<b>von Karl Tschurtschenthaler</b><BR /><BR />Milchkälber, Kalbinnen, Jungvieh, Kühe, Stiere, Ochsen: Etwa 250 Tiere wurden gestern in der bis auf den letzten Stehplatz gefüllten Markthalle von St. Lorenzen versteigert. Die Stars der Versteigerung waren einmal mehr die Gsieser Almochsen. Sie erzielten heuer nicht nur wie üblich die besten Preise des Tages, sondern Rekordwerte. Etliche der 21 Ochsen wurden mit Preisen von über 6 Euro je Kilo Lebendgewicht ersteigert, teilweise sogar von mehr als 7 Euro.<BR /><BR />König des Tages war der Ochse Max aus dem Stall von Andreas Untersteiner. Der 27 Monate alte Prachtbursche, ein Fleckvieh mit 672 Kilogramm Gewicht, des Stegerhofbauern aus St. Martin in Gsies konnte den Wahnsinnspreis von 10 Euro je Kilo erzielen. Das hat es selbst bei den preisverwöhnten Mitgliedern des Vereins der Gsieser Almochsenzüchter noch nie gegeben, denn es ist der mit Abstand höchste Preis, der je für einen Almochsen bezahlt wurde.<BR /><BR />Wie es zu dem Rekordpreis gekommen war, konnte Untersteiner im Nachhinein nicht sagen. Den Zuschlag hatte sich Hannes Mair von der Metzgerei Mair in Terlan gesichert. Mair kaufte übrigens 4 weitere Gsieser Almochsen, auch sie alle zu guten Preisen.<BR /><BR />Andreas Untersteiner jedenfalls freute sich sehr über den stolzen Preis für seinen Max. Schon im Vorjahr hatte er den Tageshöchstpreis erzielen können – und auch dieser Ochse hieß Max. Gut möglich, dass der Name Max auf manchen Käufer eine geradezu magische Wirkung hat. Erstanden hatte den vorjährigen Max übrigens ebenso Hannes Mair aus Terlan. Im Gespräch mit uns verriet er augenzwinkernd den Grund für seinen Kauf damals wie heute: sein Sohn Max. „Ich habe sicher eine bestimmte Sympathie für diesen Namen.“<BR /><BR />Dem Gsieser Bauern kann das nur recht sein, denn einer seiner nächsten Almochsen werde gewiss wieder Max heißen.<BR /><BR />Der 30-Jährige hat 2021 den Stegerhof von seinem Onkel übernommen. Dieser war kinderlos geblieben – und so wurde er zum Hoferben. „Ich habe von klein auf am Hof mitgeholfen“, erzählt er. Zunächst habe er aber eine Maurerlehre gemacht. 2018 besuchte er dann die Junglandwirtschaftsausbildung in Dietenheim, und 3 Jahre später übernahm er den Hof. Etwa 30 Stück Vieh stehen in seinem Stall, je zur Hälfte Fleckvieh und Schwarzbunte (Rasse Holstein). 17 Tiere sind Melkkühe, die anderen Jungrinder. Und 2 Ochsen seien natürlich auch da. Aber nur vom Herbst bis zum Frühjahr. Denn die Sommer verbringen die Ochsen auf der Schäferalm. „Zweimal müssen die Tiere almen, damit sie Anrecht auf das Qualitätssiegel Gsieser Almochsen haben“, erklärt Alex Huber, der Obmann des Vereins Gsieser Almochsenzüchter.<BR /><BR />In die Freude mischte sich bei Andreas Untersteiner aber auch etwas Wehmut. Denn sein Ochse trat wie viele andere Tiere auch nach der Versteigerung den Weg in den Schlachthof von Bozen an. „Es tut mir im Herzen weh, Abschied nehmen zu müssen“, sagte er. „Aber das gehört eben dazu.“