Neuwahlen wollen weder Lega noch Movimento 5 Stelle. „Wir müssen so schnell wie möglich eine Einigung finden, ansonsten kommt es zu Neuwahlen“, sagte Movimento 5 Stelle-Chef Luigi Di Maio am Freitagabend. Er zeigte sich optimistisch, dass die Verhandlungen zu einem positiven Ergebnis führen. Aus beiden Parteien verlautete es ebenfalls am Freitagabend, es seien Fortschritte hinsichtlich der Regierungszusammensetzung und der Nominierung des Ministerpräsidenten erzielt worden.Vincenzo Spadafora, ein Vertrauter Di Maios, versicherte, dass man sich bald auf einen Regierungschef verständigen werde. Dies könnte auch ein unabhängiger Kandidat sein, sagte Spadafora. Mattarella hatte den beiden euroskeptischen Parteien noch einmal Aufschub bis Montag gewährt, um in ihren Sondierungen zu einem Ergebnis zu gelangen.Mehr Migranten sollen abgeschoben werdenEinige Schwerpunkte des Regierungsprogramms wurden von Lega-Chef Matteo Salvini bereits bekanntgegeben. „Wir wollen die Pensionsreform abschaffen, den Steuerdruck und die Bürokratie reduzieren und die Beschäftigung ankurbeln. Wir werden auch Verschwendungen und Privilegien unterbinden und die Autonomie lokaler Gemeinschaften fördern. Wir arbeiten in diese Richtung“, erklärte Salvini. Außerdem soll dafür gesorgt werden, dass weniger Migranten in Italien ankommen und mehr abgeschoben werden.Die Verhandlungen für das Regierungsprogramm führt auf Lega-Seite Salvinis „rechte Hand“ Giancarlo Giorgetti. Dieser wird als möglicher Regierungschef oder als Minister im Kabinett gehandelt. Die Lega will auch einem Spitzenvertreter der Rechtspartei „Brüder Italiens“ einen Ministerposten geben, um sich deren Unterstützung zu sichern.„Eine rebellische Sekte von Nichtstuern“Berlusconi beobachtet die Regierungsgespräche mit besonderer Skepsis. Vertraute des Medienmoguls dementierten jedoch Medienberichte, laut denen Berlusconi sich offen für ein Scheitern der Verhandlungen ausgesprochen hatte. Berlusconi hatte erst nach langen Überlegungen diese Woche beschlossen, sich nicht mehr gegen Verhandlungen zwischen der verbündeten Lega und Movimento 5 Stelle zu wehren.Mit verbalen Attacken gegen die populistischen Fünf-Sterne um den Starkomiker Beppe Grillo sparte er zuletzt nicht. Mehrmals bezeichnete er sie als „Partei von Arbeitslosen und Nichtstuern“, im Wahlkampf nannte er sie „Sekte“. Die Partei sei „populistisch und rebellisch“ und „gefährlicher als die Kommunisten“, warnte der 81-Jährige.apa