Sonntag, 09. Oktober 2016

Republikaner in der Krise - TV-Duell in der Nacht

Nur zähneknirschend stellten sich viele führende Republikaner hinter Donald Trump. Nach dessen frauenverachtenden Bemerkungen bröckelt die Harmoniefassade stärker denn je. Und das kurz kurz vor dem zweiten TV-Duell Trumps mit der Demokratin Hillary Clinton.

Donald Trump
Donald Trump - Foto: © APA

Neue Revolte bei den Republikanern: Nach der Veröffentlichung eines Skandalvideos bröckelt Donald Trump der Rückhalt in den eigenen Reihen weg.

Etliche Parteifreunde zogen ihre Unterstützung für den Präsidentschaftskandidaten zurück – knapp vier Wochen vor der Wahl und kurz vor dem möglicherweise vorentscheidenden zweiten Fernsehduell mit der Demokratin Hillary Clinton.

Manche forderten Trump sogar zum Rückzug aus dem Rennen auf, was der 70-Jährige strikt ablehnte.

Trump ging damit unter enormem Druck in den eineinhalbstündigen Showdown am Sonntagabend (Montag 3 Uhr MESZ) in St. Louis.

Analysten sagten eine weitere Absetzbewegung in der Partei für den Fall voraus, dass Trump erneut schlecht abschneiden sollte.

Die erste Fernsehdebatte mit Clinton Ende September hatte er klar verloren. Die Ex-Außenministerin legte danach in Umfragen zu. Durchschnittlich lag sie am Sonntag US-weit mit 4,6 Prozentpunkten vor ihrem Gegner.

Das Video, das die „Washington Post“ am Freitag veröffentlichte, stammt aus dem Jahr 2005. Trump äußert sich darin vulgär über Frauen und brüstet sich mit sexuellen Übergriffen.

Die Veröffentlichung schlug so hohe Wellen, dass sich der Republikaner mitten in der Nacht zum Samstag zu einer öffentlichen Entschuldigung gezwungen sah.

US-Medien sprachen von einer „Bombenexplosion“ im Wahlkampf, von der sich Trump möglicherweise nicht mehr erholen könne.

Kritik kam sogar von Trumps Vizekandidat Mike Pence: Als Ehemann und Vater habe er sich persönlich beleidigt gefühlt, hieß es in einer schriftlichen Erklärung des konservativen Politikers.

Zumindest offiziell hat Trump noch die Unterstützung von Paul Ryan und Parteichef Reince Priebus, auch wenn beide sich über die Äußerungen in dem Video entsetzt zeigten.

Nach der Veröffentlichung der Aufnahmen sagte Ryan, als Vorsitzender des Repräsentantenhauses derzeit der mächtigste Republikaner, einen Auftritt mit Trump ab.

dpa

stol