Freitag, 29. Juni 2018

Rotes Kreuz warnt vor humanitärer Katastrophe im Süden Syriens

Die Türkei hat die Offensive der syrischen Regierungstruppen auf die letzten Rebellengebiete im Süden Syriens „entschieden verurteilt“. Der türkische Außenamtssprecher Hami Aksoy kritisierte am Freitag, die „unmenschlichen Angriffe“ der Truppen von Machthaber Bashar al-Assad in der Provinz Daraa.

Daraa war die einzige Zone, in der im vergangenen Jahr tatsächlich die Waffen schwiegen.
Daraa war die einzige Zone, in der im vergangenen Jahr tatsächlich die Waffen schwiegen. - Foto: © APA/AFP

Diese würden die internationalen Bemühungen in Genf und Astana „untergraben“, die Gewalt zu mindern und eine politische Lösung für den Konflikt zu finden, hieß es weiter. Aksoy erinnerte daran, dass die Region von Daraa und Kuneitra eine „Deeskalationszone“ sei, in der seit 2017 eine Waffenruhe zwischen Rebellen und Regierungstruppen gelte. Aksoy rief die anderen Garanten der Waffenruhe und die Staatengemeinschaft auf, sich für ein Ende der Angriffe einzusetzen. Dass Russland, mit dem Ankara zunehmend enge Beziehungen unterhält, aktiv an den Angriffen beteiligt ist, erwähnte Aksoy nicht.

Daraa: Waffenruhe im Jahr 2017 

Obwohl sie im syrischen Bürgerkrieg auf unterschiedlichen Seiten stehen, setzen sich Russland, die Türkei und der Iran seit Anfang 2017 im sogenannten Astana-Prozess für die Minderung der Gewalt in Syrien ein. Dabei wurde die Einrichtung mehrerer sogenannter Deeskalationszonen vereinbart, in denen regionale Feuerpausen gelten. Daraa war die einzige Zone, in der im vergangenen Jahr tatsächlich die Waffen schwiegen.

Am 19. Juni begann die syrische Armee jedoch mit russischer Luftunterstützung eine Offensive auf Daraa, nachdem wochenlange Verhandlungen mit den Rebellen kein Ergebnis gebracht hatten. Allein am Donnerstag wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens 25 Zivilisten getötet. Zehntausende Menschen flohen vor den Kämpfen in der Region an der Grenze zu Jordanien und den von Israel besetzen Golanhöhen.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnte vor verheerenden humanitären Folgen für die Zivilbevölkerung. Die Hilfsorganisation zeigte sich „sehr besorgt über die Sicherheit von zehntausenden Zivilisten, die im Süden des Bezirks um Daraa zwischen die Fronten geraten oder bereits auf der Flucht vor Gewalt sind“. Wenn die Kämpfe anhielten, könnten 200.000 Menschen aus den umkämpften Gebieten zur Flucht gezwungen werden.

apa/afp

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stol