Freitag, 27. Juli 2018

Roma-Siedlung in Rom geräumt

In der italienischen Hauptstadt Rom ist ein Camp mit mehreren Hundert Angehörigen der Minderheit der Roma geräumt worden. Bürgermeisterin Virginia Raggi begründete die Maßnahme mit Gesundheitsrisiken für die Bewohner der illegalen Barackensiedlung am Rande der Stadt. Es gebe Hygiene-Probleme, schrieb Raggi am Donnerstag auf Facebook.

Den Bewohnern seien alternative Unterkünfte und die freiwillige Rückkehr in ihre Heimatländer angeboten worden. - Foto: Ansa
Den Bewohnern seien alternative Unterkünfte und die freiwillige Rückkehr in ihre Heimatländer angeboten worden. - Foto: Ansa

Den Bewohnern seien alternative Unterkünfte und die freiwillige Rückkehr in ihre Heimatländer angeboten worden. Dass die „Camping River” genannte Siedlung bereits am Donnerstag geräumt wurde, hatte für Empörung gesorgt, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Italien am Dienstag darum gebeten hatte, damit noch zu warten und bis Freitag weitere Informationen zu liefern.

Hygieneprobleme

Allerdings teilte ein EGMR-Sprecher am Abend mit, die sogenannte einstweilige Maßnahme sei am Donnerstag aufgehoben worden. Sie sollte verhindern, dass drei gesundheitlich angeschlagene Bewohner des Camps verwiesen werden. Die drei hatten sich in Straßburg gegen die drohende Räumung gewehrt.

Das Gericht zeigte sich nun zufrieden mit der Lösung: Die drei Bewohner hätten akzeptiert, in Unterkünfte umzuziehen, die ihnen die Behörden angeboten hätten, teilte der Sprecher mit. Daher sei die einstweilige Maßnahme aufgehoben worden.

„Wie Hunde“

”Sie haben uns genommen und auf die Straße geworfen, wie Hunde”, klagte ein Bewohner der Siedlung im Fernsehsender Rai. Auch die Associazione 21 Luglio, die sich für die Rechte der Roma einsetzt, kritisierte das Vorgehen. Nach ihren Angaben ist nur einer „kleinen Minderheit” der Roma-Familien eine neue Bleibe angeboten worden. Etwa 100 Bewohner seien außerhalb des Camps gestrandet.

Der Organisation zufolge leben zwischen 120.000 und 180.000 Roma in Italien. Schätzungsweise 26.000 von ihnen leben in Siedlungen wie „Camping River”. Sie gelten als vom Verbrechen kontrollierte No-Go-Areas.

apa/dpa

stol