Donnerstag, 07. Juni 2018

Rundum sicher begleitet

Die Sozialgenossenschaft humanitas24 aus Bozen stellt sich den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft. Seit 2014 vermittelt sie Betreuungskräfte an Menschen, die ihren Alltag nicht mehr aus eigener Kraft meistern können.

Foto: Raiffeisenverband - v.l.n.r. Heidi Holzmann, Ursula Thaler und Elisabeth Scherlin
Foto: Raiffeisenverband - v.l.n.r. Heidi Holzmann, Ursula Thaler und Elisabeth Scherlin

Hildegard N. erlitt vor drei Wochen einen Schlaganfall. Doch in der Reha erholt sich die 79-Jährige schnell, in zwei Wochen soll sie bereits entlassen werden.  Den Alltag wird sie laut Ärzten allerdings nicht mehr alleine bewältigen können, zumindest nicht in den nächsten drei bis vier Monaten. Ihr einziger Sohn ist berufstätig und schafft die Betreuung ohne Hilfe von außen nicht.
Nach einem Erstgespräch bei der Anlaufstelle im Sozial- und Gesundheitssprengel wandte er sich vor ein paar Tagen an die Sozialgenossenschaft humanitas24 in Bozen, die sich um die Pflege und
Betreuung von Menschen kümmert, wenn diese krankheits- oder altersbedingt in ihrem häuslichen Alltag auf Hilfe angewiesen sind. „Ein typischer Fall“, sagt Ursula Thaler. „Wir werden häufig von Angehörigen kontaktiert, die schnell eine Lösung benötigen.“

Ursula Thaler war selbst viele Jahre im Pflegebereich tätig. Sie erlebte hautnah mit, dass großer Bedarf nach einer angemessenen Begleitung pflegebedürftiger Menschen besteht und die öffentliche Hand die steigende Nachfrage nicht abdecken kann. So entstand die Idee, selbst aktiv zu werden, und sie gründete mit der Start-up-Beratung des Raiffeisenverbandes Südtirol die Sozialgenossenschaft humanitas24, der sie heute als Obfrau vorsteht. „Wir verfolgen keine Gewinnabsicht, aber um weiterhin bestehen und wachsen zu können, müssen wir auch wirtschaftlich gut arbeiten.“ Ganz im Sinne von Friedrich Wilhelm Raiffeisen, dessen 200. Geburtstag dieses Jahr gefeiert wird. „F.W. Raiffeisen hat in seiner Zeit zur Verbesserung der Lebensumstände der Mitmenschen beigetragen“, betont Herbert Von Leon, Obmann des Raiffeisenverbandes, „und das sowohl in materieller als auch in sozialer Hinsicht. Heute erbringen Sozialgenossenschaften wertvolle Dienstleistungen für die Gesellschaft, die in Zukunft noch wichtiger werden.“ So wie das Angebot von humanitas24. Am Anfang konnte die Genossenschaft nicht alle Anfragen und Wünsche der Familien erfüllen. Das hat sich mittlerweile geändert. Mit insgesamt sechs Angestellten kümmert sich die Sozialgenossenschaft heute vor allem um die Vermittlung der Betreuungskräfte, deren Anstellung durch die Familien, den Arbeitsvertrag und die monatliche Lohnabrechnung.

Am Anfang jeder Zusammenarbeit steht ein Beratungsgespräch: Die Sozialgenossenschaft hört sich die Anliegen und Bedürfnisse der Familien an und zeigt Lösungsvorschläge auf. Dabei greift sie auf ein Netzwerk von rund 200 erfahrenen Pflegerinnen vor allem aus Kroatien zurück, die der deutschen Sprache mächtig sind. Das ist Voraussetzung. Je nach Bedarf betreuen sie als Hausangestellte pflegebedürftige Südtirolerinnen und Südtiroler stundenweise oder auch rund um die Uhr. Die Sozialgenossenschaft bleibt auch nach der Anstellung immer Ansprechpartner der Familie. „Die Pflegerinnen können aber niemals die Aufgaben eines Fachdienstes übernehmen“, stellt Ursula Thaler klar. Denn damit es den pflegebedürftigen Menschen gut geht, braucht es die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Familienangehörigen, Pflegerinnen, Fachdiensten und dem Hausarzt.

stol