Wer glaubt, Steine seien nur kalt, grau und bewegen sich nie vom Fleck, hat wahrscheinlich noch nie etwas von den Wandersteinen gehört.<BR /><BR /><BR /> Die 42-jährige Sara Cristelli macht aus unscheinbaren Steinchen Kunstwerke, die anderen eine kleine Freude machen sollen. Die Idee ist einfach, aber effizient: Man bemalt die Steine nach Herzenslust, legt sie bei einem Spaziergang oder einer Wanderung irgendwo hin. Jemand anderes findet diesen bunten Stein und nimmt ihn mit nach Hause oder lässt ihn einfach „weiterwandern“. <BR /><BR />Um ihre Idee besser umzusetzen und bekannter zu machen, hat Sara Cristelli vor drei Jahren die Facebook-Gruppe „Wandersteine Südtirol“ gegründet. Seither posten über 600 Mitglieder fast jeden Tag fleißig in die Gruppe, wo sie die kleinen Kunstwerke versteckt oder gefunden haben. <BR /><BR />„In Deutschland habe ich diese Steine zum ersten Mal gesehen und mir gedacht, das ist eigentlich eine schöne Idee jemandem eine kleine Freude zu bereiten“, blickt die Wahl-Innsbruckerin zurück. Nach ihren ersten Postings war Cristelli selbst überrascht davon, wie viele Mitglieder der Gruppe binnen kürzester Zeit beigetreten waren – und ebenfalls Steine auf eine Reise schicken wollten.<h3> Eine Kunst, die jeder schon beherrscht</h3>Sara Cristelli bemalte früher schon hobbymäßig Steine. Für sie habe das eine meditative Auswirkung: „Als kleine Geste oder Geschenk ist so ein bemalter Stein eigentlich ideal, egal ob fürs Büro, Bücheregal oder den Garten Zuhause.“ Bei ihrer Suche nach der besten Technik zum Bemalen der Steine ist die 42-Jährige auf eine Wanderstein-Gruppe aus Deutschland gestoßen. „Es braucht nicht viel Aufwand oder Material“, weiß die Gründerin der „Wandersteine Südtirols“. <BR />Mit Filzstiften, Wasserfarben oder Nagellack lassen sich aus den Steinen kleine bunte Kunstwerke zaubern. „Es ist egal, wie groß oder klein der Stein ist, oder welches Motiv drauf ist“, erläutert Cristelli. Wichtig sei nur, dass man Freude an der „Arbeit“ habe. Ob man die Steine nur bemalt, kleine Figuren zeichnet, Kulleraugen draufklebt oder sie mit Pünktchen verziert – der Finder freut sich bestimmt über die kleine Überraschung am Wegesrand. <h3> Eine goldene Regel</h3>„Manchmal schreiben einige auch eine kleine Botschaft auf den Stein, das finde ich besonders nett“, verrät die Wahl-Innsbruckerin. „Das Schöne beim Bemalen ist, dass man nie weiß, wer den Stein findet oder wie lange er an seinem Platz liegen bleiben wird“, erzählt Cristelli.<BR /><BR /> Das Konzept der Wandersteine sei besonders in der Schweiz, aber auch in Deutschland sehr beliebt. „In der Schweiz zum Beispiel geben sich die Leute viel Mühe und zeichnen detailliert etwas auf den Stein“, sagt sie. Die bunten Steine sollen zum Mitnehmen oder Weitergeben animieren. „Viele trauen sich nicht die Steine mitzunehmen, sondern lassen sie einfach an ihrem Platz“, schildert die Zweifach-Mama. Doch genau das sollte man nicht tun. Denn die goldene Regel bei den Wandersteinen lautet: Bitte mitnehmen!<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="770912_image" /></div> <BR />Den Stein so richtig ins Rollen gebracht hat die Malserin selbst aber nicht. Ihre Bekannte Elisa Jung aus Latsch hatte die Idee, die Wandersteine mit auf ihre Gipfeltouren zu nehmen. „Das hat die Gruppe nochmal um viele Mitglieder reicher gemacht“, weist Sara Cristelli auf die hohe Mitgliederzahl ihrer Facebook-Gruppe hin. <h3> Bis nach Süditalien</h3>Seither finden sich auf Bergrouten, neben Gipfelkreuzen und auf Wanderwegen viele bunte Steine. Ein paar Exemplare von Sara Cristelli haben die Grenzen von Südtirol weit überschritten. „Viele sind in Deutschland oder der Schweiz gelandet. Ein Südtiroler Wanderstein ist sogar in Süditalien“, erzählt die 42-Jährige. Das mache sie ein bisschen stolz, denn aus ihrer (ursprünglich) kleinen Idee wurde nun eine große Wanderstein-Bewegung. „Ich finde es einfach erstaunlich, dass man jemandem mit so wenig Aufwand eine Freude machen kann“, erklärt die Alleinerziehende. Denn das sei das Hauptziel. <BR /><BR />Mit ihrer Wanderstein-Gruppe möchte Sara Cristelli viele andere Wanderbegeisterte und Gelegenheits-Spaziergänger ermutigen auch mal einen Stein zu bemalen bzw. auf eine Reise zu schicken. „Wenn man die Welt mit allen Konflikten momentan mit einem kleinen bunten Stein ein bisschen schöner machen kann, ist das doch eine tolle Sache“, bringt es die Vinschgerin auf den Punkt. Und wer weiß, wo der selbst bemalte Stein schlussendlich landet. <BR /><BR />