Sonntag, 01. Juli 2018

Selbstmordanschlag auf Lager mit Wahlurnen im Irak

Ein Selbstmordattentäter hat sich in der nordirakischen Stadt Kirkuk am Eingang eines Lagers mit Wahlurnen der umstrittenen Parlamentswahl vom Mai in die Luft gesprengt.

Nach dem Selbstmordanschlag blieb ein Krater zurück. - Foto: APA (AFP)
Nach dem Selbstmordanschlag blieb ein Krater zurück. - Foto: APA (AFP)

Bei der Explosion der Autobombe seien 19 Sicherheitskräfte und Zivilisten verletzt worden, teilte die irakische Polizei am Sonntag mit. Zunächst war unklar, wer für den Anschlag verantwortlich war. 

Im Umland von Kirkuk sind noch immer Zellen der Terrormiliz „Islamischer Staat” (IS) aktiv. Die irakische Parlamentswahl am 12. Mai war von Unregelmäßigkeiten überschattet worden. Ministerpräsident Haidar al-Abadi sprach von „gefährlichen Verstößen”.

Vorwurf der Verfälschung des Wahlergebnisses

Insbesondere in Kirkuk gab es Vorwürfe, die Abstimmung sei gefälscht worden. Die ethnisch gemischte Stadt steht unter Kontrolle der Zentralregierung in Bagdad, wird aber auch von der kurdischen Autonomieregierung im Norden des Landes beansprucht.

Die Unregelmäßigkeiten bei der Wahl hatten im Irak einen heftigen Streit ausgelöst. Am Dienstag will die Wahlkommission mit der Neuauszählung von Stimmen aus mehreren Provinzen beginnen. Bereits Anfang Juni war in einem Lager mit Wahlurnen in der Hauptstadt Bagdad ein Feuer ausgebrochen. Abadi zufolge wurde es absichtlich gelegt.

Neues Parlament konnte noch immer nicht zusammentreten

Zugleich erlebt der Irak ein Machtvakuum. Laut Verfassung lief am Sonntag die Amtszeit der Regierung und des alten Abgeordnetenhauses aus. Das Kabinett ist nun nur noch geschäftsführend im Amt, das Parlament hat sich aufgelöst. Wegen des Streits um Unregelmäßigkeiten konnte das neue Parlament bisher noch nicht zusammentreten.

Bei der Abstimmung hatte überraschend die Liste des einflussreichen schiitischen Predigers Muktada al-Sadr die meisten Sitze gewonnen. Er hat sich sowohl mit Abadi als auch mit einer Liste, die den Schiitenmilizen und dem ebenfalls schiitischen Iran nahesteht, auf die Bildung einer neuen Regierung geeinigt.

Die Wahl galt als richtungsweisend, weil es die erste Abstimmung nach dem militärischen Sieg über die IS-Terrormiliz war.

apa/dpa

stol