittwoch, 15. Februar 2017

Raggis Stadtregierung bröckelt in Rom weiter

Roms umstrittene Bürgermeisterin Virginia Raggi muss einen weiteren Rückschlag hinnehmen.

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi steht weiter unter Beschuss.
Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi steht weiter unter Beschuss. - Foto: © LaPresse

Der für Stadtplanung zuständige Spitzenbeamte Paolo Berdini, der Raggi in der vergangenen Woche „Inkompetenz“ vorgeworfen hatte, ist am Dienstagabend zurückgetreten.

Seine Entscheidung sei unwiderruflich, betonte der parteiunabhängige Experte in einer Pressemitteilung.

Fußballstadion als Zankapfel

Berdini kritisierte Raggis Entscheidung, mit dem Fußball-Klub AS Rom für den Bau eines privaten Fußballstadions im Süden Roms zu verhandeln. Raggi wollte Transparenz und Legalität in Roms Stadtplanung einbringen, doch sie verteidige die Interessen privater Gruppen, die der Stadt viel Schaden zugefügt hätten, kritisierte Berdini.

Die Beziehungen zwischen Berdini und der populistischen Bürgermeisterin waren seit Tagen gespannt. Im Gespräch mit einem Journalisten hatte er gesagt, dass die 38-jährige Raggi „strukturell inkompetent“ sei, was nicht mit ihrem jungen Alter zusammenhänge. Außerdem sei sie von einer „Bande“ aus Kollegen der populistischen Cinque-Stelle-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo umringt, die sie schlecht berate.

„Lassen uns nicht beeindrucken“

„Raggi hat einen Fehler nach dem anderen gemacht“, zitierte die Tageszeitung „La Stampa“ Berdini, der als parteiunabhängiger Experte in die Stadtregierung gekommen war. Die Lage in Rom sei „explosiv“, die Stadt warte auf konkrete Antworten auf ihre chronischen Probleme, die Raggi nicht geben könne.

Mit Berdinis Rücktritt wurde bereits seit Tagen gerechnet. Raggi reagierte gelassen auf die Demission. „Berdini nährt Polemik statt für die Stadt zu arbeiten. Wir lassen uns nicht beeindrucken und machen weiter“, kommentierte die Cinque-Stelle-Politikerin.

Seit ihrem Amtsantritt im Juni als erste Frau an der Spitze Roms, hat Raggi wegen Skandalen und parteiinternen Konflikten bereits mehrere enge Mitarbeiter verloren.

stol