Der selbstbewusste und von Tatendrang getriebene Renzi hat am Dienstag politische Konsultationen mit den Parteien für eine Regierung gestartet, die mit einem ehrgeizigen Programm wirtschaftlicher und politischer Reformen bis Ende der Legislaturperiode 2018 im Sattel bleiben und konkrete Antworten auf das in einem Zustand der Dauerkrise steckende Italien geben soll. Renzi steht keine einfache Aufgabe bevor. Seine schwierigste Hürde ist jetzt, die Mitte-rechts-Partei NDC (Neue Rechte Mitte) um den scheidenden Innenminister Angelino Alfano für sein sozialdemokratisch inspiriertes Programm zu gewinnen.Renzi setzt alles aufs Spiel. Ohne die Unterstützung von Alfanos Partei kann die Regierung nicht starten. Die erst im Dezember aus einer Spaltung von der Forza Italia um Ex-Premier Silvio Berlusconi entstandene Gruppierung steht einer Zusammenarbeit zwar grundsätzlich positiv gegenüber, doch Alfano will das Regierungsprogramm im Detail mitbestimmen. Der NDC-Chef, der lange als Ziehsohn Berlusconis galt, bevor er sich von ihm lossagte, macht eine Koalition davon abhängig, dass die Regierung nicht zu weit nach links rückt. Auch Alfanos eigene künftige Rolle im neuen Kabinett ist ein Verhandlungsthema. Kommt es zur Koalition, will der Sizilianer Innenminister bleiben.Alfano beansprucht insgesamt drei Ministerposten und die Zusicherung, dass Renzi auf die Ausweitung des Kabinetts auf die Sozialisten von Linke, Ökologie, Freiheit (SEL) verzichtet, sowie auf eine Annäherungen an die Forza Italia, die Renzi aber für Verfassungsänderungen und die dafür nötige Zweidrittelmehrheit in beiden Parlamentskammern braucht. Berlusconi selbst hatte bei politischen Konsultationen mit Präsident Giorgio Napolitano am Wochenende versichert, dass er eine „verantwortungsbewusste Opposition“ zur Regierungspolitik Renzis machen werde und für Verhandlungen über für das Land wichtige Reformen offen sei.Nach jüngsten Umfragen meinen 52 Prozent der Italiener, Renzi werde es schaffen, die nötigen Reformen umzusetzen. 64 Prozent kritisieren jedoch, dass nun nach jener Mario Montis und Enrico Lettas ein drittes Mal eine Regierung eingesetzt wird, die nicht nach einer Wahl gebildet wird.apa