Donnerstag, 29. Juni 2017

Seenotretter: Hafenverbot für Migranten keine Lösung

Hilfsorganisationen haben ein von der italienischen Regierung angedrohtes Hafenverbot für Flüchtlingsschiffe kritisiert.

Hilfsorganisationen haben das angedrohte Hafenverbot für Flüchtlingsschiffe kritisiert. - Foto: Twitter/SOSMediterranee
Hilfsorganisationen haben das angedrohte Hafenverbot für Flüchtlingsschiffe kritisiert. - Foto: Twitter/SOSMediterranee

„Wir sind uns bewusst, dass sich die Lage der Migranten und Flüchtlinge im zentralen Mittelmeer in den letzten Jahren extrem verschlechtert hat, und dass Italien zu lange an der Frontlinie dieser humanitären Katastrophe steht und eine koordinierte Antwort europäischer Staaten braucht“, erklärten die Seenotretter von SOS Mediterranee am Donnerstag.

Die Häfen für Menschen zu schließen, die vor Gewalt, Krieg und Armut flüchtete, sei jedoch keine Lösung.

Italien hatte ein Hafenverbot für ausländische Rettungsboote ins Gespräch gebracht, falls andere EU-Staaten Italien nicht endlich in der Flüchtlingskrise mit konkreten Taten unterstützen würden. Boote könnten in Häfen in deren jeweiligen Herkunftsländer umgeleitet werden – wie das zu bewerkstelligen sein könnte, war jedoch unklar.

Innenminister Marco Minniti sagte der Zeitung „La Repubblica“ vom Donnerstag: „Seit langem wiederhole ich, dass die Frage der Migration ein europäische ist. Und das ist keine Redewendung.“
In den letzten Tagen waren mehr als 10 000 Migranten gerettet und nach Italien gebracht worden. Seenotretter sind angewiesen, in den nächsten sicheren Hafen zu steuern.

Rein geografisch trifft das innerhalb der EU Italien. Die Rettungseinsätze der Hilfsorganisationen werden von der Zentrale der Küstenwache in Rom angeordnet, sie entscheidet auch, in welchen Hafen die Boote fahren.

SOS Mediterranee erklärte, keine offiziellen Informationen zu einem Verbot bekommen zu haben. „Wenn überhaupt, ist das ein Hilferuf der italienischen Regierung in Richtung der EU“, sagt Marcella Kraay, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen an Bord des Schiffes „Aquarius“, mit dem am Donnerstag mehr als 1000 Menschen nach Kalabrien gebracht wurden.

dpa

stol