Samstag, 08. August 2015

Renzi hat große Pläne mit Italiens Wirtschaft

Steuersenkung, ein Marshall-Plan für den Süden und ein umfangreiches Investitionspaket im Infrastrukturbereich: Premier Matteo Renzi bewegt sich vor der Sommerpause auf verschiedenen Fronten, um das Wirtschaftswachstum stärker in Gang zu bringen und die Beschäftigung in seinem Land anzukurbeln.

Foto: © LaPresse

Um die Wettbewerbsfähigkeit Italiens gegenüber den EU-Partnern zu steigern, will die Regierung vor allem auf groß angelegte Investitionen im Infrastrukturbereich setzen.

Sieben Milliarden Euro will der Staat in den Ausbau des Breitbandnetzes investieren. Weitere fünf Milliarden Euro sollen von Privatunternehmen in den Ausbau fließen.

Schon ab dem Herbst wird der Staat 2,2 Milliarden Euro für Infrastrukturarbeiten im Bereich Breitbandtechnologie lockermachen. „In drei Jahren werden wir europaweit in diesem Sektor führend sein“, versicherte Renzi.

Mindestens 100 Megabit pro Sekunde bis 2020

Bis 2020 soll die Hälfte der an das Telekomnetz angeschlossenen italienischen Haushalte mit einer Geschwindigkeit von mindestens 100 Megabit pro Sekunde im Internet surfen können.

Mit Anreizen wie Steuerbegünstigungen sowie einer wesentlichen Vereinfachung der Bürokratie sollen Unternehmen für dieses Vorhaben gewonnen werden.

Vorgesehen sind außerdem Gutscheine für Kunden, die sich für die Umschaltung auf optische Faser entschließen. Die Regierung plant aktuell eine Ausschreibung für das neue digitale Netz.

An Interessenten fehlt es nicht. Zu ihnen zählen Telecom Italia sowie die britische Vodafone.

Italien muss mehr als andere EU-Länder die digitale Kluft gegenüber den EU-Partnern überbrücken.

„Marshall-Plan für den Süden“

Renzi hat hinzu einen „Marshall-Plan für den Süden“ angekündigt. Damit sollen große Infrastrukturprojekte finanziert werden, die die Wirtschaft in den süditalienischen Regionen wieder in Schwung bringen, die noch stärker als der Rest des Landes die Krise zu spüren bekommen hat und von einer schweren Arbeitslosigkeit belastet ist.

Auch mithilfe regionaler EU-Fördergelder sollen 30 Milliarden Euro in die Modernisierung des Infrastrukturnetzes fließen. Unter anderem soll die Bahn-Hochgeschwindigkeitslinie von Neapel bis nach Sizilien verlängert werden.

Zwischen 2008 und 2014 ist die Beschäftigung in den sechs süditalienischen Regionen laut einem Bericht des lokalen Wirtschaftsforschungsinstituts um neun Prozent zurückgegangen, sechs Mal so stark wie im Rest des Landes.

Die Wirtschaft in den süditalienischen Regionen ist zwischen 2000 und 2014 nur um 13 Prozent gewachsen, das ist rund halb so viel wie in Griechenland, dessen Wirtschaft im selben Zeitraum um 24 Prozent gewachsen ist, geht aus dem Bericht hervor.

Das Institut warnt vor der Gefahr einer „permanenten Unterentwicklung und industriellen Desertifikation“ im Süden.

Vorbeugung von Katastrophen

Prioritär sind für die Regierung Renzi auch Projekte zur Vorbeugung von Erdrutschen und Überschwemmungen in den italienischen Städten, von denen auch die von sieben Jahren Krise stark geschwächte Bauwirtschaft profitieren soll.

1,3 Milliarden Euro will die Regierung dafür lockermachen. 

Mit dem Plan sollen 132 Projekte finanziert werden.

Der größte Anteil der Gelder – circa 323,5 Millionen Euro – soll nach Genua fließen, da die ligurische Hauptstadt in den vergangenen Jahren immer wieder von tödlichen Erdrutschen und Überschwemmungen heimgesucht wurde.

Priorität hätten Infrastrukturprojekte zur Stabilisierung des Bodens und Hochwasserschutz an Flüssen und Kanälen, sagte Umweltminister Gian Luca Galletti.

Seit zu langer Zeit fehle eine echte Raumplanung.

apa/stol

stol