Donnerstag, 08. September 2016

Roms Bürgermeisterin macht trotz Turbulenzen weiter

Die im Juni gewählte römische Bürgermeisterin Virginia Raggi will trotz der schweren politischen Turbulenzen weitermachen. Am Mittwochabend verteidigte sie ihre Umweltbeauftragte Paola Muraro, die eigentlich die Müllentsorgungsprobleme lösen soll, gegen die jedoch wegen Amtsmissbrauch und Verstoß gegen Umweltgesetze ermittelt wird.

Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi wird von den Gegner stark kritisiert.
Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi wird von den Gegner stark kritisiert. - Foto: © LaPresse

Muraro werde im Amt bleiben, solange die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen sie nicht bewiesen seien, so Raggi am Mittwochabend in Rom. Rückendeckung erhielt die Bürgermeisterin auch vom Parteigründer ihrer Fünf-Sterne-Bewegung Beppe Grillo.

Der Starkomiker verglich Raggi mit dem ersten schwarzen Bürgermeister in Mississipi 1968. „Raggi muss ein korruptes System beseitigen, das seit 50 Jahren Rom regiert. Es ist logisch, dass sie mit Widerständen konfrontiert ist. Wir werden sie verteidigen“, erklärte Grillo am Mittwochabend.

Raggi unter großem Druck

Die 38-jährige Raggi, die als erste Frau in das Rathaus von Rom einzog, steht seit dem Rücktritt 5 ihrer wichtigsten Mitarbeiter unter großem Druck. Hinzu kommen die Ermittlungen gegen ihre Umweltbeauftragte. Die Vorwürfe gegen Muraro beziehen sich auf die Zeit ihrer Beratungstätigkeit für die städtische Müllentsorgungsgesellschaft AMA.

Die Bürgermeisterin steht in der Kritik, weil sie bereits seit Juli über die laufenden Ermittlungen gegen Muraro Bescheid wusste, die Öffentlichkeit jedoch nicht informiert hatte. Das wird Raggi besonders stark angekreidet, weil die Politikerin die Wahl mit der vehementen Forderung für mehr Transparenz und Ehrlichkeit gewonnen hatte.

Sinkende Lebensqualität in Rom

Die politischen Gegner Raggis nützen die Probleme der Grillo-Partei unterdessen aus. „Die Fünf-Sterne-Bewegung hat den Crash-Test in Rom nicht bestanden“, frohlockte Innenminister Angelino Alfano, Chef der rechtskonservativen Regierungspartei NCD.

Indes klagen die Römer über sinkende Lebensqualität in der italienischen Hauptstadt. Laut einer Umfrage des Statistikamtes „Eurostat“ sind die Römer zusammen mit den Einwohnern Athens diejenigen, die europaweit mit dem Leben in ihrer Hauptstadt am meisten unzufrieden sind. Die 3,5 Millionen-Hauptstadt leider unter chronischen Problemen bei der Müllentsorgung sowie beim Nahverkehr.

apa

stol