Sonntag, 20. März 2022

Roadtrip: Junge Mutter aus Südtirol führt Leben auf Rädern in Australien

Ingrid Kreiter ist in Perdonig geboren, hat in Salzburg studiert und lebt seit mehreren Jahren in Australien. Vor wenigen Wochen haben sie und ihr Freund eine fixe Anstellung gegen ihren Traum eingetauscht: Einen Roadtrip durch Australien. In ihrem Blog hält sie die schönsten Momente der Reise fest. Er liest sich wie ein Märchen, das bereits mit einem Happy End beginnt. Im Interview erzählt Kreiter, wie sie das Leben auf Rädern verändert hat.

Ingrid Kreiter (im Bild mit ihrem Sohn) hat ihre Arbeit aufgegeben, um Australien im Van zu bereisen. - Foto: © Ingrid Kreiter

Von:
Matteo Tomada
„Ich sitze in der Sonne und genieße die Ruhe“, sagt Ingrid Kreiter am Telefon. An ihrer Stimme merkt man sofort, dass man mit einem fröhlichen Menschen spricht. „Ich sitze vor meinem Van, in einem Campingplatz vor Perth. Es ist 17.30 Uhr, gefühlt ist es aber schon 20 Uhr, weil wir von Südaustralien nach Westen gefahren sind und dabei eine Zeitzone übersprungen haben“, erzählt Ingrid lachend.

Seit 7 Jahren lebt die Südtirolerin, mit einer kurzen Unterbrechung, nun schon in Australien. Ende Jänner hat sie mit ihrem österreichischen Partner alle Zelte abgebrochen: Sie haben ihre Jobs gekündigt, die Wohnung aufgegeben, den gemeinsam 2-jährigen Sohn aus dem Kindergarten genommen und sich mit einem kleinen Campervan, einem VW-Bus, auf den Weg gemacht. Bereits davor hatten sie und ihr Partner mehrere Teile Australiens mit ihrem Van bereist, doch mussten sie danach immer zurück auf die Arbeit. Das wollten sie ändern und genießen jetzt die volle Freiheit, ohne Pflichten und Termine.

Die ersten 7000 Kilometer ihrer Reise hat die Familie nun hinter sich gebracht. Sie sind die ganze Südküste entlanggefahren, von Sydney über Melbourne nach Adelaide, bis nach Perth. In den nächsten Wochen werden sie die Westküste entlangreisen.

Ingird Kreiter ist außerdem seit wenigen Wochen australische Staatsbürgerin. Ihre Reiseerlebnisse hält sie in ihrem Blog fest.

In einem Van reist Ingrid Kreiter mit ihrer Familie durch Australien. - Foto: © privat



STOL: Frau Kreiter, Was ist das Beste am „Van Life“?

Ingrid Kreiter: Die Freiheit und das einfache Leben! Man hat keine Termine und keine Zwänge. Man kann einfach das machen, was einem Spaß macht. Auch die Zeit des Zusammenseins mit der Familie ist schön, auch wenn es manchmal Reibereinen gibt. Das gibt Gelegenheit sich kennenzulernen. Außerdem ist die Natur in Australien unbeschreiblich schön. Es ist ein Privileg unserem Sohn die wunderschöne Welt zu zeigen. Das ist ein riesiges Glück.

STOL: Wie schwierig war der Schritt, die Arbeit zu kündigen und ein neues Leben zu beginnen?

Kreiter: Wir haben schon ganz lang darüber nachgedacht. Es war aber ein großer Schritt, da wir ein Kind haben und man dadurch bedachter auf Sicherheit ist. Die Frage war immer, wie wird es unserm Kind gefallen? Freunde sind ja für Kinder sehr wichtig. Es hat Mut gebraucht, aber Corona hat uns den notwendigen Kick gegeben.

Bei der Ankunft in Australien war es für Ingird Kreiter Liebe auf den ersten Blick. - Foto: © privat



STOL: Wie haben Sie die Corona-Pandemie in Australien erlebt?

Kreiter: Wir waren 2 Jahre in Australien eingesperrt. Klingt hart, war aber wie ein goldener Käfig: Es war nicht wirklich schlimm, aber wir konnten das Land nicht verlassen und niemand durfte einreisen. Deshalb konnten wir in den vergangen beiden Jahre unsere Familien nicht sehen. Mit einem Neugeborenen ist das nicht leicht. Das war auch der Ansporn, unser Leben umzukrempeln: Wir wollen das beste aus unserem Leben machen und nicht nur in ein Büro gehen und ein routiniertes Leben führen.

STOL: Wie finanziert man sich ein Leben auf Reisen?

Kreiter: Wir haben fleißig gespart, denn zur Zeit haben wir keine Einnahmequelle. Vorher haben wir hart gearbeitet und hatten gute Jobs, haben uns aber auch nie ein Haus gekauft und hatten bisher nur 2 Autos. Wir sparen für das was uns wichtig ist. Meinem Partner wurde zwar die Arbeit im Homeoffice angeboten, doch wollten wir nicht den ständigen Druck mit auf unsere Reise nehmen.

Besonders die Natur in Australien habe es ihr angetan, erklärt Kreiter. - Foto: © privat



STOL: Posten Sie Fotos Ihrer Reise in den sozialen Netzwerken?

Kreiter: Wir haben einen Instagram-Account, er ist aber sehr klein und war für unsere Freunde und Familien angedacht. Dazu ist ein Blog gekommen. Der war vor allem für die Großeltern meines Partners gedacht, die recht alt sind und nicht in den sozialen Netzwerken unterwegs sind, aber trotzdem gerne lesen, was wir machen. Ich habe Journalismus studiert, deshalb schreibe ich sehr gerne und habe das als Gelegenheit genutzt, um wieder mehr zu schreiben.

STOL: Wieso genau Australien?

Kreiter: Wir sind nach unserem Studium 2009 nach Australien gefahren und haben dort eine 5-monatige Backpackerreise gemacht. Mein Freund hatte damals in Australien ein wenig Englisch studiert. Australien hatte mich eigentlich nie gereizt, aber mein Freund war überzeugt. Als wir ankamen, war es Liebe auf den ersten Blick. Da haben wir entschieden, wir wollen als Erwachsene hier leben. Wenn einem die Natur und die Weite gefällt, ist Australien der absolute Hammer. Die Einwohner sind extrem freundlich und die Natur ist intakt. Man sieht in der Stadt mehr Vögel als in Südtirol im Wald. Wer hingegen Geschichte und Kultur sucht, sollte nicht nach Australien kommen.

Mit ihrer Familie hat Ingrid Kreiter den Job gegen ein Leben auf Rädern getauscht. - Foto: © privat



STOL: Viele Menschen wünschen sich so ein freies Leben, die meisten trauen sich nicht, den Schritt zu wagen. Was würden Sie diesen Menschen raten?

Kreiter: Man muss realistisch sein, das Leben auf Rädern ist nicht für jedermann. Es klingt zwar super, aber ich glaube vielen Menschen ist es wichtig, Routine und Sicherheit in ihrem Leben zu haben. Viele trauen sich nicht den Schritt zu gehen, weil es für sie wirklich nicht das richtige Leben wäre. Allen die wirklich so ein Leben führen wollen, rate ich aber: raus aus der Komfortzone! Ich fühle mich in der Komfortzone nicht gefordert und merke, dass ich da auch nicht mein Bestes gebe. Es braucht viel Mut diesen Schritt zu machen, aber wenn es nicht klappt, kann man ja wieder zurück. Man bereut im Leben viel mehr die Dinge, die man nicht gemacht hat, als die, die man gemacht hat.

STOL: Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Kreiter: Es kommt ein weiterer schwieriger Schritt auf uns zu. Wir wissen noch nicht, wo wir landen, aber wir finden es nicht fair, dass unser Kind ohne Großeltern aufwachsen muss. Deswegen wollen wir zurückziehen, aber vielleicht nicht nach Südtirol, da mein Freund Österreicher ist und kein Italienisch kann.

Das Leben auf Rädern ist nicht für jedermann. - Foto: © privat



STOL: Hat Sie das Leben auf Rädern verändert?

Kreiter: Ich glaube schon. Ich bin dankbarer geworden: dankbar, dass ich gesund bin, dankbar, dass ich das alles erleben kann. Dankbarkeit spürt man viel mehr, wenn man unterwegs ist.

In ihrem Blog JETZ WOLL! erzählt Ingrid Kreiter von ihrer Reise.

Hier lesen sie ihren ersten Beitrag.

Unsere australischen Abenteuer: Mit Kind und Campervan quer durch den roten Kontinent.

„Jetz woll!“ sagt man in Südtirol, wenn etwas voran geht, und passenderweise ist das der neue Lieblingsausdruck von Jakob. Wir haben unsere Jobs und den Kindergarten gekündigt, unsere Mietwohnung aufgegeben und unser Leben in Sydney auf Eis gelegt.

Vor uns liegt das, was in Australien als “gap year“ oder “the big lap“ bezeichnet wird: Eine ausgedehnte Reise durch unsere Wahlheimat. So viel haben wir hier schon gesehen und trotzdem gibt es noch immer Neues zu entdecken.

Diesmal stehen die unberührten Buchten und Küsten Südaustraliens auf dem Programm und anschließend die abenteuerliche Fahrt entlang der Westküste nach Darwin. Mit Kleinkind um den halben Kontinent - das ist ein Abenteuer ganz nach unserem Geschmack!

teo

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