<b>Von Edith Runer</b><BR /><BR />Am 27. September 1825 fuhr der erste Personenzug der Welt, angetrieben von der Dampflok „Locomotion“, auf der Strecke zwischen Stockton und Darlington in Großbritannien. 200 Jahre später wird das Eisenbahnjubiläum in aller Welt gefeiert. <BR /><BR />Auch in Südtirol, wo Roger Hopfinger seit 22 Jahren als Regionaldirektor der Trenitalia zu den führenden Kräften im Eisenbahnsektor zählt. Wir besuchen den 57-Jährigen Anfang Februar in seinem Büro im Bahnhofsgebäude von Bozen. Von hier hat er den perfekten Blick auf die ein- und ausfahrenden Züge, „aber auch auf den Schlern und den Rosengarten“, wie er mit einem breiten Lächeln betont.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135371_image" /></div> <BR /><BR /> Überhaupt erweist sich der gebürtige Bozner im Lauf des Gesprächs als humorvoll – und sichtlich erleichtert. Denn erst tags zuvor hat er in Rom das wohl aufwändigste Projekt seiner bisherigen Eisenbahnkarriere abgeschlossen: die Teilnahme an der Ausschreibung für die Vergabe der Bahndienste in Südtirol bis zum Jahr 2040.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135374_image" /></div> <h3> Ein guter Langläufer</h3>2003 trat Roger Hopfinger als damals jüngster Regionaldirektor seine Stelle bei Trenitalia an. Seither hat sich viel getan. Allein in Südtirol verzeichnet das Bahnunternehmen heute 2,8 Millionen Zugkilometer pro Jahr (weitere 2 Millionen Kilometer im Trentino). <BR /><BR />Es gilt, ständig etwas zu organisieren, mit der Politik abzustimmen, gesetzlich zu überprüfen und kurzfristig in die Wege zu leiten. Zusätzlich verantwortet Roger Hopfinger für die Italienischen Staatsbahnen die Personalfragen in seinem gesamten Einzugsbereich, vom Brenner bis nach Trient.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135377_image" /></div> <BR />70-Stunden-Wochen waren für den 2-fachen Familienvater viele Jahre keine Seltenheit. „Ich bin ein hoffnungsloser Workaholic“, gibt er zu. Das sei aber schon immer so gewesen, selbst in seiner Jugend: „Zuerst kam die Schule, dann der Sport.“ <BR /><BR />Letzterer war immer sehr wichtig für ihn. Tatsächlich gehörte er einst zu den besten Langläufern Südtirols. „Am Ende reichte es nie bis ganz nach vorne. Aber hätte ich, wie die anderen, mehrmals pro Woche trainiert, wäre ich vielleicht schneller gewesen“, mutmaßt er. Zum Kraftaufbau besuchte Roger Hopfinger ein Fitnessstudio, im Sommer war er gern auf dem Rennrad unterwegs oder ging schwimmen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135380_image" /></div> <h3> „Der kleine Eisenbahner“</h3>Pause? Das war ein Fremdwort für ihn – auch später in seinem Berufsleben. So geriet der Sport immer mehr in den Hintergrund. „Bis das passierte, was passieren musste: Mein Körper protestierte.“ Noch während seiner Genesung nahm er sich vor, sich wieder mehr zu bewegen. Im Moment trainiert er bereits wieder regelmäßig im Fitnessstudio – und er hat sich ein neues Rennrad gekauft. „Allerdings noch nicht ausprobiert“, räumt er etwas beschämt ein. Mit dem Langlaufen hat es heuer leider auch noch nicht geklappt.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135383_image" /></div> <BR />Im Lauf des Gesprächs offenbart Roger Hopfinger eine weitere große Leidenschaft: das Schreiben. Während der Coronazeit schrieb und veröffentlichte er im Eigenverlag ein Buch über nachhaltiges Management mit dem Titel „Management sostenibile“. Inzwischen wartet sein nächstes Manuskript auf die Publikation: „Il piccolo cheminot“, in der deutschen Version „Der kleine Eisenbahner“, inspiriert von Antoine de Saint-Exupéry und illustriert von seiner Ehefrau Ulli.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135386_image" /></div> <h3> Anspruchsvolle (Lese-)Kost</h3>Selbstverständlich ist der Hobbyschriftsteller auch ein passionierter Leser. Romane reizen ihn weniger – anspruchsvolle Sachbücher hingegen umso mehr. Aktuell liegt ein Werk des deutsch-koreanischen Philosophen Byung-Chul Han auf seinem Nachttisch, auch Yuval Noah Hararis „Homo Deus. Eine Geschichte von morgen“ hat ihn fasziniert. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1135389_image" /></div> <embed id="dtext86-68787225_listbox" /><BR /><BR />Fast vergessen hätte er am Ende des Gesprächs noch eine weitere Lieblingsbeschäftigung. „Ich esse gern“, verrät er mit einem spitzbübischen Lächeln. Lieblingsgericht? „Tonnarelli cacio e pepe“, ein Nudelklassiker aus Rom. Und wenn er Zeit hat, stellt er sich auch gern an den Herd. Was gelingt ihm besonders gut? „Lasagne und selbstgemachte Schlutzkrapfen.“ <BR /><BR /><BR />