<b>Von Doris Ebner</b><BR /><BR />Man kann im Leben nicht alles haben. Den allermeisten von uns wurde diese Wahrheit wohl schon als Kind immer wieder eingetrichtert. Zurecht, denn sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext gilt es laufend, Entscheidungen zu treffen. Während wir für eine Richtung optieren, lassen wir eine andere Möglichkeit mit all ihren Vor- und Nachteilen zurück. <BR /><BR />Im Grunde genommen vollkommen logisch und machbar. Wenn nur der Prozess nicht wäre, der dem Moment der Wahl vorausgeht. Dieser geht nämlich nicht selten an die Substanz – vor allem dann, wenn wir das Gefühl haben, zerrissen zu werden und uns so oder so nicht für etwas, sondern gegen uns selbst entscheiden zu müssen. <BR /><BR />Grund dafür ist meist ein innerer Konflikt zwischen zwei Werten, die uns gleichermaßen wichtig sind, in diesem konkreten Fall aber nicht gemeinsam gelebt werden können. <BR /><BR />So ist es beispielsweise durchaus möglich, dass ein und derselbe Mensch sowohl Sicherheit braucht als auch nach Wachstum strebt. Was passiert nun aber, wenn genau dieser ein Jobangebot erhält, das zwar Weiterentwicklung verspricht, gleichzeitig aber voraussetzt, dass das gewohnte Umfeld von heute auf morgen zurückgelassen wird? <BR /><BR />Eine andere Person hingegen hat sich vielleicht geschworen, den eigenen Bedürfnissen oberste Priorität einzuräumen und jegliche Entscheidung in erster Linie darauf auszurichten. Plötzlich jedoch kommt sie an einen Punkt, an dem es nötig wird, andere dafür vor den Kopf zu stoßen. Und schon wird tief im Inneren der kleine Harmonie-Monk plötzlich ganz laut. <h3> Gut gemeint und schlecht getroffen</h3>Das Interessante daran: Von außen betrachtet wirken derartige Grenzsituationen oft völlig logisch lösbar. Für das bekannte Problem kommt eigentlich nur eine einzige Lösung infrage, sodass es Familienmitglieder, Freunde und Bekannte oft schon als ihre Pflicht ansehen, uns auf den richtigen Weg zu führen. <BR /><BR />Was diese allerdings weder sehen noch verstehen können, ist der Kampf, der weit unterhalb der Oberfläche ausgetragen wird und aus unserer Betroffenen-Perspektive mehr als legitim erscheint. <BR /><BR />Während objektive Argumente gegeneinander abgewogen werden können, lassen sich Werte nämlich nicht behandeln wie Zahlen in einer Kalkulation. Sie bilden gewissermaßen den Boden, auf dem wir stehen, und dürfen gerade deshalb nicht so einfach ins Wanken geraten. <BR /><BR />Um passend wählen zu können, braucht es deshalb vor allem Klarheit – über die eigenen Kräfte und Ressourcen, die aktuellen Lebensumstände und Prioritäten und das, was auf dem Spiel steht. Denn auch wenn es manchmal nur schwer nachvollziehbar erscheint, sind genau das die Faktoren, die am Ende den Ausschlag geben. Nichts ist prinzipiell richtig oder falsch und erst recht nicht sind Werte in Stein gemeißelt.<BR /><BR /> Was heute vernünftig und stimmig erscheint, kann zu einem späteren Zeitpunkt möglicherweise nicht mehr passen, weil andere Dinge in der Zwischenzeit in den Fokus gerückt sind. Und genau deshalb dürfen Entscheidungen auch wieder revidiert werden. Oft ist es gerade diese Gewissheit, die das Ganze grundlegend erleichtert. <h3> Zur Person</h3><div class="img-embed"><embed id="1172901_image" /></div> <BR />Doris Ebner ist diplomierte Neuromentaltrainerin. Im Rahmen ihrer Ausbildung hat sie ihre Faszination für die Gehirnforschung und die Kraft der Gedanken entdeckt und erfahren, welche Möglichkeiten darin verborgen liegen. Ihre besondere Begeisterung gilt dem Bereich der Persönlichkeitsentwicklung, weshalb sie mit Leidenschaft ihr Wissen an andere Menschen weitergibt und sie auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben unterstützt. Zudem hat Doris Ebner Germanistik und Musik studiert und arbeitet als Redakteurin.