Mittwoch, 13. Januar 2016

Russischer Vizepremier sorgt in Belgrad für Empörung

Ein Treffen des russischen Vizepräsidenten Dmitri Rogosin mit dem wegen Kriegsverbrechen angeklagten serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj sorgt in Serbien für Empörung.

Dmitri Rogosin
Dmitri Rogosin

Die Tageszeitung „Blic“ sprach am Mittwoch von einer „Ohrfeige Moskaus“ an Belgrad. Auch der sonst eher Russland-freundliche Präsident Tomislav Nikolic betonte, er sei in Russland nie mit der Opposition zusammengetroffen.

Rogosin, der Seselj im Parteibüro der ultranationalistischen Serbischen Radikalen Partei (SRS) getroffen hatte, verteidigte den Schritt. Er erhalte „gute Beziehungen“ mit Seselj und haben diesen auch zweimal im Gefängnis des UNO-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag besucht, erklärte er gegenüber Medien. Auch sei Moskau der Ansicht, dass die Befugnisse des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien „ausgeschöpft“ wären.

Der wegen Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und der nordserbischen Provinz Vojvodina angeklagte Seselj war Ende 2014 aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus dem Gefängnis des Haager Tribunals entlassen worden. Mit einem Urteil wird in diesem Frühjahr gerechnet. Allerdings hat der Ultranationalist wiederholt betont, nicht freiwillig in das Gefängnis zurückkehren zu wollen.

Präsident Nikolic und Premier Aleksandar Vucic gehörten jahrelang zur Führung der Partei Seseljs und waren erst im Sommer 2008 aus dieser ausgetreten.

apa

stol