Durch ihre Adern scheint nicht Blut zu fließen, sondern ein Strom an Buchstaben, der sämtliche Organe versorgt und sich in ihrem Gehirn zu feinsinnigen Pointen und tiefgründigen Gedanken formt. Alles an dieser Frau ist Sprache. <BR /><BR /><b>Von Edith Runer</b><BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360326_image" /></div> <BR /><BR />„Ich habe schon als Kind Geschichten und Gedichte geschrieben“, erzählt sie. „Es war und ist meine Form, das zu verarbeiten, was ich wahrnehme.“ Ihre Mutter hat Selmas „Frühwerke“ aufbewahrt, sie selbst wertet sie nicht groß. „Es sind Erinnerungen“, sagt sie nüchtern.<BR /><BR /><embed id="dtext86-76368915_listbox" /><BR /><BR />Aus der kindlichen Geschichtenschreiberin ist eine mehrfach ausgezeichnete Schriftstellerin und Dramaturgin geworden. Ihr heiter-kritischer Weltblick fließt vor allem in Romane, Essays, Theaterstücke und Drehbücher, drückt sich aber auch in Vorträgen, Dialogen und Internet-Auftritten aus. Besonders gut offenbaren sich ihr Sprachwitz und ihre Beobachtungsgabe in „Berg and Breakfast“, einer Essay-Sammlung über den Tourismus. <h3> Zeitschriftenlektüre als Inspiration</h3>Humor, davon besitzt Selma Mahlknecht reichlich. Sie kann sich köstlich amüsieren, wenn sie sich zur Entspannung nach einer Schreib-Session auf dem Tablet durch Frauenzeitschriften oder – noch besser – Reise- und Landlustmagazine scrollt. „Die oft überschwänglichen Marketing-Formulierungen, fern von jeglicher Realität, bringen mich zum Lachen und inspirieren mich gleichzeitig in meiner Arbeit“, erzählt die in Plaus aufgewachsene Autorin. Dass ihre Stücke hauptsächlich Komödien sind, mag da nicht verwundern. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360329_image" /></div> <BR /><BR />Selma Mahlknecht blickt stets mit feinen Antennen auf die Gesellschaft und hält ihr gern einen Spiegel vor: etwa in Form von literarischen Kabaretts mit ihrem Ehemann Kurt Gritsch, bei denen die beiden Lieder und Sketche zum Besten geben. Ihr Weihnachtskabarett, mit dem sie jährlich im Advent auftreten, ist mit 20 Ausgaben schon fast legendär. Titel wie „O Pannenbaum“ oder „Alle Jahre müder“ verraten, worauf sich das Publikum gefasst machen muss. <h3> Literatur, ganz einfach erklärt</h3>Aber Selma Mahlknecht schreibt und performt nicht nur, sie spricht auch gern über Literatur. Als sie noch einen Brotberuf brauchte und als Lehrerin arbeitete, richtete sie für ihre Schulklassen einen YouTube-Kanal ein, auf dem sie auf lebendige und unkomplizierte Weise bekannte Gedichte und Literatur-Strömungen erklärte und Bücher vorstellte. Das machte ihr so viel Spaß, dass es den Kanal immer noch gibt. Wöchentlich bespielt sie ihn mit einem neuen Beitrag und garniert die Themen manchmal mit entsprechenden Outfits. „Dieser Kanal ist wirklich Hobby und Vergnügen“, sagt sie.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360332_image" /></div> <h3> Kreativ-Shows zur Entspannung</h3>Wenn sie – was selten vorkommt – wirklich mal genug vom Schöngeistigen hat, wendet sich Selma Mahlknecht manchmal einer ganz anderen Form der Kreativität zu. „Ich mag die Shows im britischen Fernsehen, bei denen sich Menschen zum Beispiel im Nähen, Töpfern, Einrichten oder Backen messen.“ Im Gegensatz zu vergleichbaren deutschen Formaten seien die britischen äußerst professionell gemacht: „Mit den Händen etwas zu erschaffen, diese Gabe ist mir persönlich nicht so gegeben. Deshalb fasziniert es mich.“<h3> Faszination für Artenvielfalt</h3>Und noch etwas zieht sie in den Bann: ihr Garten – oder besser das, was darin wächst, kriecht und fliegt. „Wir haben keinen herkömmlichen Gemüsegarten und schon gar keinen mit gepflegtem Rasen, sondern bei uns darf wachsen, was sich hier wohlfühlt. Es gibt außerdem eine Trockenmauer und Totholzhaufen als Unterschlupf.“ Pflanzen und Tiere zu bestimmen, ihre Entwicklungszyklen zu beobachten und sich mit einheimischen und gebietsfremden Arten zu beschäftigen, hat die 47-Jährige als wirkliche Leidenschaft für sich entdeckt.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1360335_image" /></div> <BR /><BR />„Ich bin immer wieder erstaunt, wie viele Arten und Unterarten es gibt und wie nützlich sie sind“, erzählt Selma Mahlknecht und nennt die Wespe als Beispiel. So manches unscheinbare Grünzeug erweise sich außerdem als essbares Wildkraut und lande deshalb im Salat. Die Beobachterin schaut eben genauer hin – und entdeckt dabei auch dort noch etwas, wo andere längst weitergehen.<BR /><BR /><embed id="dtext86-76368916_listbox" />