Schwimmen und Tauchen? Für den Otter beides kein Problem. Mit seinen Schwimmhäuten und der stromlinienförmigen Gestalt gleitet er regelrecht durchs Wasser. Er schafft es, bis zu fünf Minuten lang unter Wasser zu bleiben und dabei einige hundert Meter zurückzulegen.<BR /><BR /> Das Fell des Fischotters gehört zu den dichtesten im Tierreich. Auf einem Quadratzentimeter wachsen bis zu 80.000 Haare (zum Vergleich: Der Mensch hat nur 120 pro Quadratzentimeter). Es besteht aus zwei Schichten: einem dichten Unterfell, das Wärme speichert, und längeren Deckhaaren, die Wasser abweisen. Dadurch bleibt die Haut auch beim Tauchen trocken, und der Otter verliert kaum Körperwärme – selbst in eiskalten Gewässern. <BR /><BR />Die Haare des Tieres greifen mit mikroskopisch kleinen Strukturen wie ein Reißverschluss ineinander. So entsteht eine isolierende Luftschicht. Damit diese Schutzfunktion erhalten bleibt, pflegt der Otter sein Fell äußerst sorgfältig und verbringt viel Zeit mit Putzen und Kämmen. Er investiert hierfür etwa zehn Prozent der Zeit, in der er wach ist. <BR /><BR />Der Lebensraum des Otters liegt an flachen Flüssen mit zugewachsenen Ufern, Seen, schmalen Bächen und Gräben. Dort gräbt er sich auch seinen Bau. Der Ausgang liegt unter Wasser, das „Wohnzimmer“ platziert er aber klugerweise über der Hochwassergrenze. In der Dämmerung zieht es ihn aus seinem Bau, dann lockt die Nacht und er wandert oft weit am Ufer entlang oder geht auf Schwimmstreifzug – am liebsten alleine, denn der Fischotter ist ein echter Einzelgänger. Auf seinem Speiseplan: Fische, aber auch Amphibien und kleine Säugetiere.<BR /><BR />Weltweit gibt es 13 Otterarten – und sie leben fast überall dort, wo es Wasser, Nahrung und halbwegs intakte Natur gibt. Von eisigen Küsten bis in tropische Flüsse haben sich Otter an völlig unterschiedliche Lebensräume angepasst. Eine Ausnahme ist der Seeotter: Er lebt fast sein ganzes Leben im Meer. Statt Flüssen nutzt er Küstengewässer und treibt sogar schlafend auf dem Rücken im Wasser. Damit ist er der einzige Otter, der wirklich dauerhaft im Ozean lebt.<BR /><BR />Auch in Südamerika gibt es beeindruckende Arten wie den Riesenotter im Amazonasgebiet – ein sozial lebender Jäger, der in Gruppen lebt und zu den größten Ottern der Welt zählt. In Afrika dagegen sind Fleckhalsotter und Kapotter an Flüsse, Seen und Küsten angepasst.<BR /><BR />So unterschiedlich sie auch sind, eines haben alle 13 Arten gemeinsam: Sie sind extrem empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Verschmutzung, Flussverbauung und Lebensraumverlust wirken sich sofort auf die Bestände aus. Deshalb gehören Otter weltweit zu den sogenannten „Leitarten“. Wo sie verschwinden, kippt oft das ganze Ökosystem. Wo sie zurückkehren, ist das ein Zeichen für saubere, lebendige Gewässer. Die 13 Otterarten sind damit mehr als nur eine Tiergruppe – sie sind ein globales Warnsystem.<BR /><BR />Der Weltottertag (World Otter Day), der am kommenden Mittwoch, 27. Mai, gefeiert wird, ist ein internationaler Naturschutz-Aktionstag. Er wurde von der International Union for Conservation of Nature Otter Specialist Group initiiert und richtet den Blick gezielt auf den Zustand aller Otter weltweit.<h3> Fischotter war früher in Tirol kein seltenes Tier</h3>In Europa ist der Eurasische Fischotter (lateinisch: Lutra lutra) die einzige heimische Otterart. Einst war sie über den ganzen Kontinent verbreitet – auch in Tirol. Besonders entlang der großen Flüsse wie Inn, Drau, Isel, Rienz und deren Nebenbächen war der Fischotter bis ins 19. und frühe 20. Jahrhundert kein seltenes Tier. In Jagd- und Forstberichten dieser Zeit wird er regelmäßig erwähnt, oft sogar mit genauen Fangzahlen. <BR /><BR />Und die Tiere machten Schlagzeilen. Davide Righetti vom Amt für Wildtiermanagement, führender Südtiroler Fachmann für Otter, zitierte in einem Artikel für die Zeitschrift „Fischen in Südtirol“ (2022) des Fischereiverbandes Südtirol aus einem Zeitungsbericht aus den „Tiroler Stimmen“ im Jahr 1904: „Der Fischer Franz Hausstätter in Pflaurenz fing letzter Tage in der Rienz, in der Nähe der Klosterwaldkapelle bei St. Lorenzen, ein Fischotter im Gewichte von 18. Kilo. Es ist dies der 28. Fischotter welcher Haustätter gefangen hat und der achte seit dem Jahre 1900.“ In den folgenden Jahren wurden die Otter immer seltener, so Righetti in „Fischen in Südtirol“.<BR /><BR /> Die letzten Südtiroler Fischotter wurden 1956 entlang der Gader und 1958 am Sextnerbach erlegt. Im Jahr 1985 unternahm der WWF eine italienweite Erhebung zur Feststellung des Verbreitungsstatus der Art, die bestätigte, dass der Fischotter in Südtirol vollständig ausgerottet war.<BR /><BR /> Erst Jahrzehnte später tauchten die Tiere wieder auf – und zwar 2008 an der Drau im Grenzgebiet zu Osttirol. Es wird angenommen, dass die Fischotter von der österreichischen Population stammten, die sich auf natürliche Weise ausbreitet.<BR /><BR /> Um die Verbreitung des Fischotters in Südtirol zu überwachen, wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Projekte durchgeführt – etwa das Monitoring durch das Landesamt für Wildtiermanagement in Zusammenarbeit mit dem Fischereiverband (seit 2009). Anhand von Losungen und Exkrementen sowie Trittsiegeln und Fotofallen konnte dadurch belegt werden, dass sich das streng geschützte Tier wieder ausbreitet. <h3> Monitoring: Tierart im Auge behalten</h3>Ziel der Erhebungen ist es, ein genaueres Bild von Populationsstruktur und -dichte des Fischotters in Südtirol zu erhalten. Das jüngste Monitoring bestätigte die Präsenz von Fischottern entlang der Drau und des Sextner Bachs und wies zum ersten Mal eine Besiedelung außerhalb dieses Systems nach, vor allem entlang der Rienz bis zur Mündung des Furkelbachs sowie in deren Zuflüssen wie dem Gsieser Bach, dem Antholzer Bach und dem Pragser Bach.<BR /><BR />Im Frühjahr 2024 sorgte dann die Nachricht eines überfahrenen erwachsenen männlichen Fischotters im Eggental für Aufsehen: Es war dies der erste Nachweis der Art im Einzugsgebiet der Etsch. Das Tier war entweder vom Brenner über den Eisack eingewandert (die Art kommt seit einigen Jahren wieder an der Innachse vor), oder es könnte vom Drautal über die Rienz in den Eisack und schließlich über die Etsch ins Eggental gekommen sein. <BR /><BR />In der Literatur werden Fälle beschrieben, in denen die Art über weite Strecken von ihrer ursprünglichen Population abgewandert ist, wie in einem früheren Fall in Sant'Agata di Tovo in der Provinz Sondrio. Dort wurde 2012 ein einzelner Fischotter bei einem Verkehrsunfall in einiger Entfernung von der ursprünglichen Population tot aufgefunden. Auch im Val Chiavenna in der Provinz Sondrio an der Schweizer Grenze wurden im Jahr 2023 Vorkommen bestätigt.<BR /><BR /><i>Quellen: APA, LPA, „Dolomiten“, „Fischen in Südtirol“</i>