Auch wenn er auf die 80 zugeht, unternimmt Menara jede Woche 2 Wanderungen – und das bei jedem Wind und Wetter. <BR /><BR /><b>Herr Menara, es dürfte wohl keine schöne Ecke und vor allem Berge in Südtirol geben, wo Sie noch nicht hingewandert sind. Sind Sie nach alle den Jahren immer noch viel unterwegs oder hat sich die Wanderleidenschaft etwas gelegt?</b><BR />Hanspaul Menara: Mit der „schönen Ecke“ dürften Sie schon recht haben, wo es lohnenswert ist, war ich sicherlich mehrfach unterwegs. Die Begeisterung für das Wandern hat aber sicherlich nicht nachgelassen. Ich freue mich auf jede Tour und bin noch immer voller Entdeckerdrang, andernfalls würde ich auch kaum je nach Wetter und Zeit so circa 2 Wanderungen in der Woche unternehmen. Das gebietet mir auch mein Job als Ideengeber von Tourenvorschlägen für das „Dolomiten-Magazin“. Die wandere ich regelmäßig und kurze Zeit vorher ab, die Informationen und Bilder sollen schließlich nicht veraltet sein. Aber um Ihre Frage zu beantworten: Ich gehe nun im wahrsten Sinne des Wortes seit 50 Jahren meinem Traumberuf nach – solange man mich lässt und solange ich dazu fähig bin, werde ich weitermachen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940228_image" /></div> <BR /><BR /><b>Somit sind Sie auch mit 78 Jahren noch bestens in Schuss?</b><BR />Menara: Was das anbelangt, bin ich sehr, sehr zufrieden. Erst kürzlich habe ich den Klettersteig auf den Roen gemacht, dabei habe ich mir gedacht, dass eigentlich alles so wie immer ist. Etwas langsamer bin ich nun schon unterwegs, aber ansonsten geht das alles tadellos. Heuer im Sommer habe ich 17 Gipfel bestiegen und mehrere Wanderungen zu Bergseen oder zu schönen Ausflugszielen unternommen. Berggipfel empfinde ich mittlerweile auch ein bisschen als Gradmesser für meine Verfassung. <BR /><BR /><b>Werden Sie bei Ihren Wanderungen auch öfter mal erkannt und angesprochen?</b><BR />Menara: Ja, das kommt schon vor, das freut einen auch. Aber grundsätzlich stelle ich den Menschenmassen aus oder ziehe mir deshalb auch mal meine Kopfbedeckung tiefer ins Gesicht. Ich gehe ja nicht auf den Berg, um da und dort einen Ratscher zu machen, speziell bei längeren Ausflügen muss die Zeit beachtet werden. <BR /><BR /><b>Apropos Zeit: Wie kalkulieren Sie die Zeit bei den Tourenvorschlägen?</b><BR />Menara: Meine Zeitangaben sind relativ großzügig bemessen. Das hat den Vorteil, dass auch der durchschnittliche Berggänger die Zeiten recht gut einhalten kann oder auch schneller ist und somit ein bisschen stolz auf sich sein kann. Außerdem soll man sich auf dem Berg ja nicht hetzen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940231_image" /></div> <BR /><BR /><b>Hetzen ist ebenfalls ein gutes Stichwort. Mussten Sie nicht selbst hetzen, um beispielsweise reihenweise Dreitausender zu besteigen, damit nach Ihren eigenen strengen Maßstäben einer Ihrer Verkaufsschlager „Die schönsten 3000er in Südtirol“ verwirklicht werden konnte?</b><BR />Menara: Ja, bei den Büchern ist schon immer der Zeitdruck wegen des Abgabetermins zum Tragen gekommen. Einerseits habe ich ja selbst auf schnelles Erscheinen gedrängt, andererseits wollten meine Ansprechpartner im Athesia-Verlag natürlich auch nicht jahrelang warten. Das erwähnte Buch über die schönsten 3000er in Südtirol habe ich mit Mitte 60 in Angriff genommen. Insgesamt habe ich im Verlauf von 2 Sommern 80 Dreitausender bestiegen. Dabei habe ich natürlich immer eine gute Kamera mit schwerem Objektiv im Rucksack, teilweise auch Pickel und Steigeisen. Um Gewicht zu sparen, habe ich eben auf Proviant verzichtet. <BR /><BR /><b>Wie, auf Proviant verzichtet?</b><BR />Menara: Ich habe eigentlich nie viel gebraucht auf dem Berg, nicht mal eine Trinkflasche. Hin und wieder ein paar Schluck Wasser aus den Bergbächen haben mir gereicht. Während ich die durchschnittlich 1500 Höhenmeter hochgegangen bin, habe ich mich bereits auf die beiden rohen Eier am Gipfel gefreut, mehr habe ich mir meistens nicht mitgenommen. Einmal wurde ich dabei von einem Wanderer aus Bayern hingewiesen, dass ich wegen des Cholesterins aufpassen solle. Ein anderes Mal hat man mir auf einer Hütte so einen Haferflockenriegel mitgegeben. Der war aber dermaßen trocken, dass ich ihn nach den ersten Bissen den Vögeln überlassen habe. <BR /><BR /><b>Sie sind gewissermaßen ein Leben lang auf den heimischen Bergen unterwegs. Welche Veränderungen fallen Ihnen besonders ins Auge?</b><BR />Menara: Das Land hat sich sehr stark verändert, das sieht man allein an der Almwirtschaft. In meiner Jugendzeit gab es so gut wie keine Hütten zur Einkehr auf den Almen. Heute ist das Gegenteil der Fall, stattdessen geht es auf den Almen mit der Viehwirtschaft abwärts. Die Anzahl der Bauern, die die Tierhaltung und die Milchwirtschaft aufgeben, ist im Laufe der Jahre eklatant gesunken. In der 1980er-Jahren gab es noch rund 25.000 Milchbauern, mittlerweile sind es nur mehr ein paar Tausend. Es ist auch bedauerlich, wenn auf den Feldern nicht mehr Korn oder Flachs angebaut wird, andererseits ist eben alles im Wandel begriffen. Und die Problematik mit Wolf und Bär verschlimmert alles nur. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940234_image" /></div> <BR /><BR /><b>Wie meinen Sie das?</b><BR />Menara: Die Bauern mit den totgebissenen Nutztieren tun mir richtig leid. Die gerissenen Tiere werden mit Steuergeldern vergütet, ich sehe aber nicht ein, warum das Futter für Wölfe mit öffentlichem Geld finanziert wird. Es liegt doch auf der Hand, dass wir in unserem dicht besiedelten Gebiet nicht das richtige Habitat für Wölfe haben, außerdem ist es schon lange mehr keine gefährdete Tierart in Europa.<BR /><BR /><b>Woher kommt denn eigentlich diese ungebrochene Begeisterung für unsere Bergwelt?</b><BR />Menara: Das hat wohl mit mehreren Dingen und Einflüssen zu tun. Ich bin ja in Sterzing aufgewachsen, unser Wohnhaus befand sich zwischen 2 Bauernhöfen, wo ich viel und oft zu finden war. Mein Vater ging oft zur Jagd, unsere Familienausflüge führten uns oft auf die Berge der Gegend, etwa den Rosskopf oder den Tribulaun. Es war alles sehr ländlich geprägt. Beeindruckt war ich immer von Reportagen oder Dokumentationen über Expeditionen, etwa die Entdeckung von Inka-Pyramiden oder die Erforschung des Amazonas-Beckens, genauso von Südtiroler Sagen. Es war da immer dieser Forschungsdrang und eine unbändige Neugier, die mich ein Leben lang begleitet haben. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="940237_image" /></div> <BR /><BR /><b>Das mag wohl auf viele Leute zutreffen, allerdings bringt es kaum jemand zum Bestseller-Autor. Wie kam es dazu?</b><BR />Menara: Ich war als Forstbeamter in der Landesverwaltung tätig, als ich mich 1972 mit meiner Buchidee zu Südtiroler Gebirgsseen an den Athesia-Verlag wandte. Ich bekam grünes Licht, als Co-Autor wurde mir Josef Rampold zur Seite gestellt. Die Begeisterung ging so weit, dass wir ein eigene kleine Vorrichtung entwickelten – ein Brett mit einer 300 Meter langen Schnur und Stein als Lot – um die Tiefe der Seen abzumessen. Zu manchen Seen musste ich 3 oder 4 mal hingehen, bis die Lichtverhältnisse für das Foto passten. Man bescheinigte mir zwar übertriebenen Perfektionismus, aber das Buch wurde ein sensationeller Verkaufserfolg. Man muss auch sagen, dass es im Gegensatz zu heute nur wenige Bücher über Südtirols Bergwelt gab. Es folgte bald das nächste Buchprojekt „Südtiroler Bergtouren“. Tagsüber arbeitete ich im Landesforstinspektorat, die Nächte hieß es am Buch arbeiten und am Wochenende brach ich mit meinem Fiat 600er zu den Touren auf. <BR /><BR /><embed id="dtext86-61280240_quote" /><BR /><BR /><BR /><b>Und so wurden Sie zum professionellen Buchautor?</b><BR />Menara: Das war im Jahr 1977, als ich mit dem Buch über die Südtiroler Höhenwege beschäftigt war. Auch dieses wurde ein riesiger Erfolg, ich bekam ja fast einen Größenwahn! Es war für mich immer ein unfassbares Glück, meiner Passion auf dieser Art nachgehen zu dürfen. Und so habe ich eben immer neue Ideen und Vorschläge ins Spiel gebracht und bis heute 66 Bücher veröffentlicht. <BR /><BR /><b>Dabei dürfte sich auch eine beträchtliche Anzahl an Fotos angesammelt haben, oder?</b><BR />Menara: Ich habe 50.000 Dias genau katalogisiert, dazu weitere 10.000 großformatige Dias. 2003 bin ich auf die Digitalfotografie umgestiegen, davon gibt es einige 100.000 Aufnahmen. Es ist in der Tat ein großes Archiv, auf das ich nach Bedarf immer zurückgreifen kann.<BR /><BR /><b>Nur von ihnen selbst gibt es kaum Fotos ...</b><BR />Menara: Allerdings, ich bin ja meistens alleine unterwegs und mit Selfies fange ich jetzt sicher nicht an. <BR />