Einer davon, „Kurz – Der Film“, ist am 10. und 11. November in den Südtiroler Cineplexx-Kinos zu sehen. Im Interview spricht der Regisseur des 90-minütigen Dokumentarfilms, Sascha Köllnreitner über die Gespräche mit Sebastian Kurz und die Rezeption des Films.<BR /><BR /><b>Warum sollten sich Südtirolerinnen und Südtiroler den Film anschauen?<BR /></b>Sascha Köllnreitner: Weil er eine spannende Erzählung über eine wahnsinnig polarisierende Persönlichkeit ist. Weil eine politische Figur wie Sebastian Kurz nicht nur Österreich betrifft, sondern ein weltweites Phänomen ist, mit allen positiven und negativen Aspekten. Weil der Film einen Blick hinter politische Kulissen erlaubt. Und weil – ich habe mit vielen Leuten gesprochen – Ansichten zum Vorschein kommen, die man so wahrscheinlich noch nicht gehört hat, und viele Kommentare drinnen sind, die auch definitiv von 2 Seiten lesbar sind. Es ist ein vielschichtiger Film, man kann auch zwischen den Zeilen viel herauslesen.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="961534_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie sind Sie zur Idee für den Film gekommen?<BR /></b>Köllnreitner: Die Idee dazu ist im Gespräch zwischen mit dem Produzenten Michael Reisch entstanden. Aus dem Wunsch heraus, mehr zusammenzuarbeiten, auch im Bereich Politik, sind wir auf das Thema Sebastian Kurz gekommen.<BR /><BR /><b>Welches Ziel wollten Sie mit „Kurz – Der Film“ erreichen?<BR /></b>Köllnreitner: Einen interessanten Film über eine der polarisierendsten Figuren der österreichischen und vielleicht auch europäischen Politik zu machen. Einen Film, der auch unterhält. Wir wollten auch einen Blick hinter die Kulissen von Sebastian Kurz' Zeit in der Spitzenpolitik werfen, einen Blick auf seinen Karriereweg, hinter seine Macht. Unser Ziel war auch, herauszufinden: Gibt es eine große Diskrepanz zwischen der Person Sebastian Kurz und seiner Persona, sprich der öffentlichen Person? Inwieweit deckt sich das? Natürlich gibt es diese Unterscheidung bei Personen des öffentlichen Lebens und bei Politikern immer, aber gerade bei ihm ist es ein Reizthema. <BR /><BR /> <div class="embed-box"><iframe width="700" height="394" src="https://www.youtube.com/embed/-SnGyN_OqBA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen title="KURZ - DER FILM | OFFIZIELLER TRAILER"></iframe></div> <BR /><BR /><b>Sie sind mit der Idee nicht allein geblieben, allein im September sind 3 Filme über Sebastian Kurz erschienen. Wie erklären Sie das?<BR /></b>Köllnreitner: Man muss wirklich sagen, es ist eigentlich abstrus. Man sieht, dass er immer noch oder mehr denn je eine Reizfigur ist. Viele Leute machen sich Gedanken über das mediale und politische Phänomen Sebastian Kurz – egal, ob man ihm jetzt positiv oder negativ gegenübersteht – und wollen diese an die Öffentlichkeit bringen. Es gibt ja nicht nur die 3 Filme, ich habe 7 oder 8 Bücher über ihn herumliegen. Wahnsinnig interessant ist, dass die Medialität, die er für sich sehr erfolgreich bedient hat, nicht abreißt. Selbst die größten Kritiker schreiben weiter sehr, sehr viel über ihn.<BR /><BR /><b>Sebastian Kurz kommt in Ihrem Film selbst zu Wort. War dazu viel Überzeugungsarbeit nötig?<BR /></b>Köllnreitner: Es war nicht einfach, ihn vor die Kamera zu bekommen. Ich habe mich mehrmals mit seinem Berater und zweimal mit Sebastian Kurz getroffen, bis er zu den Interviews eingewilligt hat.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>Wie weit haben Sie Sebastian Kurz kennengelernt? Wie viel hat er von sich gezeigt?<BR /></b>Köllnreitner: Ich glaube nicht, dass ich ihn intensiv kennengelernt habe, obwohl wir uns dreimal getroffen haben. Es war ein höflich-distanziertes Verhältnis, wovon man natürlich ausgeht, wenn man einen ehemaligen Vertreter der Spitzenpolitik interviewt. Immer wohlüberlegt, das weiß man sowieso. Nichtsdestotrotz dachte ich, dass die Gespräche lockerer und spontaner funktionierten würden. <BR /><BR /><b>Ist „Ibiza“ ein Reizwort für Sebastian Kurz?<BR /></b>Köllnreitner: Nein, ich glaube eher „Ermittlungen“ oder „Chat“ (lacht). Natürlich ist „Ibiza“ ein Reizwort, aber ich glaube aktuell sind die diversen Ermittlungen und Anklagen bzw. Anschuldigungen für ihn die größeren. Bei Fragen nach der Chat-Affäre hat er erwartungsgemäß sehr wenig bis gar nichts gesagt, sich entweder auf laufende Ermittlungen berufen oder mit Standardsätzen geantwortet.<BR /><BR /><b>Sie haben viel negative Kritik für „Kurz – Der Film“ erfahren, er wurde als Pro-Kurz-Film bezeichnet, Ihnen wurden Sympathien zur ÖVP nachgesagt. Was sagen Sie im Nachhinein dazu?<BR /></b>Köllnreitner: Das schmerzt mich, und das weise ich vehement von mir. Denn „Kurz – Der Film“ ist weder ein Pro-Kurz-Film noch ein Werbefilm. So etwas liegt mir absolut fern, filmisch und persönlich. Ich habe keine Nähe zu Sebastian Kurz, zu seiner Politik oder zur ÖVP. Mein Ansatz war, den Werdegang der Figur Sebastian Kurz und gleichzeitig die politische Zeit filmisch zu beschreiben: Gerade die Wechselwirkung zwischen Medien und Politik, Social Media in Wahlkämpfen oder viele andere Dinge, die bei uns falsch laufen, die man zurecht kritisieren muss und die teilweise nicht gut für die Demokratie sind. Ich finde nicht, dass ich einen Film gemacht habe, der sich der ganz klar auf eine Seite stellt. Aber mir war klar, dass das Projekt polarisieren wird.<BR /><BR /><BR /><BR /><b>„Kurz – Der Film“ war ihr erster Film mit einem politischen Thema. Welches Fazit ziehen Sie daraus? Hände weg in Zukunft, gerne wieder oder haben Sie vielleicht sogar Lust bekommen, in die Politik zu gehen?<BR /></b>Köllnreitner: Das letzte auf keinen Fall. Ich habe mich der Politik als Filmemacher genähert, und habe sozusagen einen Hauch davon mitbekommen, wie es sich anfühlt, wenn man plötzlich Bestandteil der Politdiskussion ist. Das wäre nichts für mich. Filmisch habe ich nicht vor, mich in absehbarerer Zeit wieder einem politischen Thema zu widmen. Wenn, dann tunlichst nur mehr über Personen, die ihre politische Karriere 100-prozentig beendet haben. Ich will nicht nochmal unfreiwillig Nährstoff für Spekulationen liefern.