Dienstag, 05. Juli 2016

Russischer Geheimdienst beschlagnahmt Dokumente bei kritischem Sender

Da der renommierten Moskauer Radiosender Echo Moskwy offen Kritik an Putin übte, hat der russische Geheimdienst FSB Dokumente beschlagnahmt und Mitarbeiter vorgeladen.

Proteste gegen die russische Regierung: Inzwischen alltäglich
Proteste gegen die russische Regierung: Inzwischen alltäglich

Wegen eines kremlkritischen Beitrags hat der russische Inlandsgeheimdienst FSB beim renommierten Moskauer Radiosender Echo Moskwy Dokumente beschlagnahmt und Mitarbeiter zum Verhör vorgeladen. Dies teilte Echo-Vizechef Wladimir Warfolomejew am Dienstag mit. Hintergrund ist ein Kommentar auf der Internetseite des Senders, in dem der Publizist Andrej Piontkowski (76) die Tschetschenien-Politik von Präsident Wladimir Putin kritisiert. Darin heißt es unter anderem, der Kreml versorge die Führung der Teilrepublik mit Palästen, während sich die arbeitslose Jugend Islamisten anschließe.

Kritik an Putins Tschetschenien-Politik

Sieben FSB-Mitarbeiter hätten sich etwa zwei Stunden lang in der Redaktion aufgehalten und die Herausgabe der Korrespondenz mit Piontkowski verlangt, teilte Echo-Vizechef Warfolomejew mit. Mehrere Mitarbeiter seien zu Verhören einbestellt worden. In den Augen der Justiz rufe der Text zur Abtrennung von Tschetschenien von Russland auf und stelle daher die territoriale Integrität des Staates infrage, hieß es. Piontkowski hatte den Artikel im Januar veröffentlicht und Russland nach der ersten scharfen Kritik im Februar verlassen.

Echo Moskwy gilt als eines der letzten kritischen Massenmedien Russlands und als wichtige Stimme im Riesenreich. Die Redaktion ist immer wieder Anfeindungen kremlnaher Kräfte ausgesetzt.

dpa

stol