Der 39-Jährige gilt nach dem Rücktritt seines Parteifreunds Enrico Letta am Freitag als Favorit für das Amt des Ministerpräsidenten. Es wird daher erwartet, dass Napolitano ihm den Auftrag zur Bildung einer neuen Regierung erteilt.Am Sonntag traf der Staatspräsident überraschend noch keine Entscheidung. Zuvor hatte er sich am Freitag und Samstag mit Vertretern aller wichtigen Parteien getroffen, um über die Regierungsbildung zu reden. Die Lega Nord und die "5-stelle"-Bewegung (M5S) hatten die Gespräche aus Protest gegen das außerparlamentarische Ende der Regierung boykottiert.Renzi, bisher Bürgermeister von Florenz, kann voraussichtlich mit der selben Koalition regieren wie Letta, den er in einem innerparteilichen Machtkampf zum Rücktritt bewegt hatte. Nach seinem Treffen mit Napolitano dürfte er mit der formalen Suche nach einer Mehrheit im Parlament beginnen, noch in dieser Woche sein neues Kabinett präsentieren und sich danach den Vertrauensabstimmungen in den beiden Parlamentskammern stellen. Er wäre der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte Italiens.Renzi bastelte Medienberichten zufolge schon an seinem neuen Kabinett, traf sich am Wochenende mit einigen Kandidaten. Spekuliert wird unter anderem über eine Beteiligung von Ferrari-Chef Luca di Montezemolo. Dabei sollen sich den Berichten zufolge für Renzi erste Schwierigkeiten auf dem Weg zur Macht aufgetan haben – so verliefen die Gespräche nicht alle nach seinen Wünschen, wie es heißt.Der potenzielle Koalitionspartner, die Mitte-Rechts-Partei Ncd, will die neue Regierung mit Renzi nicht ohne vorherige Verhandlungen über Inhalte eingehen. „Man kann nicht in 48 Stunden eine Regierung auf die Beine stellen, ich will mit Renzi das Programm diskutieren“, sagte Parteichef Angelino Alfano. „Italien braucht und verdient große Dinge. Wir sind bereit für diese großen Dinge“, fügte er hinzu.dpa